Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.

 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
Risikofaktoren und Prävention sexualisierter Gewalt
Zeit:
Montag, 08.09.2025:
9:15 - 10:45

Chair der Sitzung: André Körner
Ort: Max-Planck Saal


Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen
Forschungsreferat
Stichworte: Aggressive Sexual Fantasies, Hostile Attitudes Towards Women, Sexual Aggression

Bi-Directional Links between Hostile Masculinity, Aggressive Sexual Fantasies, and Sexual Aggression: Evidence from a Three-Wave Longitudinal Study

Viktoria Rohr, Rebecca Bondü

Psychologische Hochschule Berlin, Deutschland

Higher levels of hostile masculinity have been shown to be a pertinent risk factor for sexual aggression. In addition, it has been linked to other risk factors for this behavior, such as aggressive sexual fantasies (ASF). There are opposing theoretical assumptions about these relations: some suggest that ASF develop early in life and that hostile attitudes are then needed as justifications for the execution of these fantasies. Others conceptualize ASF as a consequence of hostile masculinity when devaluations of women due to negative experiences with them transfer into fantasies of dominance and aggression against women. Because there is a lack of research examining the bi-directional longitudinal relations between hostile masculinity, ASF, and sexual aggression, the present study set out to close this gap in research. We use data from a longitudinal study with three measurement points set six months apart, respectively, and 2,357 participants at T1 (18 to 80 years, M = 32.86, SD = 12.01; 61% female). Inspections of zero order correlations showed the expected positive associations between hostile masculinity, ASF and sexual aggression. After preregistration, we will compute latent (random intercept) cross-lagged panel models to test the longitudinal bidirectional associations between the three variables. The findings will offer important contributions to both research and practice because the longitudinal design allows for identifying potential mediating effects as well as entry points for effective preventive measures.



Forschungsreferat
Stichworte: Intimate Partner Homicide, Risk Assessment, Threat Assessment, Warning Signs, Leaking

Intimate Partner Homicide: Comparing the Predictive Validity of the Danger Assessment and the GaTe-Risk Assessment Instrument

Tanita Rumpf1, Kristin Göbel2, Rebecca Bondü1

1Psychologische Hochschule Berlin, Deutschland; 2Freie Universität Berlin

Risk assessment of rare phenomena, including intimate partner homicide (IPH), faces several methodological and practical challenges. Most importantly, many risk assessment instruments for IPH, such as the prominent Danger Assessment tool (DA, Campbell et al., 2009) heavily rely on factors that are more closely associated with intimate partner violence (IPV) which does not always precede IPH. Thus, it is important to consider additional criteria in the reliable prediction of IPH, including announcements of the offenses (so called “leaking”) and other warning signs, as in the newly developed GaTe-Risk Assessment Instrument (GaTe-RAI). We applied both tools to a German sample of 79 cases of IPHs and 139 controls, who threatened to kill their partner without murdering them, to examine and compare the predictive validity of both tools in successfully predicting IPH. In the present sample, GaTe-RAI (AUC = .83) showed a substantially greater predictive validity than the DA (AUC = .56). Therefore, in a second step, we examined whether both instruments could be meaningfully combined. Through hierarchical regressions we show that including leaking and other warning signs enhances the detection of IPHs. Our findings support previous research that suggests that relying on aspects of IPV is insufficient to predict IPH. They suggest that practitioners should be encouraged to consider leaking and other warning signs to improve risk assessment results.



Forschungsreferat
Stichworte: Legalprognose, Rückfälligkeit von Sexualstraftätern, Conjoint-Analysen, implizite Risikomodelle

Implizite Risikobewertungen bei der Rückfallprognose von Sexualstraftätern: Ein Conjoint-Analytischer Ansatz

André Körner, Uta Grosse Wiesmann

Medical School Berlin, Deutschland

Die Einschätzung von Rückfallrisiken bei Sexualstraftätern ist ein zentrales Thema der forensischen Psychologie. Meta-analytische Befunde haben verlässliche Risikofaktoren identifiziert, die als Grundlage für standardisierte, aktuarische Verfahren dienen (Mann et al., 2010). Solche Instrumente (bspw. Stable-2007) werden in kriminalprognostischen Gutachten eingesetzt, um individuelle Rückfallwahrscheinlichkeiten zu bestimmen. In der Praxis greifen Fachkräfte jedoch häufig auch auf intuitive Einschätzungen zurück, etwa in Behandlungsprogrammen – mit begrenzter Validität. Unklar bleibt im Prozess der Entscheidungsfindung meist auch, wie einzelne Risikofaktoren final gewichtet werden. Mittels Choice-Based Conjoint-Analysen untersuchten wir deshalb, wie forensische Sachverständige, Studierende der Rechtspsychologie und Fachkräfte aus dem Strafvollzug Risikofaktoren bei der Rückfallprognose gewichten. Die Teilnehmenden bewerteten Täterprofile, die sich in drei empirisch belegten Risikofaktoren (Beziehungsfähigkeit, Impulsivität, multiple Paraphilien) sowie einem nicht evidenzbasierten Faktor (mangelnde Opferempathie) unterschieden. Jeder Faktor lag in drei Ausprägungen vor und variierte über neun softwaregenerierte Wahlsets hinweg. Die Ergebnisse zeigen, dass empirisch fundierte Risikofaktoren über alle Gruppen hinweg stärker gewichtet wurden als mangelnde Opferempathie. Dennoch betrachteten Fachkräfte im Strafvollzug diesen Faktor als besonders prädiktiv für Rückfälligkeit. Studierende und Sachverständige zeigten ähnliche Gewichtungsmuster, wobei letztere Opferempathie tendenziell stärker einbezogen. Die Entscheidungsmuster blieben insgesamt stabil, wiesen jedoch einige gruppenspezifische Unterschiede auf. Die Befunde liefern neue Einblicke in die implizite Gewichtung von Risikofaktoren und verdeutlichen die Gefahr nicht evidenzbasierte Aspekte in Legalprognosen einzubeziehen. Wir diskutieren den Einsatz empirisch fundierter Bewertungsverfahren im Zusammenhang mit strukturierten Entscheidungsprozessen, um mögliche intuitive Verzerrungen zu minimieren. Gleichzeitig geben wir Hinweise zum Einsatz entscheidungsbasierter Verfahren in der rechtspsychologischen Forschung.



Forschungsreferat
Stichworte: Pornografie, Gewaltprävalenz in Medien, Sexuelle Sozialisation

Porn to be wild: Eine differenzierte und standardisierte Inhaltsanalyse von Gewalt in Mainstream- und Alternativpornografie.

Ulrike Krüger, Julia Sauter

Universität Kassel, Deutschland

Durch die weite Verfügbarkeit im Internet ist Pornografie zunehmend ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags vieler Menschen geworden. An Selbstverständlichkeit gewinnt auch die Darstellung gewaltvoller Inhalte in der Onlinepornografie. Dies ist besorgniserregend, da Pornografie nicht nur der sexuellen Lust dient, sondern auch zur sexuellen Sozialisation beitragen kann - etwa dann, wenn Zuschauende ihre normativen Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterverhältnissen an pornografisch inszenierten Szenen ausrichten. Tatsächlich wird der Konsum gewaltvoller Pornographie in der Literatur mit einer höheren Akzeptanz sexualisierter Gewalt, geschlechtsbezogener Stereotype und der Objektivierung von Frauen in Verbindung gebracht. Während kostenlose, kommerzielle Plattformen wie Pornhub hinsichtlich gewalthaltiger Inhalte mittlerweile gut untersucht sind, fehlen systematische Vergleiche mit sogenannter „alternativer Pornografie“. Letztere umfasst etwa feministische, queer-freundliche oder ethisch produzierte Angebote, die meist nicht kostenlos verfügbar sind. Diese Studie analysiert die in Deutschland beliebtesten Videos von Pornhub sowie führenden alternativen Plattformen mithilfe eines quantitativen Kodierschemas, welches eine breite Palette sexueller Handlungen erfasst – von milderen Praktiken wie Spanking bis hin zu Degradierung und schwerer Gewalt. Zudem wird erhoben, an welchen Personen die jeweiligen Handlungen ausgeführt werden. Vorläufige Befunde zeigen, dass Gewalt und Erniedrigung fester Bestandteil kommerzieller Pornografie sind, in der Frauen überwiegend als unterwürfige Opfer und Männer als dominante Aggressoren dargestellt werden. Das differenzierte Kodierschema erlaubt eine präzisere Einschätzung von Gewaltprävalenz und ihrer geschlechtsspezifischen Verteilung in Mainstream- und Alternativproduktionen. Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, wie unterschiedliche Formen von Pornografie zur sexuellen Sozialisation beitragen können.



Forschungsreferat
Stichworte: Entitlement, Frauenfeindlichkeit, Sexualstraftaten, Missbrauchsabbildungen, Fokusgruppe

Entitled to sex? Die Erhebung von Masculine Sexual Entitlement im sexualforensischen Kontext

Judith Iffland

Medical School Hamburg, Deutschland

Frühere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass bestimmte Formen von sexueller Anspruchshaltung im Sinne von tatbegünstigen Kognitionen zum Verständnis von Sexualstraftaten beitragen können, z.B. bei innerfamiliärem sexuellem Missbrauch. Das Konstrukt “Masculine Sexual Entitlement“ (MSE; zu Deutsch: Männliche sexuelle Anspruchshaltung) wurde in den USA auf Grundlage verschiedener vorhandener Konzepte wie sexueller Narzissmus und hegemoniale Männlichkeit definiert und beschreibt Einstellungen, Normen und Verhaltensweisen, die eine übertriebene Überzeugung eines männlichen Anspruchs auf Sex beinhalten, sowie das Aufrechterhalten und Verstärken von Mustern, die zu diesen Dynamiken beitragen. In der Präsentation wird zunächst die Relevanz des Konstrukts „Entitlement“ für die rechtspsychologische Forschung und Praxis diskutiert. Anschließend wird die deutschsprachige Übersetzung und Validierung der Masculine Sexual Entitlement Norms Scale (MSEN25) vorgestellt. Die konvergente Validität wurde mithilfe der Sexual Narcissism Scale (SNS) und der Hostility Towards Women Scale (HTW) analysiert. Zum Schluss wird auf Basis erster qualitativer Erkenntnisse einer Fokusgruppenstudie mit Männern, die Missbrauchsabbildungen konsumiert haben, die Anwendbarkeit der MSEN25 im sexualforensischen Kontext diskutiert.