Conference Agenda
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Session 03 (DE): Digitale Zukünfte zwischen Utopie und Dystopie
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Zwischen Utopie und Diagnose: Science-Fiction als kommunikatives Zukunftslabor Uni Augsburg, Deutschland Der Text untersucht Science-Fiction (SF) als kommunikatives Zukunftslabor, das zugleich ästhetische Spekulation und gesellschaftliche Diagnose ermöglicht. SF fungiert als zentrales Element globaler Medienkulturen und verbindet fiktionale Zukunftsentwürfe mit metaphorischen Kommentaren zur Gegenwart. Beispiele wie Blade Runner oder Minority Report zeigen, wie SF sowohl soziale Ängste reflektiert als auch reale technologische Innovationen beeinflusst. Auch gegenwärtige Debatten über künstliche Intelligenz greifen häufig auf SF-Narrative zurück, etwa in Iain M. Banks’ Culture-Reihe, deren utopische Visionen besonders Tech-Eliten prägen – teils sogar missverstanden, wie im Fall von Elon Musk. Die Kommunikationswissenschaft nutzt SF bislang nur punktuell, etwa zur Illustration digitaler Transformationsprozesse oder in medienpädagogischen Kontexten. Der Text plädiert dafür, SF systematischer als analytisches Werkzeug einzusetzen, um alternative Kommunikationsordnungen, normative Annahmen und digitale Machtstrukturen kritisch zu reflektieren und Zukunftsszenarien erfahrbar zu machen. Alte Utopien, neue Ängste? Soziopolitische Narrative maschineller Autonomie, oder die neue Angst vor der Maschine University of Bonn, Deutschland Die Studie analysiert soziopolitische Narrative zu Technologieentwicklungen im historischen Verlauf der letzten zwanzig Jahre und zeigt, dass die Einführung neuer Technologien wiederkehrenden Mustern folgt, in denen Fortschrittserwartungen und Verlustängste koexistieren. Im Zentrum steht die Transformation des Autonomiebegriffs: Während er ursprünglich menschliche Selbstbestimmung bezeichnete, wird er im Kontext von KI zunehmend auf technische Systeme übertragen, denen eigenständige Lern- und Handlungskompetenzen zugeschrieben werden. Diese Verschiebung geht mit Narrativen einher, die einen möglichen Verlust menschlicher Kontrolle betonen und maschinelle Akteure als machtvoll darstellen. Auf Grundlage einer vergleichenden Analyse medialer Repräsentationen in Deutschland, Polen, Großbritannien und Frankreich identifiziert die Studie drei Entwicklungsphasen: Technologie als Bedrohung, als ambivalentes Objekt zwischen Kontrolle und Faszination sowie als Fortschrittsversprechen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich technophobe Narrative historisch ausdifferenzieren, während geschlechterbezogene Zuschreibungen über die Zeit hinweg stabil bleiben und gesellschaftliche Diskurse kontinuierlich prägen. Religiöse Motive im Diskurs zu Internet und Digitalität von 1996 bis heute Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland Religiöse Metaphern und eschatologische Motive spielen im Diskurs zu Internet und Digitalität seit den Anfängen eine zentrale Rolle – sowohl im populären Technodiskurs als auch in der akademischen Reflexion in Medien-, Kommunikations- und Religionswissenschaft. Der Beitrag fragt deshalb in diachroner Perspektive nach religiösen Bildern und Vorstellungen bei der Entwicklung digitaler Welten von 1996 bis heute. Hierfür werden anhand ausgewählter Schlüsseltexte diskursanalytisch zentrale Topoi betrachtet, mit denen der „Cyberspace“ (William Gibson) religiös und theologisch konnotiert wurde und wird. Im Vergleich der Texte werden so spezifisch religiöse Motive am jeweiligen historischen Ort identifiziert und zugleich charakteristische Verschiebungen sichtbar, die die (impliziten und expliziten) religiösen Interpretationen durchlaufen. Territorialität im Orbit – Utopien und Dystopien in der Regulierung globaler LEO-Satellitenkommunikation TU Berlin, Deutschland Der Beitrag untersucht, wie utopische und dystopische Zukunftsentwürfe in der Regulierung globaler LEO-Satellitenkommunikation diskursiv produziert und ausgehandelt werden. Ausgehend von der Beobachtung, dass das Internet seit den 1990er Jahren als deterritorialisierter Netzwerkraum imaginiert wurde, zeigt er, dass LEO-Konstellationen dieses Spannungsverhältnis zwischen Netzwerklogik und Territoriallogik auf neue Weise zuspitzen: Globale Konnektivitätsversprechen und geopolitische Infrastrukturkonkurrenz sind in denselben regulatorischen Arenen gleichzeitig präsent. Theoretisch und methodologisch verbindet der Beitrag das Konzept der soziotechnischen Imaginaries, die wissenssoziologische Diskursanalyse und eine politökonomische Perspektive auf geopolitischen Kapitalismus mit raumsoziologischen Überlegungen zu Territorialität und Machtgeometrien. Empirisch stützt sich die Analyse auf ITU-R- und FCC-Dokumente sowie ethnographische Feldforschungen auf Governance-Konferenzen. Die Studie plädiert schließlich für den Begriff der 'Orbital Imaginaries' als ein empirisches Untersuchungsfeld an der Schnittstelle von Infrastrukturforschung, Raumsoziologie und Diskursanalyse. | ||