Veranstaltungsprogramm

Sitzung
S5.2: AK AR/VR und AK Aus- und Weiterbildung
Zeit:
Freitag, 06.03.2020:
10:30 - 12:30

Chair der Sitzung: Thomas Luhmann
Chair der Sitzung: Dennis Edler
Ort: Raum 115
Im Anschluss an die Vorträge findet eine Diskussion zu "Ideen und Perspektiven des AK Aus- und Weiterbildung" unter Leitung von Ansgar Brunn und Thomas Luhmann statt

Präsentationen

3D-Stadtmodelle in Virtual Reality

T. P. Kersten, M. Lindstaedt

HafenCity Universität Hamburg, Deutschland

Virtuelle 3D-Stadtmodelle sind heute zur Lösung von raumbezogenen Frage- und Aufgabenstellungen in den Bereichen Architektur, Stadt- und Raumplanung, Vermessung, Umwelt und Energie und anderen nicht mehr weg zu denken. Immer mehr Städte verwenden virtuelle 3D-Stadtmodelle für Analysen und Visualisierungszwecke, um so u.a. auch Entscheidungen mit Bürgerbeteiligung treffen zu können. In Deutschland sind 3D Stadtmodelle keine Ansammlung von Klötzchen mehr, sondern sie stellen eine detailgetreue Darstellung des heutigen Gebäudebestands der Städte in verschiedenen Level-of-Details dar. Ermöglicht wurde dieses einerseits durch die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie verbunden mit den Fortschritten in der automatisierten Datenerfassung und -modellierung. Anderseits hat die zunehmende Nachfrage nach aktuellen 3D-Stadtmodelle dafür gesorgt, dass urbane Geodaten in ihrer dreidimensionalen Ausdehnung laufend erfasst und nachgeführt werden.

Wurden die 3D-Stadtmodelle für viele Anwendungen bisher am Computer interaktiv in 2D oder 3D dargestellt, so bietet Virtual Reality (VR) den Anwendern heute die Möglichkeit, sich in der virtuellen Umgebung als Besucher/Anwender zu bewegen und zu navigieren, um so das 3D-Stadtmodell immersiv zu erleben. Das Labor für Photogrammetrie & Laserscanning der HafenCity Universität (HCU) Hamburg hat bereits in zwei Projekten historische Stadtmodelle von Bad Segeberg und Stade in der Frühen Neuzeit als interaktive und immersive VR-Applikation entwickelt, um sie im Museum für Zwecke der geschichtlichen Weiterbildung einsetzen zu können. Im Rahmen der Hochschulausbildung an der HCU Hamburg konnten Masterstudierende in Projektarbeiten Erfahrungen bei der Entwicklung von VR-Applikationen mit dem aktuellen Hamburger 3D-Stadtmodell machen. Folgende acht verschiedene Gebiete des Hamburger Stadtmodells (siehe Abbildungen) wurden für die Entwicklung einer interaktiven und immersiven Virtual Reality Visualisierung ausgewählt:

- Brooktorkai in der Hamburger Speicherstadt

- Klosterstern in Hamburg-Eppendorf

- Peterstrasse in der Hamburger Neustadt

- Neues Stadtparkquartier am Alten Güterbahnhof Barmbek

- Gebäudekomplex Westend in Hamburg-Ottensen

- Rehmstraße in Hamburg-Winterhude

- Alte Rabenstraße in Hamburg-Rotherbaum

- Gaußstraße/Nernstweg in Hamburg-Altona

Als Grundlage bzw. Ausgangsdaten für die Entwicklung der VR-Applikationen in der Game Engine Unreal 4.20 standen das Hamburger Stadtmodell im LoD2 und das digitale Geländemodell zur Verfügung. Der Workflow für die Projektbearbeitung und die Ergebnisse der erstellten VR-Applikationen werden in diesem Beitrag präsentiert. Dabei werden auch die Qualität und die Verwendbarkeit des aktuellen 3D-Stadtmodells für die Entwicklung solcher VR-Applikationen kritisch diskutiert. Die immersive Visualisierung der generierten virtuellen Umgebungen, in den interaktive Elemente zur Wissensvermittlung eingebunden wurden, erfolgte mit der VR-Brille HTC Vive Pro.



Immersive VR-based Live Telepresence for Remote Collaboration and Teleoperation

M. Weinmann

University of Bonn, Deutschland

s. PDF



Gelingendes Zusammenspiel von Einzelmaßnahmen zur Weiterentwicklung des Lehr-Lernsystems im BSc-Studiengang „Geodäsie und Geoinformatik“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

M. Mayer, J. Cermak, K. Heß

Karlsruher Institut für Technologie, Deutschland

Bildungspolitische Vorgaben (z.B. Bologna-Prozess, Kompetenzorientierung; Stolz und Scholkmann, 2015), Hochschulleitungen und Fakultäten (z.B. Qualitätsmanagement, Evaluationsergebnisse, administrative Prozesse) sowie die Lehreinheiten selbst (z.B. Curriculumentwicklung; Niethammer u.A., 2014) sind für die Weiterentwicklung von Studiengängen Treiber und Motivatoren. Durch die Veränderung von bestehenden Studienangeboten reagieren Lehreinheiten in kontinuierlichen Veränderungsprozessen auf dynamische und globalisierte Anforderungen von Gesellschaft, Wissenschaft und Forschung sowie Berufswelt, die wiederum Megatrends (z.B. Digitalisierung, Individualisierung, Konnektivität; Horx, 2011) rückkoppeln. Unter anderem in Abhängigkeit von ihrer Historie und Identität sowie Rahmenbedingungen gestalten die einzelnen organisationalen Lehreinheiten ihren Transformationsprozess individuell und fachspezifisch aus.

Am Beispiel des BSc-Studiengangs „Geodäsie und Geoinformatik“ (Illner u.A., 2018; Mayer u.A., 2019) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wird im vorliegenden Beitrag aufgezeigt, wie durch das gelingende Zusammenspiel von ausgewählten Einzelmaßnahmen zur ganzheitlichen Weiterentwicklung des Lehr-Lernsystems innovativ, nachhaltig und profilbildend beigetragen werden kann. Die Einzelmaßnahmen gehen dabei von unterschiedlichen Hierarchieebenen bzw. Initiatoren (z.B. Hochschulleitung, KIT-Organisationseinheiten, Fakultät, Mitarbeitenden, Studierenden) aus; wobei insbesondere das Zusammenspiel zwischen der Lehreinheit „Geodäsie und Geoinformatik“ und dem Hochschuldidaktischen Fachtandem (HD-Fachtandem) der KIT-Fakultät für Bauingenieur-, Geo- und Umweltwissenschaften (Mayer und Heß, 2018) bedeutsam ist.

Im interdisziplinären HD-Fachtandem kooperieren eine Person aus der Fachdisziplin und eine Person aus der hochschuldidaktischen Abteilung des KIT. Das HD-Fachtandem verfügt somit über hochschuldidaktische Expertise und gewinnbringendes Systemwissen, bietet Chancen zur Perspektivenerweiterung und kennt die kulturellen disziplinspezifischen Besonderheiten (Fleischmann u.A., 2017). Gemeinschaftlich können somit umfangreichere Chancen für positive Wirkungen auf das Lehr-Lernsystem mit erhöhter Akzeptanz kreiert werden.

Die Einzelmaßnahmen im Studiengang „Geodäsie und Geoinformatik“ fokussieren …

  • auf unterschiedliche Personengruppen von Lehrenden (z.B. Einzelpersonen, Lehrstühle, Kollegium) und Studierenden (z.B. Fachschaft, einzelne Semester, Mentor*innen, Tutor*innen),
  • auf unterschiedliche Phasen des Studiums (z.B. Studieneingangsphase),
  • auf unterschiedliche Formate und zeitliche Umfänge (z.B. Kurzinputs, Workshops, Fortbildungen),
  • auf formale und informelle sowie implizite und explizite Anlassformen,

wodurch eine systematische Kategorisierung möglich wird. Insbesondere wird im Beitrag auf repräsentative Einzelmaßnahmen mit hohem Transferpotenzial für andere Studiengänge eingegangen. Hierzu zählen u.A.

  • (Re-)Akkreditierung als Chance für Studiengänge: Der Prozess der Reakkreditierung im Jahr 2019 wurde durch das HD-Fachtandem begleitet und bspw. zur Bestandsaufnahme von forschungsorientierter Lehre (KIT, 2015) genutzt;
  • Studierende als mündige Ausgestalter (Reinmann und Jenert, 2011) der Weiterentwicklung des Lehr-Lernsystems (Rabold u.A., 2019): Studierende verändern das Lehr-Lernsystem z.B. durch Impulse (z.B. White Paper „Gute Lehre“), sind involviert in die Planung künftiger Lehrveranstaltungen und agieren als Mentor*innen für Studierende;
  • motivierende Ausgestaltung der Studieneingangsphase (Heublein u.A., 2018a): Die Studieneingangsphase von BSc-Ingenieurstudiengängen ist häufig geprägt durch importierte Grundlagenlehrveranstaltungen in MINT-Fächern und gleichzeitig ermöglichen ausgewählte Lehrveranstaltungen der jeweiligen Fachdisziplin das fachliche Ankommen; hier helfen berufsbildschärfende Maßnahmen, Lehr-Lerneinheiten zur Aneignung von disziplinspezifischen Kompetenzen (z.B. Datenanalyse) und das Anbieten von Lehr-Lernräumen zum moderierten reflexiven Diskurs;
  • Weiterqualifikation von Mitarbeitenden und Studierenden (z.B. Baden-Württemberg-Zertifikat für Hochschuldidaktik, Advanced Teaching Competencies, Systemisches Coaching, Tutor*innen- und Mentor*innenausbildung);
  • Weiterentwicklung von Lehr-Lerneinheiten: Gemeinsam mit intrinsisch motivierten Lehrenden konnten bspw. durch Leitfragen (King, 1990) ein niederschwelliges Tool zur Nach- bzw. Vorbereitung von Lehre in verschiedenen Lehrveranstaltungen etabliert, standardisierte Feedbackinstrumente für Wissenschaftskommunikation (z.B. Präsentieren, Schreiben) entwickelt sowie alternative Formen der Lehrveranstaltungsevaluation (z.B. Gruppeninterview; Klink u.A., 2016) erprobt werden;
  • Etablierung von modul- und semesterübergreifenden Lehr-Lernelementen zum integrativen Training von personalen Kompetenzen durch Querschnittsthemen (Heublein u.A., 2018b): Durch Rahmengebung des BSc-Studiums (z.B. Modulprüfungen umfassen Lehrveranstaltungen aus maximal konsekutiven Semestern) benötigen Studierende Unterstützungsstrukturen, die Zusammenhänge modul- bzw. semesterübergreifend kontextuell einbetten;
  • Vernetzung als Instrument zur Professionalisierung und Verstetigung (Heublein u.A., 2018c).

Für diese Maßnahmen wird auf Prozessschritte zur nachhaltigen Integration in das Lehr-Lernsystem der Lehreinheit „Geodäsie und Geoinformatik“, kritische Gelingensbedingungen und Voraussetzungen sowie umsetzungsrelevante Herausforderungen eingegangen. Eingebettet wird dies in die Beschreibung der Rahmenbedingungen, die im thematisierten Studiengang z.B. durch Lehr-Lernprojekte bestehen, das Zusammenspiel der Einzelmaßnahmen sowie geplante zukünftige Weiterentwicklungen.

Literatur

Fleischmann A, Schroeder J, Tuschak J (2017): Nichtweiterbildung. Vorbehalte, Hemmschwellen und Einwände gegen hochschuldidaktische Weiterbildung. Neues Handbuch Hochschullehre, L1.34.

Heublein M, Stövhase J-M, Mayer M, Hinz S (2018a): LernenCoaching im BSc-Studiengang „Geodäsie und Geoinformatik“ - Teilprojekt von KIT-LehreForschungPLUS. dghd 2018 „Hochschuldidaktik als professionelle Verbindung von Forschung, Politik und Praxis“, 28. Februar – 2. März 2018, Karlsruhe. [online verfügbar unter https://www.lehre-hoch-forschung.kit.edu/img/Poster%202.3%20GuG.pdf]

Heublein M, Rabold J, Hirsch-Weber A, Mayer M (2018b): Feedbackregelkreise der Wissenschaftskommunikation im BSc-Studiengang „Geodäsie und Geoinformatik.“ Forum für Lehre – multiperspektivischer kollegialer Austausch über Lehre und Lernen am KIT, 6. November 2018, Karlsruhe. [online verfügbar unter: http://www.gik.kit.edu/downloads/Poster_ForumFuerLehre_Wissenschaftskommunikation__final.pdf]

Heublein M, Rabold J, Mayer M (2018): Synergien@KIT durch „Fit für Studium und Beruf“ im BSc-Studiengang Geodäsie und Geoinformatik. Forum für Lehre – multiperspektivischer kollegialer Austausch über Lehre und Lernen am KIT, 6. November 2018, Karlsruhe. [online verfügbar unter: http://www.gik.kit.edu/downloads/Poster_ForumFuerLehre_Synergien_FfSB__final.pdf]

Horx M (2011): Das Megatrend-Prinzip – Wie die Welt von morgen entsteht. Deutsche Verlagsanstalt, München.

Illner M, Mayer M, Breunig M. (2018): Die universitäre Geodäsieausbildung in Karlsruhe – Historie, Gegenwart und Zukunft. In: Seitz K (Hrsg.): Festschrift zur 150-Jahr-Feier des Geodätischen Instituts (1868-2018). Bd. 2018-2, S. 275–290, Schriftenreihe des Studiengangs Geodäsie und Geoinformatik, KIT Scientific Publishing, Karlsruhe.

King A (1990): Reciprocal Peer-Questioning A Strategy for Teaching Students How to Learn from Lectures. The Clearing House: A Journal of Educational Strategies, Issues and Ideas, (64) 2, S. 131–135.

KIT (2015) KIT-Leitfaden: Forschungsorientierte Lehre. [verfügbar unter: https://www.peba.kit.edu/downloads/Leitfaden-Forschungsorientierte_Lehre_am_KIT.pdf]

Klink K, Stricker M, Schostok P, Klink K (2016): Gruppeninterview als Methode zur Entwicklung der Hochschullehre – am Beispiel von Lehrveranstaltungsevaluationen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). 45. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) „Gelingende Lehre: erkennen, entwickeln, etablieren“, 21.-23. Sept. 2016, Bochum.

Mayer M, Heß K (2018): Mit Lehrinnovationen einen Grundstein für Studiengangentwicklung legen am Beispiel des kleinen KIT-BSc-Studiengangs „Geodäsie und Geoinformatik“. dghd 2018 „Hochschuldidaktik als professionelle Verbindung von Forschung, Politik und Praxis“, 28. Februar – 2. März 2018, Karlsruhe. [online verfügbar unter: https://www.gik.kit.edu/downloads/Poster_Lehrinnovationen_V4.pdf]

Mayer M, Kutterer H, Cermak J (2019): Forschungsorientiert und kompetent – Ausgestaltung von hochschulischen Veränderungsprozessen am Beispiel der Lehreinheit »Geodäsie und Geoinformatik« am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). zfv (144) 4, S. 206–222.

Niethammer C, Koglin-Hess I, Digel S, Schrader J (2014): Herausforderung Curriculumentwicklung: ein konzeptioneller Ansatz zur Professionalisierung. ZFHE (9) 2, S. 27–39.

Rabold J, Heublein M, Mayer M (2019): Weiterentwicklung von Lehre als implizite Kompetenz Studierender. dghd 2019 „(Re-)Generation Hochschullehre. Kontinuität von Bildung, Qualitätsentwicklung und hochschuldidaktischer Praxis“, 5. – 8. März 2019, Leipzig. [online verfügbar unter https://www.gik.kit.edu/downloads/DGHD19_Poster_final.pdf]

Reinmann G, Jenert T (2011): Studierendenorientierung: Wege und Irrwege eines Begriffs mit vielen Facetten. Zeitschrift für Hochschulentwicklung (6) 2, S. 106–122.

Stolz K, Scholkmann A (2014): Modulübergreifende Studiengangsentwicklung – das Beispiel hochschuldidaktischer Planungskompetenz. die hochschullehre (1) 1, S. 1–14.



Erfahrungen mit einem Regelbetrieb der Erstellung von E-Learning-Angeboten für Photogrammetrie und Mobile 3D Vermessung

J. Selenski, V. Wich, A. Brunn

FHWS, Deutschland

Motivation

Die Definitionen des Begriffs „Blended Learning“ variieren in der Literatur stark. Die Definition der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb) im Förderbereich SMART vhb lässt sich in Kurzform zusammenfassen mit: Blended Learning ist eine Verzahnung aus Präsenzlehre und E-Learning. Die Präsenzveranstaltung wird durch Onlinelehre ergänzt. Da die Lektionen einem großen Nutzerkreis zugänglich gemacht sind, können die Lektionen in ihrer Art als Massive Open Online Course (MOOC) bezeichnet werden. Die Kurse sind in hoher technischer inhaltlicher und technischer Qualität geschaffen und können durch die in der vhb organisierten teilnehmenden Trägerhochschulen genutzt werden.

Ziele der Hochschule und der virtuellen Hochschule Bayern sind vor allem die nachhaltige Digitalisierung der Lehre, der vereinfachte Wissenstransfer qualitätsgesicherter Lektionen mittels eines Repositoriums und die Stärkung der Erwachsenenbildung in Bayern. Die Digitalisierung der Lehre wird durch die finanzielle Förderung des Freistaates Bayern vorangetrieben. Der Blended Learning Ansatz hat den Vorteil, dass das Lernen frei und flexibel erfolgt, was aber auch gleichzeitig ein großes Maß an Lerndisziplin erfordert.

Im dem Vorgängerprojekt DiPhoBi4KMU ist Blended Learning bereits erfolgreich in der Zusammenarbeit von Hochschule und kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) eingesetzt worden. Erste Vernetzungen zwischen Projektteilnehmenden und der Hochschule sind entstanden. In MV-3D4KMU setzt Blended Networking bewusst stärker auf die Vernetzung zwischen allen Projektbeteiligten. Das macht den Wissensaustausch direkter und freier und hat einen gruppenbildenden Aspekt in der Anwendung.

Zur Vernetzung im Projektnetzwerk sind eigens dafür eingeräumte Zeitfenster bei jedem Präsenztreffen vorgesehen. Die zusätzliche Zeit ist eine hervorragende Variante des freien Austausches untereinander und findet in der Bildungsvermittlung, besonders bei Praktikern aus der freien Marktwirtschaft, positiven Anklang. In den Pausen der Veranstaltungen gibt es zusätzliche Zeiträume zur aktiven Vernetzung der Teilnehmenden untereinander. Das Konzept lässt sich ebenso für weiterführende Bildungskonzepte einsetzen. Grundlage ist, dass die Zielgruppen ähnliche Voraussetzungen haben und gleiche Interessen verfolgen. Dann stärkt die gemeinsame Zusammenarbeit und der Austausch das „Wir-Gefühl“ in der Gruppe.

Die Auswahl der Lehrmethode ist vor dem Kontext, diese möglichst effizient eingesetzt werden können, abzuwägen. Einführungsveranstaltungen und in sich geschlossene Lektionen lassen sich sehr gut als MOOC mit Blended Learning Elementen realisieren. In der Praxisphase werden Inhalte der Onlinelektionen aufgegriffen, ergänzt und beim Verständnis der Inhalte durch weitere Ausführungen unterstützt.

Blended Networking eignet sich für kleinere Gruppen mit ähnlichen Interessen. In den Gruppen ist die Lösungsfindung inhaltlich komplexer Fragestellungen, mit erfahrenen Teilnehmern mit Fachkompetenzen gut realisierbar. In der Zusammenarbeit lernen sich Teilnehmer untereinander besser kennen und ein angeregterer Austausch findet untereinander statt, bei dem jeder vom Fachbereich des anderen profitieren kann. Dieser Lehransatz ist besonders für höhere Semester und in Zusammenarbeit mit externen Firmen und KMUs geeignet.

Methode

Beide Lehrmetoden besitzen folgende Gemeinsamkeiten: Blended Learning und Blended Networking beinhalten sowohl E-Learning und einen Präsenzteil der Lehre. Diese erfordern zur erfolgreichen Umsetzung klar definierte Organisationsstrukturen innerhalb der Hochschule.

In der Methodik sind die unterschiedlichen Begriffsdefinitionen und Verwendungsarten des Blended Learning Begriffes beschrieben. Wir starten mit der klassischen Definition von Holten und Nittel. Diese diskutieren vor allem die Organisation und Nachhaltigkeit von E-Learning-Angeboten.

Die aktuelle Definition aus dem SMART vhb Projekt besteht aus der Verzahnung von Online- und Präsenzlehre. Das E-Learning wird als eine Ergänzung zur Präsenzlehre gesehen. Die Lektionen der SMART vhb sind im hochschuleigenen E-Learning einsetzbar. Die SMART-vhb hat ein eigenes Repositorium, welches als zentrale Wissensverteilungsplattform fungiert.

In der Bildungsvermittlung mittels Blended Learning in DiPhoBi4KMU sind die Kommunikationsprozesse und inhaltliche Kursorganisation eingesetzt gewesen. Bereits in diesem Projekt ist ein erstes Netzwerk zum freien Austausch zwischen den Teilnehmenden entstanden.

In MV-3D4KMU kommt Blended Networking als methodischer Bildungsansatz als Erweiterung von Blended Learning zum Tragen. Ähnlich wie beim Blended Learning wird eine E-Learning-Plattform zur zentralen Wissensverwaltung eingesetzt. Darin finden sich Newsletter, Ankündigungen, Lektionen, Lernvideos und Inhalte von Veranstaltungen wieder. Über die Plattform findet auch der Zugang zu Webinaren statt.

Das Projekt hat das Ziel des Fachwissensaustausches zwischen kleinen und mittleren Unternehmen und der Hochschule. Da die Teilbausteine im Projekt sehr komplex sind und die Teilnehmer unterschiedliche fachliche Hintergründe haben, ergeben sich durch den Austausch über das Projektnetzwerk Synergieeffekte in der Umsetzung der Projektteilziele, da jeder Projektteilnehmer in seinem Fachbereich etwas beitragen kann.

Die Möglichkeiten für einen Beitrag zu den Projektzielen erschließen sich durch gemeinsame Gespräche im Netzwerk mit dem direkten Gegenüber. Ein weiterer Vorteil der Kommunikation im Netzwerk ist, die soziale Ebene. Die aktive Beteiligung in den Präsenzveranstaltungen ermöglicht es komplexe Inhalte in kurzer Zeit nachhaltig zu erschließen, zu durchdenken, und durch den aktiven Austausch über potentielle Lösungen einzuprägen.

Ergebnisse

Der praktische Einblick in die beiden Projekte SMART vhb und MV-3D4KMU beinhaltet: Anforderungen an die Projekte, die Organisationsstrukturen im jeweiligen Projekt, mit ihren dazugehörigen Prozessketten. Darin abgebildet ist der Weg von der Entstehung von Lektionen, über die Umsetzung, bis hin zur Umsetzung der Qualitätssicherung und der Veröffentlichung der Lektionen. Autorenwerkzeuge und Drehbücher dienen der Umsetzung der Lektionen in hoher Qualität bezüglich Inhalt und Optik. Die technischen Phasen sind für den Erstellungsprozess der Lektionen sind strukturiert dargestellt. Die Definition der Rollen der Prozessbeteiligten bietet einen besseren Überblick über die Funktionen der Beteiligten.

Die entstandenen Lerneinheiten sind in einem Repositorium zentral für die teilnehmenden Trägerhochschulen bereitgestellt. Die Lehrenden haben den Vorteil in sich geschlossene Lerneinheiten aus einem Pool wählen zu können. Die passenden Einheiten können per E-Learning-Plattform-Plugin in ihre neuen, oder auch bestehenden E-Learning Einheiten integriert werden, wenn mit einem kompatiblen Learning Management System (LMS) gearbeitet wird. Inhaltlich befasst sich das SMART vhb Projekt mit der Erstellung von Lerneinheiten für die Photogrammetrie, Laserscanning und Punktwolkenverarbeitung.

Die Erfahrungen mit Blended Networking aus dem Vorgängerprojekt DiPhoBi4KMU mit den darin gewonnenen Erfahrungen dienen als Arbeitsgrundlage. Inhaltlich befasste sich das Projekt mit der Vermittlung der digitalen Photogrammetrie für kleine und mittlere Unternehmen. Im Projekt wurde das E-Learning der Hochschule als zentrale Plattform zur Informationsverwaltung eingesetzt. Wissensbausteine sind in Paper-ähnlicher Form als Best-Practices für die Teilnehmenden veröffentlicht worden. Im Projekt wurde stark an einem inhaltlich kommunikativen Zusammenspiel auf mehreren Ebenen geforscht. Die Vernetzung zwischen Teilnehmern hat sich in Präsenzveranstaltungen entwickelt.

In MV-3D4KMU sind die Schritte der Umsetzung eines mobilen 3D Vermessungsprojektes, von der Planung für ein mobiles 3D Vermessungsprojekt, bis hin zu dreidimensionalen Daten in der fertigen Augmented Reality App, beschrieben. Die Bildungsbausteine sind in Newslettern, Präsentationen und Videolektionen aufbereitet. Forschungsarbeiten dienen der Behandlung komplexerer Themenfelder. Forschungsergebnisse dieser Arbeiten können Projektteilnehmende nach Zugänglichmachung nutzen.

Präsenzveranstaltungen starten mit einer Anmoderation seitens der Hochschule und einem Überblick über die Agenda für das Projekttreffen. Die Treffen sind zur Besprechung der veröffentlichten Inhalte, neu anstehenden Projektthemen und zur Abstimmung gemeinsamer Projektarbeitsziele angesetzt. Neu geschaffene Inhalte stehen immer nach der Präsentation zur Diskussion im Netzwerk.

Neue Projektteilnehmer stellen sich mit Ihren Firmenzielen, Aufgabengebieten und ein bis zwei aktuellen Firmenprojekten vor. Die Face-to-Face Kommunikation erlaub es im Netzwerk ein Vielfaches an weiteren Informationen zu transportieren. Die unterbewusst vermittelten Gefühle und Haltungen zu den Themen ermöglichen die direkte, unkomplizierte Zusammenarbeit.

Fazit

In der Umsetzung von Blended Learning und Blended Networking konnten vielschichtige positive Erfahrungen gesammelt werden. Beide Methoden werden an der FHWS erfolgreich zur Bildungsvermittlung eingesetzt. Eine abschließende Diskussion beleuchtet die wichtigsten Faktoren in der Umsetzung von E-Learning. Bedingt durch die Art der Lerneinheiten sind unterschiedliche Merkmale in Lerneinheiten umsetzbar. Der Erstellungsprozesses von Lerneinheiten unterschiedlicher Ausführung variiert stark. Er bedingt notwendige Voraussetzungen, wie z.B. Organisationsstrukturen, Personalanforderungen, Hard- und Softskills der Lehrenden und Lernenden.

In der Erstellungskette von Lerneinheiten ergibt sich ein erheblicher Mehrwert für das teilnehmende Personal. Dies sind z.B. Weiterbildung für Projektmitarbeitende, der Wissensgewinn in der Recherche für Lehrende und die Nutzung der Lektionen in der Qualitätssicherung in Tests sein hervorgehoben. Durch die Technisierung der Umsetzung lassen sich qualifizierte Arbeitsplätze im Bildungsmarkt schaffen, welche in ihrer Arbeit wertvolle Hard- und Softskills erwerben. Kompetenzen ergeben sich z.B. in den Feldern: Forschung, E-Learning-Umgang mit LMS und Repositorium, Audio-, Bild-, Videoverarbeitung, Veranstaltungsorganisation, Networking, Wissenschaftliche Recherche, Wissensmanagement und Didaktik.

Weiterhin ist ein Trend zu MOOC zu erkennen. In sich geschlossene Lektionen, z.B. für Einführungsveranstaltungen und für Lektionen zu Basiswissen, eignen sich besonders, aber auch hier können stufenweise schwierigere Inhalte in Lektionen implementiert werden. Blended Networking eignet sich für den Einsatz in der weiterführenden Erwachsenenbildung und stärkt den freien Austausch über die Präsenzveranstaltungen hinaus, da in den Gruppen ein persönliches Kennenlernen erfolgt. So hoffen wir auf die nachhaltige Netzwerkbildung mit einem lang anhaltenden Mehrwert für alle Teilnehmenden.

Beide Techniken liefern ermutigende Erfahrungen, die den Einsatz der Module in für einen breiteren Kreis von Nutzern wünschenswert machen.



Weiterentwicklung des AK "Aus- und Weiterbildung": Ideen und Perspektiven

T. Luhmann1, A. Brunn2

1Jade Hochschule, Deutschland; 2FHWS, Deutschland

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