Veranstaltungsprogramm
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Symposium 4.3
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Abbau von Bildungsungleichheiten durch die Ganztagsgrundschule? Empirische Erkenntnisse aus einem Schulversuch zu einem neuen Ganztagsmodell. Ein zentrales bildungspolitisches Ziel der Ganztagsgrundschule ist es, alle Schüler:innen individuell zu fördern und zum Abbau von Bildungsungleichheiten beizutragen. Aktuelle Befunde zeigen jedoch, dass dies bislang noch nicht ausreichend gelingt – insbesondere Schüler:innen aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status und solche mit Migrationshintergrund sind in ihren Bildungschancen weiterhin benachteiligt. Studien aus den USA zeigen hingegen die Wirksamkeit erweiterter Bildungsangebote für diese Zielgruppe (Vandell et al., 2022). Insofern kann davon ausgegangen werden, dass das diesbezügliche Potenzial der Ganztagsgrundschule in Deutschland bislang noch nicht im vollen Umfang ausgeschöpft wird. Damit außerunterrichtliche Angebote an Ganztagsgrundschulen positive Effekte zeigen, braucht es zum einen die regelmäßige Nutzung der Angebote durch die Schüler:innen und zum anderen Angebote von hoher pädagogischer Qualität (Kielblock et al., 2020), die auch in Kooperation mit außerschulischen Partner:innen realisiert werden (Schmidt et al., 2025). Auf welche Weise bildungsbenachteiligte Schüler:innen in außerunterrichtlichen Angeboten an Ganztagsgrundschulen gezielt gefördert werden können, ist derzeit eine Forschungslücke. Hier knüpft das Symposium an, indem Erkenntnisse aus der Begleitforschung eines Schulversuchs vorgestellt werden. Im Rahmen des Schulversuchs wechseln die Grundschulen von einem gebundenen zu einem modularisierten Ganztagsmodell. Hierdurch sollen die Attraktivität der außerunterrichtlichen Angebote für die Schüler:innen sowie ihre Qualität erhöht werden. Davon ausgehend wird im Symposium folgender Frage nachgegangen: Wie können außerunterrichtliche Angebote so gestaltet werden, dass sie bildungsbenachteiligte Grundschüler:innen erreichen und diese davon profitieren? Der erste Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, mit welchen Schüler:innenmerkmalen die Teilnahmewahrscheinlichkeit zusammenhängt und welche Rolle dabei eine positive Einstellung gegenüber der Schule spielt. Im zweiten Beitrag wird untersucht, welche Wirkungen qualitativ hochwertige außerunterrichtliche Angebote auf die sozio-emotionalen Kompetenzen von Grundschüler:innen haben und welche Qualitätsmerkmale für bildungsbenachteiligte Schüler:innen diesbezüglich von besonderer Relevanz sind. Der dritte Beitrag geht der Frage nach, welche (zielgruppenspezifischen) Beweggründe Schulleitungen und Steuergruppen bei der Initiierung außerschulischer Kooperationen leiten und welche Bedingungen diese begünstigen oder hemmen. Die drei Beiträge bedienen sich der Perspektive unterschiedlicher am Schulversuch Beteiligter sowie quantitativer und qualitativer Verfahren. Die daraus entstehenden Erkenntnisse bieten erste Anhaltspunkte, wie das Potenzial der Ganztagsgrundschule hinsichtlich des Abbaus von Bildungsungleichheiten auf Ebene der Einzelschule (noch) besser ausgeschöpft werden kann. Beiträge des Symposiums Implikationen für die Attraktivität von Ganztagsangeboten unter Berücksichtigung von soziodemografischen Merkmalen und dem schulischen Wohlbefinden der Schüler:innen. Erkenntnisse aus einem Schulversuch zu einem neuen Ganztagsmodell. Um das mit dem Ganztagsausbau verbundene Ziel der Chancengleichheit zu erreichen, ist es wichtig, dass Schüler:innen aus Risikolagen die Angebote als attraktiv wahrnehmen und freiwillig teilnehmen (Schmitz, 2022). In Wirksamkeitsmodellen (Stecher & Maschke, 2013) werden Outcomes maßgeblich durch Teilnahme und Angebotsqualität beeinflusst (Fischer & Klieme, 2013; Vandell et al., 2022). Relevant ist hier ebenfalls eine positive Einstellung gegenüber der Schule, die durch die Teilnahme an Ganztagsangeboten gefördert werden kann (Schmitz, 2022). Hier könnte auch ein bidirektionaler Zusammenhang vermutet werden, so dass der Frage nachgegangen wird, ob schulisches Wohlbefinden in Zusammenhang mit der Teilnahmeentscheidung steht. Der Forschungsstand zur gruppenspezifischen Nutzung von Ganztagsangeboten zeigt u.a., dass die Wahrscheinlichkeit der Teilnahme für Schüler:innen in höheren Klassenstufen sinkt, Schüler:innen mit Migrationshintergrund sowie einem Betreuungsbedarf eher teilnehmen und sich in offenen Ganztagsangeboten Selektionseffekte zugunsten von Schüler:innen aus Familien mit einem höheren sozioökonomischen Status zeigen (Marcus et al., 2016; Schüpbach et al., 2017, Steiner & Fischer, 2011). Über die absolute Teilnahme hinaus, kann auch ein Effekt der Teilnahmeintensität nachgewiesen werden (Bouffard et al., 2006). Der Beitrag untersucht verschiedene Indikatoren der Teilnahme (absolute Teilnahme und Intensität) sowie deren Zusammenhang mit schulischen Wohlbefinden und relevanten Schülermerkmalen. Es werden folgenden Fragestellungen untersucht: 1) Wie unterscheiden sich Teilnahmemuster in Abhängigkeit von soziodemografischen Schülermerkmalen (der Klassenstufe, des Migrationshintergrunds, des sozioökonomischen Status) und des schulischen Wohlbefindens? 2) In welchem Zusammenhang stehen diese Merkmale mit der Intensität der Teilnahme? Die Datengrundlage besteht aus einer longitudinalen Panelstudie über drei Messzeitpunkte (Beginn Schuljahr 2024/2025, Ende Schuljahr 2025/2026) an sechs Berliner Grundschulen (66 Klassen, 3.–6. Klasse). Präsentiert werden Ergebnisse der 1. Erhebungswelle (N = 923, 49,6 % Mädchen, 48,8 % Jungen, Mₐₗₜₑᵣ = 9,88 J., SD = 1,35) im ersten Schuljahr des Wechsels vom gebundenen Ganztagsmodell zum modularisiertem Ganztagsmodell. Als unabhängige Variablen wurden soziodemografische Merkmale, die Klassenstufe sowie schulbezogenes Wohlbefinden (operationalisiert über die positive Schuleinstellung) berücksichtigt. Es wurden schrittweise binäre und ordinale logistische Regressionsmodelle berechnet, die als abhängige Variable die Teilnahme (ja/nein) und Intensität berücksichtigen. Die Modelle (finales Modell: Nagelkerke R² = 17%) zeigen, dass der Migrationshintergrund und höhere Klassenstufen die Teilnahmechancen signifikant senken. Schüler:innen mit einem höheren sozioökonomischen Status und positiver Schuleinstellung erhöhen sie. Zusätzlich zum linearen Effekt der positiven Schuleinstellung zeigt sich ein signifikanter positiver quadratischer Zusammenhang mit der Teilnahmewahrscheinlichkeit. Dieses Ergebnis deutet auf einen nichtlinearen Zusammenhang hin, bei dem die Teilnahmewahrscheinlichkeit insbesondere bei hohen Werten schulischen Wohlbefindens zunimmt. Die Berücksichtigung der Schulzugehörigkeit führt dazu, dass der quadratische Effekt nicht mehr signifikant wird, was darauf hindeutet, dass der nicht lineare Zusammenhang teilweise auf schulbezogene Unterschiede zurückzuführen ist. Weiterhin zeigt sich, dass die Teilnahme an Ganztagsangeboten von gruppenspezifischen Merkmalen abhängig ist, die mit dem Forschungstand in Bezug auf Klassenstufe und sozioökonomischen Status übereinstimmen. Schüler:innen mit Migrationshintergrund und geringerer positiver Einstellung gegenüber der Schule, nehmen die Angebote nicht als attraktiv wahr, was die Relevanz schulbezogener sozio-emotionaler Merkmale unterstreicht und den zukünftigen Fokus in Forschung und Praxis stärker auf die Gruppe der nicht-teilnehmenden Schüler:innen ausrichten sollte. Um die Attraktivität der Angebote zu erhöhen und Selektionseffekten zu begegnen, wäre weiterhin eine stärker partizipative und schülerorientierte Beteiligung an der Planung und Umsetzung von Angeboten zielführend. Förderung sozio-emotionaler Kompetenzen in außerunterrichtlichen Angeboten: Die Rolle der Angebotsqualität vor dem Hintergrund von Bildungsungleichheit. Erkenntnisse aus einem Schulversuch zu einem neuen Ganztagsmodell. Der Ausbau von Ganztagsgrundschulen ist unter anderem mit der Erwartung verbunden, die sozio-emotionale Entwicklung von Grundschüler:innen zu fördern und damit auch bestehende Bildungsungleichheiten auszugleichen (BMFSFJ, 2017; KMK, 2015). Empirische Befunde legen jedoch nahe, dass positive Wirkungen weniger von der bloßen Teilnahme an außerunterrichtlichen Angeboten abhängen als vielmehr von deren pädagogischen Qualität (Durlak et al., 2010; StEG-Konsortium, 2016). Vor diesem Hintergrund untersucht der vorliegende Beitrag Zusammenhänge zwischen der von Grundschüler:innen wahrgenommenen Qualität außerunterrichtlicher Angebote und zentralen sozio-emotionalen Kompetenzen, darunter Selbstwert, prosoziales Verhalten und soziale Integration. Die wahrgenommene Angebotsqualität wird dabei als mehrdimensionales Konstrukt verstanden und mithilfe der GAINS-AG Konzeption in die Faktoren Lernförderlichkeit, Interesse, pädagogische Unterstützung und Lerngemeinschaft differenziert (Nowak et al., 2019). Entsprechend wird angenommen, dass zwischen den einzelnen Qualitätsfaktoren und den sozio-emotionalen Kompetenzen unterschiedlich starke Zusammenhänge bestehen. Darüber hinaus wird geprüft, ob der sozioökonomische Status sowie der Migrationshintergrund der Schüler:innen die Stärke dieser Zusammenhänge moderieren und damit als Kontextbedingungen potenziell ungleichheitsrelevant wirksam werden. Die empirischen Analysen basieren auf Befragungsdaten von Schüler:innen aus sechs Ganztagsgrundschulen im Kontext eines aktuellen Schulversuchs. Die Stichprobe umfasst N = 923 Kinder der dritten bis sechsten Jahrgangstufe. Zur Erfassung der wahrgenommenen Angebotsqualität wird die GAINS-AG-Skala eingesetzt (Nowak et al., 2019). Die Daten werden mithilfe multipler Regressionsanalysen ausgewertet, wobei zentrale soziodemografische Merkmale wie der sozioökonomische Status und der Migrationshintergrund kontrolliert sowie ergänzend Moderationseffekte geprüft werden. Die Ergebnisse legen differenzierte Zusammenhänge zwischen einzelnen Faktoren der wahrgenommenen Qualität und sozio-emotionalen Kompetenzen nahe. Insbesondere die pädagogische Unterstützung und die wahrgenommene Lerngemeinschaft erweisen sich als zentrale Prädiktoren. Darüber hinaus wurden Moderationsanalysen durchgeführt, um differenzielle Zusammenhänge im Kontext von Bildungsungleichheit zu prüfen. Insgesamt erweisen sich die Zusammenhänge zwischen der wahrgenommenen Angebotsqualität und den sozio-emotionalen Kompetenzen weitgehend als unabhängig vom sozioökonomischen Status sowie vom Migrationshintergrund der Grundschüler:innen. Marginale Effekte deuten allerdings darauf hin, dass der positive Zusammenhang zwischen der wahrgenommenen Lerngemeinschaft und sowohl der sozialen Integration als auch dem prosozialen Verhalten bei Kindern mit Migrationshintergrund tendenziell stärker ausgeprägt ist als bei Kindern ohne Migrationshintergrund. Insgesamt unterstreichen die Befunde die Relevanz qualitativ hochwertiger Angebote für die Förderung sozio-emotionaler Kompetenzen von Grundschüler:innen und weisen zugleich darauf hin, dass die wahrgenommene Lerngemeinschaft für Kinder mit Migrationshintergrund besonders bedeutsam sein könnte. Die Ergebnisse verweisen damit auf das Potenzial der Ganztagsgrundschule, in qualitativ gestalteten außerunterrichtlichen Angeboten sozio-emotionale Entwicklungsgelegenheiten zu eröffnen und über die Berücksichtigung spezifischer Qualitätsaspekte Ansatzpunkte zum Umgang mit Bildungsungleichheiten bereitzustellen. Initiierung von Kooperationen mit außerschulischen Partner:innen an Ganztagsgrundschulen aus schulischer Sicht. Erkenntnisse aus einem Schulversuch zu einem neuen Ganztagsmodell. Ausgehend von dem bildungspolitischen Ziel der Reduktion von herkunftsbedingten Bildungsungleichheiten bieten außerunterrichtliche Angebote an Ganztagsgrundschulen das Potenzial, Schüler:innen, die etwa aufgrund ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft von Bildungsbenachteiligung betroffen sind, gezielt zu fördern. Entsprechende kompensatorische Effekte zugunsten bildungsbenachteiligter Grundschüler:innen bleiben bislang allerdings aus. Aktuelle Befunde zeigen auf, dass die pädagogische Qualität der Angebote entscheidend dafür ist, dass diese ihre Wirksamkeit entfalten (Kielblock et al., 2020). Als zentrales Qualitätsmerkmal zur Förderung bildungsbenachteiligter Schüler:innen zeigt sich die inhaltliche Vielfalt der Angebote, wozu es mitunter die Kooperation mit außerschulischen Partner:innen bedarf (Schmidt et al., 2025). Wenig Wissen besteht jedoch derzeit darüber, inwiefern Ganztagsgrundschulen außerschulische Kooperationen vor dem Hintergrund des Ziels der Reduktion von Bildungsungleichheiten initiieren und gestalten (können). Davon ausgehend zielt der Beitrag darauf ab, explorativ Einblicke zu gewinnen, welche Beweggründe und Bedingungen die schulische Perspektive auf die Initiierung von Kooperationen mit außerschulischen Partner:innen prägen. Hierbei werden aus der Perspektive von Schulleitungen bzw. Steuergruppen folgende Fragestellungen untersucht: (1) Welche Beweggründe leiten die Entscheidung zur Kooperation mit außerschulischen Partner:innen? (2) Welche Bedingungen hemmen oder fördern die Initiierung von Kooperationen mit außerschulischen Partner:innen? Die Datengrundlagen bilden Fokusgruppen (Zwick & Schröter, 2012) mit Schulleitungen bzw. Steuergruppen aus sechs Ganztagsgrundschulen, die im Rahmen eines Schulversuchs zur Erprobung eines neuen Ganztagsmodells wissenschaftlich begleitet wurden. Die Fokusgruppen fanden ein bis eineinhalb Jahre nach Beginn des Schulversuchs statt und thematisieren neben der bisherigen Einführung des Schulversuchs weitere Schwerpunktthemen, darunter die Initiierung und Gestaltung der Kooperationen mit außerschulischen Partner:innen. Die Transkripte wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse, angelehnt an das Prozessmodell der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2022) in einem deduktiv-induktiven Verfahren ausgewertet. Die Auswertung erfolgte softwaregestützt durch MAXQDA. Die Ergebnisse zeigen verschiedene Beweggründe, die bei der Initiierung von Kooperationen mit außerschulischen Partner:innen aus Sicht von Schulleitungen bzw. Steuergruppen eine Rolle spielen: Neben der Realisierung vielfältiger, interessen- und bedarfsorientierter Angebote und der Öffnung der Schule in den Sozialraum werden ebenfalls Beweggründe genannt, die sich auf Ebene des pädagogisch tätigen Personals verorten lassen. So soll durch die Initiierung von außerschulischen Kooperationen zum einen der innerschulischen Personalknappheit entgegengewirkt und zum anderen zusätzliche fachliche Expertise gewonnen werden. Als hemmende Bedingungen für die Initiierung außerschulischer Kooperationen benennen die Fokusgruppenteilnehmenden beispielsweise den Mangel an verfügbaren Partner:innen in der Umgebung sowie einen hohen innerschulischen Organisations- und Verwaltungsaufwand. Als förderliche Bedingungen beschreiben sie hingegen beispielsweise eine mögliche Datenbank zur Suche von geeigneten Kooperationspartner:innen und eine hohe Passung zwischen dem schulischen Leitbild und den pädagogischen Zielen der außerschulischen Partner:innen. Es zeigt sich, dass der Abbau von Bildungsungleichheiten von den Schulleitungen bzw. Steuergruppen nicht explizit als Beweggrund zur Initiierung von außerschulischen Kooperationen benannt wird. Gleichwohl wird in den genannten Beweggründen das Ziel sichtbar, vielfältige Angebote zu gestalten, die sich an den individuellen Interessen und Bedarfen aller Schüler:innen ausrichten. Die Ergebnisse unterstreichen insofern das Potenzial der Kooperation mit außerschulischen Partner:innen im Kontext des Abbaus von Bildungsungleichheiten und liefern darüber hinaus Implikationen für die Bildungspraxis, -administration und weitere Forschung darüber, welche Bedingungen für die Realisierung dieses Potenzials aus schulischer Sicht relevant sind. | ||