Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Einzelbeiträge 5.6
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Förderung der selbsteingeschätzten digitalen Kompetenz von Lehrkräften durch ein fächerübergreifendes Fortbildungskonzept zur kognitiven Aktivierung im digital-gestützten Mathematik- und Sachunterricht 1Universität Münster, Deutschland; 2TU Dortmund, Deutschland Theoretischer Hintergrund & Forschungsstand Digitalen Medien eröffnen Möglichkeiten zur Gestaltung qualitätsvollen Unterrichts (Eickelmann & Gerick, 2020). Allerdings benötigen Lehrkräfte vielfältige Kompetenzen, um digitale Medien so einzusetzen, dass sie auf Tiefenstrukturebene des Unterrichts wirken (Geraniou et al., 2024). Es besteht ein positiver Zusam-menhang zwischen der Selbsteinschätzung digitaler Kompetenzen von Lehrkräften und ihrer Unterrichts-qualität (Runge et al., 2023; Quast et al., 2021). Lehrkräfte schätzen aber ihre digitalen Kompetenzen häufig gering ein (Quast et al., 2021; Schmid et al., 2017) und nutzen digitale Medien selten für die Umsetzung zentraler Merkmale von Unterrichtsqualität (Jusufi et al., 2024; Oetjen et al., 2025) wie kognitive Aktivie-rung (Praetorius & Charalambous, 2018). Damit besteht Professionalisierungsbedarf und Bedarf an evi-denzbasierten Fortbildungskonzepten zur Umsetzung der Unterrichtsqualitätsdimensionen im digital-gestützten Unterricht. Da digitale Medien sowohl fachspezifische als auch fachübergreifende Potenziale aufweisen – etwa in Form automatisch verknüpfter Darstellungen –, erscheint ein fächerübergreifender An-satz lohnenswert. Ziel der Untersuchung Im Projekt ComeMINT-Netzwerk im Kompetenzverbund lernen:digital wurde untersucht, wie sich ein fä-cherübergreifendes Fortbildungskonzept zur kognitiven Aktivierung im digital-gestützten Mathematik- und Sachunterricht auf die Selbsteinschätzung digitaler Kompetenzen von Lehrkräften auswirkt. Methode Es wurde ein Fortbildungskonzept entwickelt, das etablierte Charakteristika lernwirksamer Fortbildungen (Lipowsky & Rzejak, 2021) für den fächerübergreifenden Ansatz adaptiert. Fünf aufeinander aufbauende Module fokussieren kognitive Aktivierung mit digitalen Medien im Mathematik- und Sachunterricht. Jedes Modul enthält sowohl fächerübergreifende als auch fachspezifische Anteile. Die Lehrkräfte nehmen mög-lichst im Tandem teil, eine Lehrkraft mit Fokus Mathematik, die andere mit Fokus Sachunterricht. Das Fortbildungskonzept wurde in zwei Zyklen (weiter-)entwickelt und mit je 32 Lehrkräften erprobt. Die Evaluation erfolgte im Pre-Post-Test-Design. Erhoben wurde unter anderem die Selbsteinschätzung digitaler Kompetenzen (SDK) in Mathematik und Sachunterricht in Anlehnung an DigCompEdu nach Quast et al. (2023). Zentrale Ergebnisse T-Tests der Daten des zweiten Zyklus zeigen, dass die SDK in Mathematik sowie Sachunterricht durch die Fortbildung signifikant mit großem Effekt gesteigert werden konnte. Die Ergebnisse einer hierarchischen linearen Regressionsanalyse zeigen, dass die Lehrkräfte, die die Fortbildung mit Fokus auf Sachunterricht besucht haben, ihre SDK in Sachunterricht signifikant stärker ausbauen konnten als Lehrkräfte mit Fokus auf Mathematik. Für die SDK in Mathematik zeigt sich der umgekehrte Trend, der allerdings nicht signifi-kant ist. Darüber hinaus zeigt die Regressionsanalyse, dass die SDK in Mathematik sowie Sachunterricht im zweiten Zyklus signifikant stärker gesteigert werden konnte als im ersten. Diskussion Das entwickelte Fortbildungskonzept ist hinsichtlich der Entwicklung der SDK der Lehrkräfte wirksam. Dies deutet darauf hin, dass die Anpassung der Kriterien wirksamer Professionalisierung (Lipowsky & Rzejak, 2021) an einen interdisziplinären Ansatz gelungen ist. Dass die SDK der Lehrkräfte in beiden Fä-chern gesteigert werden konnte, könnte darauf hindeuten, dass der interdisziplinäre Ansatz das Potenzial hat, einen Transfer digitaler Kompetenzen zwischen Fächern anzuregen. Der Befund, dass die Lehrkräfte ihre SDK im fokussierten Fach tendenziell stärker ausbauen konnten, deutet darauf hin, dass eine fachspezi-fische Vertiefung für die Entwicklung fachspezifischer digitaler Kompetenzen bedeutsam sein könnte. Die Überarbeitung des Fortbildungskonzepts über die Zyklen war hinsichtlich der SDK erfolgreich. Limitierend zu berücksichtigen ist die vergleichsweise kleine Stichprobe und die Beschränkung auf Selbst-einschätzungen der Lehrkräfte, die allerdings mit ihrer Unterrichtsqualität zusammenhängen (Runge et al., 2023). Projekt KOREX – Core Practices im Bereich Rechtschreiben entwickeln mit Microteaching Lesson Study Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Deutschland a) Theoretisch-empirischer Hintergrund Nicht nur bei Grundschüler:innen werden anhaltende Rechtschreibdefizite festgestellt (z.B. Stanat et al., 2022), sondern auch (angehende) Lehrkräfte scheinen sich im Bereich Rechtschreiben und dem Erklären des Schriftsystems schwerzutun (Mühle et al., 2025). Da rechtschreibdidaktische Innovationen nur sehr vereinzelt oder unreflektiert in der Praxis ihre Anwendung finden (Riegler et al., 2021), ist es für eine nachhaltige Wissenschaft-Praxis-Verzahnung notwendig, Lehrformate zu entwickeln, mithilfe derer bereits Lehramtsstudierende neue rechtschreibdidaktische Ansätze systematisch in Praxisphasen erproben können. Das Konzept der Microteaching Lesson Study (MLS; Fernández, 2010) erscheint dabei vielversprechend (Danday, 2019), da es bewährte Elemente des Microteaching und der Lesson Study kombiniert, sodass Studierende kollaborativ und wissenschaftlich fundiert im Hochschulkontext analog dem Lesson-Study-Zyklus eine Rechtschreiblerngelegenheit planen, erproben, reflektieren und überarbeiten. Dabei soll das fachliche und fachdidaktische Wissen von Studierenden geschult und eine wissenschaftsorientierte sowie kollaborative Haltung angeregt werden. Zudem werden im Sinne der Komplexitätsreduktion des Microteaching gezielt einzelne Core Practices fokussiert (Fraefel & Scheidig, 2018). Es fehlen jedoch Studien, die untersuchen, ob MLS lernwirksamer ist, wenn die Lerngelegenheiten mit Grundschüler:innen (students) und nicht nur im Seminarkontext mit Mitstudierenden in der Rolle von Schüler:innen (peer-students) erprobt werden. b) Fragestellungen Das Projekt „KOREX – Kollaborativ, reflektiert und explorativ mit Microteaching Lesson Study zu schriftsystematischer Professionalität“ wird von der Stiftung „Innovation in der Hochschullehre“ gefördert und untersucht erstmals den Einsatz von MLS in der deutschsprachigen Grundschullehrkräftebildung im Bereich Schriftspracherwerb mit dem Ziel, eine praktikable, lernwirksame und für Studierende attraktive Variante der MLS zu entwickeln. Der Vortrag fokussiert folgende Fragen: 1) Wie verändert und unterscheidet sich das fachliche und fachdidaktische Wissen im Bereich Rechtschreiben von Grundschullehramtsstudierenden durch ein MLS-Seminar mit Grundschüler:innen (students) anstelle von Mitstudierenden (peer-students)? 2) Wie verändert und unterscheidet sich die Bereitschaft von Grundschullehramtsstudierenden, wissenschaftsorientiert und kollaborativ Unterricht zu entwickeln, durch ein MLS-Seminar mit Grundschüler:innen (students) anstelle von Mitstudierenden (peer-students)? 3) Wie beurteilen die Grundschullehramtsstudierenden die MLS-Seminare (Evaluation)? c) Methode Im Sommersemester 2026 werden zwei MLS-Seminare im Fachbereich Schriftspracherwerb im quasi-experimentellen Prä-Post-Design erprobt. Die Seminare sind in drei Phasen gegliedert: In der ersten Phase setzen sich Grundschullehramtsstudierende mit Strategien für einen konstruktiven Umgang mit Heterogenität und mit linguistischen Grundlagen zum Rechtschreiben auseinander. In Phase 2 planen sie in Kleingruppen (n=3) zu einem selbstgewählten Rechtschreibthema (z.B. Doppelkonsonanz) differenzierte Lerngelegenheiten, die sie in Phase 3 mehrmals durchführen, anschließend reflektieren und weiterentwickeln. Während in Seminar A die Lerngelegenheiten mit je zwei Grundschüler:innen (students) erprobt werden, schlüpfen in Seminar B je zwei Mitstudierende in die Rolle von Grundschüler:innen (student-peers). Ausgewählte Durchführungen werden videografiert und in den Kleingruppen sowie im Seminarkontext reflektiert. Im Fokus steht die Core Practices „Erklärungen geben und Veranschaulichungen wählen“ (Schellenbach-Zell et al., 2024). Das professionelle Wissen im Bereich Rechtschreiben wird anhand eines Fragebogens adaptiert nach Jagemann (2019) erfasst (87 Items, u.a. alpha=.60). Die Bereitschaft, wissenschaftsorientiert und kollaborativ Unterricht zu entwickeln, wird anhand eines Fragebogens erhoben (Eigenkonstruktion). Für die Seminarevaluation wird ebenfalls ein Fragebogen verwendet (Eigenkonstruktion). Die Daten werden deskriptivstatistisch und varianzanalytisch ausgewertet. d) Diskussion Im Vortrag werden Konsequenzen für die Weiterentwicklung der MLS-Seminare sowie mögliche Fallstricke einer nachhaltigen Implementierung von MLS in die Grundschullehrkräftebildung diskutiert. | ||
