Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Einzelbeiträge 5.5
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Das GRID-Modell – ein Beitrag zur Unterstützung der Bildungspartizipation und zur Prävention von Lernschwierigkeiten in der Ganztagsgrundschule Universität zu Köln, Deutschland 1. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand Lernschwierigkeiten in unterschiedlichen Formen und Schweregraden sind im schulischen Kontext häufig und bereits in der Grundschule bedeutsam (Moll et al.,2014). Sie sind stabil und gehen oft mit sozial-emotionalen Verhaltensproblemen einher (Visser et al., 2019). Es ist Aufgabe der Schule, alle Schüler:innen bestmöglich zu unterstützen und zu fördern. Insbesondere im Hinblick auf Schüler:innen mit Lernschwierigkeiten besteht ein erhöhtes Risiko für vorzeitige Schulabbrüche sowie geringere Schulabschlüsse und berufliche Qualifikationen (Lewalter et al., 2023). Vor dem Hintergrund eines inklusiven Bildungssystems stehen Lehrkräfte vor der Herausforderung, Lernschwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und Lernprozesse gezielt zu optimieren. Dafür werden praxisnahe, ökonomisch einsetzbare Konzepte zur Förderung der Bildungspartizipation einer heterogenen Schüler:innenschaft benötigt, insbesondere in der Ganztagsgrundschule. 2. Fragestellung und Zielsetzung Welche Konzepte eignen sich in der Ganztagsgrundschule trotz begrenzter Ressourcen, um Schüler:innen mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen durch teilhabeorientierte Diagnostik und daraus abgeleitete Fördermaßnahmen die Bildungspartizipation zu ermöglichen? Dieser Beitrag stellt das innovative Konzept des „GRID-Modells (Gesamtübergreifende Richtungsweisende Individuelle Diagnostik)“ vor. Ziel ist es hierbei, Strategien und Potentiale einer mehrdimensionalen, individuellen und ressourcenorientierten Förderdiagnostik und -planung bei Lern- und Verhaltensschwierigkeiten im inklusiven Kontext darzustellen und zu diskutieren. 3. Methode Das GRID-Modell basiert auf einem validierten und bereits in der Grundschulpraxis erprobten Screening und bietet einen individuellen, störungsübergreifenden Ansatz zur Lernstandsanalyse mit anschließender Förderplanung und Verlaufsüberwachung. Im GRID-Screening werden basierend auf theoretischen Ansätzen zu „Bedingungsfaktoren von Lernschwierigkeiten“ mittels 33 positiv formulierten Items sechs relevante "Lernkomponenten" erfasst und in einem Netz visualisiert, um daraus Lernwege zu erkennen und zu optimieren (Hammes-Schmitz, E. & Hagen, T., 2025). 4. Zwischenergebnisse Das GRID-Modell strukturiert diagnostische Informationen und identifiziert sowohl Entwicklungspotentiale der Schüler:innen als auch die Optimierungsmöglichkeiten der Lernumgebung. Es bietet eine Grundlage für interdisziplinäre Beratung und Austausch im multiprofessionellen Team (Lehrkräfte, Lernbegleitung, OGS, Lerntherapie, Eltern u.a.). Auf Basis des GRID-Screenings werden individuelle Fördermaßnahmen abgeleitet und Lernentwicklungen kontinuierlich beobachtet. Das GRID-Modell folgt damit dem Ansatz einer Modifikations- und Veränderungsdiagnostik (anstelle einer Selektions- und Statusdiagnostik). 5. Diskussion der Ergebnisse Die bisherigen Evaluationsergebnisse unterstreichen das Potenzial des GRID-Modells. Hierzu zählen u.a. folgende Argumente: Komplexität erfassen, geteilte Verantwortung, Ressourcenorientierung, Systematische Kooperation und politische Anschlussfähigkeit. Nach der Validierung des GRID-Screenings und ersten positiven Evaluationsergebnissen in der Primarstufe wird der systemübergreifende und digitalisierte Einsatz des Modells perspektivisch auch im vorschulischen und sekundären Kontext weiterverfolgt. Die bisherige und weitere Entwicklung des GRID-Modells basiert auf dem Dialog zwischen sonderpädagogischen Fachrichtungen, empirischen Befunden der Forschung und dem Einsatz und der Evaluation in der Praxis. Eine interdisziplinäre Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Theorie und Praxis findet u.a. mit zahlreichen Projektschulen, den Universitäten Köln, Duisburg, Essen und Berlin, dem Schulamt der Stadt Köln und weiteren Institutionen und Expert:innen statt. Weitere Details und Ergebnisse wurden bereits in einschlägigen Publikationen zum GRID-Modell dokumentiert. Der Fokus liegt auf der Prävention und dem teilhabeorientierten Umgang mit Lern- und Verhaltensschwierigkeiten in der schulischen Praxis und den bestehenden Herausforderungen zur Implementation des Modells. Heterogene Positionierungen von Kindern im Grundschulalter im Kontext von Qualität und Multifunktionalität ganztägiger Bildung und Betreuung Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland Der Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder lässt sich einordnen in übergreifende gesellschaftliche Entwicklungen im deutschen Wohlfahrtsstaat (Busemeyer & Garritzmann 2019; Grunau & Mierendorff 2021). Im Beitrag wird ausgehend von einer kindheitstheoretischen Perspektive erstens analysiert, wie Kinder im (fach-)politischen Diskurs zum Ausbau angesichts der Multifunktionalität des Ganztags positioniert werden und zweitens welche Vorstellungen eines ‚guten‘ Ganztags darin deutlich werden. Qualität, so die Annahme, lässt sich verstehen als Konkretisierungen externer Anforderungen und Zielvorgaben. Da der Ganztag verschiedene gesellschaftliche Funktionen zu erfüllen hat und daher in vielfältige Erwartungshorizonte eingebunden ist (u.a. Feldhoff & Betz 2025), die in einem komplexen, bisweilen konflikthaften Verhältnis zueinanderstehen (können), ist die Festlegung dessen, was als ‚guter' Ganztag gilt, unvermeidlich strittig. Datengrundlage der Analyse sind aktuelle (fach-)politische Dokumente, die Empfehlungen, Leitlinien, Beschlüsse und fachliche Positionierungen zum ‚guten‘ Ganztag enthalten (u.a. die drei GaFöG-Berichte (2023-2025), Empfehlungen und Beschlüsse von KMK und JFMK, Positionspapiere der AGJ sowie Bundestagsdrucksachen, die Grundlage für das GaFöG von 2021 waren). Vorläufige Ergebnisse der inhaltlich-strukturierenden Dokumentenanalyse (Kuckartz & Rädiker 2023) weisen aus, dass sich der Ganztag und die (fach-)politische Bestimmung seiner Qualität einfügen in gegenwärtige sozialinvestive Politiken und die Stärkung des pädagogischen Moratoriums für Kinder im Grundschulalter. Dominant sind daher u.a. Positionierungen von Kindern als Personen mit Betreuungsbedarf und in Entwicklung sowie als Lernende. Dominierte Positionierungen beziehen sich indessen u.a. auf Kinder als Repräsentant:innen ihrer eigenen Belange (eigene Vorarbeiten: Betz 2023, 2025). Die Befunde werden vor dem Hintergrund des Forschungsstands zu Qualität und Ganztag (u.a. Rother, Sauerwein & Fischer, 2024) sowie Kinder(perspektiven) und Ganztag (u.a. Walther & Nentwig-Gesemann 2021) diskutiert. Herausgearbeitet wird, welche Positionierungen wem, insbesondere Kindern, aber (unmittelbar) auch Eltern und dem pädagogischen Personal, zugestanden, zugewiesen oder aber aberkannt und abgewiesen werden, wenn es um die (fach-)politische Bestimmung ‚der‘ Qualität des Ganztags geht. | ||
