Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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Einzelbeiträge 5.2
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Ein/fach/anders. Fächerübergreifendes Lehren und Lernen in der Schultheater-AG Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland Die Schultheater-AG stellt ein populäres, kulturelles Bildungsangebot jenseits des Fachunterrichts an der Schule dar (Valentin 2013), das einerseits als spezifischer künstlerischer Zugang Räume für das fächerübergreifende Lernen zu schaffen vermag (Weigelt & Oertel i.E.) und andererseits im Kontext der fächerübergreifenden Querschnittsaufgabe der Kulturellen Bildung verortet ist (Weigelt & Hempel 2025). Hierbei gilt es, die nicht zuletzt programmatischen Erwartungen an das Schultheater näher zu bestimmen: Das Schultheater weist einen spezifischen, spielerischen und zugleich künstlerischen Zugang auf (Sting 2019), löst als ästhetischer Erfahrungs- und Aktionsraum theaterästhetische Erfahrungen aus (Höhn 2018; Schulz 2005) und ermöglicht Perspektivübernahme (Klepacki & Zirfas 2013). Jedoch zeigt sich ein Desiderat bezüglich der Erforschung zur Praxis des Schultheaters in der Schularbeitsgemeinschaft und damit einhergehend einer sich anbahnenden fächerübergreifenden Didaktik. Dem wird im Vortrag nachgegangen: In dem dezidiert kulturell bildenden Angebot der Theater-AG, welche außerhalb des regulären Fachunterrichts stattfindet, soll die Perspektive der daran beteiligten Grundschullehrkräfte analysiert werden. Es wird die Frage bearbeitet, wie die Lehrenden, die eine Theater-AG leiten, die fächerübergreifende Querschnittsaufgabe Kulturelle Bildung wahrnehmen, sie verhandeln und praktisch umsetzen. Dazu werden Gruppendiskussionen ausgewertet, welche mit Grundschullehrkräften in Sachsen-Anhalt, die eine Theater-AG leiten, geführt wurden. Diese wurden mittels der Dokumentarischen Methode (Bohnsack 2021) analysiert, um die Orientierungen der Lehrkräfte hinsichtlich der Praxis in der Theater-AG zu rekonstruieren und zugleich Spezifika einer Kulturellen Grundschulbildung im Kontext fächerübergreifenden Unterrichts als ein „Format zukunftsfähiger Bildung“ (Hempel 2025: 111) herauszuarbeiten. Es zeigt sich in den Analysen, dass die Grundschulspezifik der Theater-AG zwischen der Ermöglichung besonderer Erlebnisse für die Schüler:innen, der interessengeleiteten Selbstverwirklichung der Lehrkräfte, der Repräsentation der Einzelschule und der Öffnung von Schule für außerschulische Kooperationen changiert. Letztlich scheint das Schultheater als ‚etwas Anderes‘ gegenüber dem einzelfachlich organisierten Unterricht von den Lehrkräften verhandelt zu werden. Dieses ‚Andere‘ wird im Vortrag mittels empirischer Daten untersucht und hinsichtlich seiner Bedeutung für die Kulturelle Bildung in der Grundschule diskutiert. Über Fächergrenzen (hinaus). Prämissen von Grundschullehrkräften zum Unterrichten in ‚Querformaten‘ Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland Fächerübergreifendes Lernen wird in bildungspolitischen Programmen und (grund-)schulpädagogischen Diskursen als zentrale Antwort auf Anforderungen der Öffnung und Vernetzung im/des Unterrichts zur Bearbeitung komplexer Themen positioniert (Duncker 2021; Hempel 2025). Angesichts aktueller gesellschaftlicher Transformationserwartungen – etwa im Kontext von Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Demokratisierung – scheint der Fachunterricht dabei zunehmend an Grenzen zu geraten; Forderungen nach neuen Formaten „quer zum Fach“ gewinnen an Dynamik (Gaubitz 2024; Hempel et al. 2026). Ihre Realisierung erweist sich vor dem Hintergrund einer widersprüchlichen Gemengelage grundschulspezifischer Organisations- und Professionalisierungsbedingungen, etwa Fach- und Klassenlehrer*innenprinzip, wissenschafts- und kindorientierter Leitbilder usw., jedoch als herausfordernd (u.a. Burren et al. 2018; Lagies 2021). Zugleich besteht – trotz breiter normativer Zustimmung – ein „erheblicher Bedarf an empirischer Forschung zu Bedingungen, Praxis und Wirkungen fächerübergreifenden Unterrichts“ (Hempel et al. 2026, S. 210). Diskursive Verhandlungen der Bedeutung fächerübergreifenden Unterrichts verweisen damit immer auch recht grundsätzlich auf professionelle Selbstverständnisse von Grundschullehrkräften und ihre Perspektiven auf (die Überwindung) bestehender schulischer Strukturen. Der hier vorgeschlagene Einzelbeitrag rekonstruiert vor diesem Hintergrund Orientierungsrahmen von Grundschullehrkräften zum fächerübergreifenden Unterrichten (Bohnsack 2025). Empirische Grundlage bilden vier Gruppendiskussionen mit Lehrkräfteteams unterschiedlicher Grundschulen, die im Rahmen des explorativen Projekts Querformate – eine explorative Studie zur Gestaltung fächerübergreifenden Unterrichts erhoben wurden. Die Gruppendiskussionen werden dokumentarisch ausgewertet und kontrastierend zueinander in Beziehung gesetzt. Im Zentrum steht die Frage, wie Lehrkräfte fächerübergreifende Formate im Horizont organisationaler, professioneller und didaktischer Normen deuten, legitimieren und verhandeln. Analytisch wird dabei mit dem Konzept didaktischer Prämissen (Hempel 2022) gearbeitet, verstanden als auf die Gestaltung von Unterricht bezogene Orientierungsrahmen im weiteren Sinne. Die Rekonstruktionen zeigen habitualisierte, diskursiv artikulierte Umgangsweisen mit spannungsreichen Anforderungen, die grundschulspezifisch ausgeprägt sind. In der gemeinsamen Verhandlung von „Fächergrenzen“ dokumentieren sich Abgrenzungen gegenüber bestehenden Unterrichtsstrukturen, die mit Perspektiven der Öffnung und Innovation verbunden werden. Diese nehmen unterschiedliche Formen an und implizieren kontrastive Richtungen von Schul- und Unterrichtsentwicklung. Die empirischen Einblicke in schulische Realitäten und Orientierungsrahmen von Lehrkräften schaffen dabei Bedingungswissen für komplexe Transferprozesse, indem sie sichtbar machen, unter welchen Voraussetzungen fächerübergreifende Formate anschlussfähig werden und wo strukturelle wie professionelle Spannungen bearbeitet werden müssen. Der Einzelbeitrag leistet damit einen empirischen Beitrag zum Verständnis einer zukunftsorientierten Grundbildung in der Primarstufe, die fachliche Bildung nicht aufgibt, sondern im Horizont gesellschaftlicher Transformationsanforderungen zu erweitern und zu ergänzen sucht. | ||
