Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Einzelbeiträge 5.8
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Autonomieunterstützendes Lehrkraftverhalten und seine Bedeutung für das motivationale und emotionale Erleben von Schüler:innen LMU München, Deutschland Theoretischer und empirischer Forschungsstand Zukunftsorientierte Grundbildung umfasst auch die Förderung von Autonomie von Schüler:innen (Ertl et al., 2022). Laut der Selbstbestimmungstheorie (SDT; Ryan & Deci, 2017) steht Autonomieunterstützung im Unterricht in positivem Zusammenhang mit motivationalem sowie emotionalem Erleben von Schüler:innen (Ryan & Deci, 2017; Pekrun, 2024). In der empirischen Forschung wird Autonomieunterstützung jedoch häufig als globales Konstrukt erfasst (z.B. Reich et al., 2023; Stroet et al., 2013), während konkrete Facetten autonomieunterstützenden Verhaltens im Sinne der SDT nur selten differenziert betrachtet werden. Zudem liegen im Grundschulkontext überwiegend Untersuchungen zu außerschulischen oder allgemeinen Interessen (z.B. Laufs & Kempert, 2021) vor, während Zusammenhänge mit Fach- bzw. Themeninteressen bislang seltener untersucht wurden (Domen et al., 2020; Oppermann & Lazarides, 2021). Fragestellung und Zielsetzung Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob (1) sich Facetten autonomieunterstützenden Verhaltens durch die Lehrkraft in ihren Ausprägungen unterscheiden. (2) die Facetten autonomieunterstützenden Verhaltens durch die Lehrkraft mit Fachinteresse und Lernemotionen der Schüler:innen zusammenhängen. Design und Methodik Im Schuljahr 2021/2022 nahmen Dritt- und Viertklässler:innen (n = 443, 49% weiblich, MAlter = 9 Jahre, 1 Monat) sowie deren Klassenlehrkräfte (n = 37, 92% weiblich, MAlter = 44 Jahre, 2 Monate) an einer querschnittlichen Befragung im Mathematikunterricht teil. Zur Erfassung der Facetten von Autonomieunterstützung durch die Lehrkraft sowie des fachbezogenen Interesses und der unterrichtlichen Emotionen der Schüler:innen wurden bestehende standardisierte Instrumente mathematikspezifisch und ggf. altersadaptiert eingesetzt sowie auf einer fünfstufigen Likert-Skala beantwortet (Admiraal et al., 2019; Domen et al., 2020; Pekrun et al., 2007; Willems, 2020). Neben Mittelwertberechnungen wurden zur Prüfung der Zusammenhänge zwischen den von der Lehrkraft berichteten Autonomieunterstützungsfacetten und dem Fachinteresse sowie den Lernemotionen der Schüler:innen hierarchische lineare Regressionen unter Berücksichtigung der Klassenebene berechnet. In Modell A wurde die von der Lehrkraft eingeschätzte Gewährung von Wahl- bzw. Mitbestimmungsmöglichkeiten berücksichtigt. In Modell B wurde zusätzlich die Autonomieunterstützungsfacette Relevanzvermittlung und respektvolles Verhalten gegenüber den Schüler:innen miteinbezogen. Ergebnisse Deskriptive Befunde zeigen, dass Lehrkräfte im Mittel relativ häufig autonomieunterstützende Verhaltensweisen berichten, wobei Wahl-/Mitbestimmungsmöglichkeiten (M = 3.66, SD = .43) seltener angegeben werden als Relevanzvermittlung und respektvolles Verhalten (M = 3.92, SD = .43). In den hierarchischen Regressionsmodellen hängen Wahl-/Mitbestimmungsmöglichkeiten (Modell A) positiv mit intrinsischem Mathematikinteresse (b = .29, p = .008), Freude (b = .38, p < .001), sowie negativ mit Angst (b = -.22, p = .017) und Langeweile (b = -.28, p < .001) zusammen. Die in Modell B zusätzlich berücksichtigte Facette Relevanzvermittlung und respektvolles Verhalten zeigt keine signifikanten Zusammenhänge. Zusammenhänge von Autonomieunterstützung und dem kognitiv wertbezogenem Mathematikinteresse fallen in beiden Modellen nicht signifikant aus. Diskussion Zwar können verschiedene Facetten der Autonomieunterstützung konzeptuell unterschieden werden, die vorliegenden Befunde zeigen jedoch, dass für das motivationale sowie emotionale Erleben von Grundschulkindern vor allem Wahl- bzw. Mitbestimmungsmöglichkeiten bedeutsam sind. Damit knüpfen die Ergebnisse an Befunde an, die auf Unterschiede zwischen verschiedenen Formen von Mitbestimmung im Grundschulunterricht hinweisen (z.B. Gerbeshi et al., 2024). Bei der Interpretation ist zu berücksichtigen, dass Autonomieunterstützung von Lehrkräften berichtet wurde, während Interesse und Emotionen von Schüler:innen eingeschätzt wurden, sodass unterschiedliche Perspektiven und Konstrukte zugrunde liegen (Domen et al., 2020). Wer wird heute (noch) Lehrkraft? Entwicklungstrends von Studienwahlmotiven und Gesundheitsmustern von Studienanfänger*innen Universität Potsdam, Deutschland Lehrkräfte stehen in ihrem Berufsfeld unterschiedlichsten Herausforderungen gegenüber. Weitgehend anerkannt ist der Befund, dass Lehrkräfte vergleichsweise ungünstige Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster im Zusammenhang mit diesen Herausforderungen zeigen (Schaarschmidt & Kieschke, 2013). Vermutet wird, dass diese Muster sich bereits im Studium entwickeln. So verfügen bereits Lehramtsstudierende über eher ungünstige Stresswahrnehmungen und -reaktionen (Schaarschmidt & Fischer, 2008). Sie zeigen zwar kein höheres Krankheitsrisiko als Studierende anderer Studiengänge, weisen aber eine vergleichsweise starke Schonungstendenz auf (Römer et al., 2013). Mit 30 - 40% liegt zudem ein insgesamt hoher Anteil an gesundheitsbezogenen Risikomustern vor (Schaarschmidt, 2004). Auch ist bekannt, dass die Zugehörigkeit zu solchen Risikomustern im Verlauf des Studiums ansteigt (Rothland, 2011). Neben dem Belastungserleben gelten Studienwahlmotive als Prädiktoren für die Problembewältigung im Studium. Dabei sind es vor allem intrinsische Motive, die den Aufbau von Fachwissen und Kompetenzen unterstützen (Watt & Richardson, 2008). Digitale Neuerungen sowie weltpolitisch relevante Ereignisse wie Kriege, Gesundheits- und Klimakatastrophen stellen aktuelle Rahmungen der Lebenswelt junger Menschen dar. Damit einhergehende Unsicherheiten können das Stresserleben insbesondere für die vielfältig belastete Gruppe der Studienanfänger*innen (Turiaux & Krinner, 2014) zusätzliche akzentuieren. So ist das Belastungserleben Studierender seit der Bologna-Reform (Pfleging & Gerhardt, 2013) und auch im Zuge der Corona-Pandemie (Hahn et al., 2021) gestiegen. Deshalb gehen wir im aktuellen Beitrag der Frage nach, welche Entwicklungstrends sich hinsichtlich der Studienwahlmotive sowie der Gesundheitsmuster von Studienanfänger*innen des Grundschullehramts über die letzten Jahre zeigen. In Anbetracht des vorherrschenden Lehrkräftemangels erscheint es wichtig, den Studienerfolg angehender Lehrkräfte zu forcieren und Studienabbruchquoten zu senken. Für die Entwicklung passender Maßnahmen braucht es Forschungen, die sich mit den aktuellen Lernausgangslagen Lehramtsstudierender beschäftigen. Für die Beantwortung der Fragestellung werden Befragungsdaten von insgesamt N = 1407 Studienanfänger*innen des Grundschullehramts aus neun Jahrgangskohorten analysiert. Diese wurden jeweils im Herbst der Jahre 2017 - 2025 innerhalb einer Grundlagenvorlesung der Universität Potsdam befragt. Dabei wurden Studienwahlmotive mithilfe des Fragebogens zur Erfassung der Motivation für die Wahl des Lehramtsstudiums (FEMOLA, 33 Items) (Pohlmann & Möller, 2010) und Selbstauskünfte zur Bestimmung Arbeitsbezogener Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM, 44 Items) (Schaarschmidt & Fischer, 2008) erfasst. Im Zuge der Auswertung werden Gesundheits- und Risikotypen der Studierenden mithilfe der AVEM-Software (Schaarschmidt & Fischer, 2008) gebildet. Weiter werden ein Chi²-Test, einfaktorielle Varianzanalysen (ANOVA) sowie Post-hoc-Tests in SPSS durchgeführt, um Gruppenunterschiede aufzudecken. Erste Analysen bestätigen Befunde zu arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmustern Studierender (Römer et al., 2013). Es zeigt sich, dass Studienanfänger*innen aller Kohorten eine 30 – 40%ige Risikomusterzugehörigkeit aufweisen und das Schonungsmuster mit 19 – 38% hoch ausgeprägt ist. Weiter deutet der Chi²-Differenztest an, dass es hinsichtlich der Verteilung der AVEM-Muster statistisch signifikante Unterschiede (p < .001) zwischen den Jahrgangskohorten gibt. Die Varianzanalysen belegen keinen Unterschied der extrinsischen Studienwahlmotive (p = .081), unterstreichen aber Unterschiede (p < .001) der intrinsischen Studienwahlmotive in Abhängigkeit von der Kohortenzugehörigkeit. Diese sinken für den Zeitraum der Corona-Pandemie, steigen jedoch ab dem Jahr 2022 wieder auf das Ausgangsniveau an. Risikobehaftete Verhaltens- und Erlebensmuster bei Studienanfänger*innen des Grundschullehramts sind kohortenunabhängig insgesamt hoch ausgeprägt. Veränderungen der Studienwahlmotive scheinen vor allem eine Folge der Corona-Pandemie zu sein. Limitationen und Implikationen der Studie werden im Beitrag diskutiert. | ||
