Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Einzelbeiträge 5.7
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Grundschulen als Ort der Wertebildung in europäischen Einwanderungsgesellschaften: Ein Ländervergleich 1Universität Erfurt, Deutschland; 2Universität Hildesheim, Deutschland Grundlegende Entwicklungsaufgaben im Rahmen gesellschaftlicher Transformationsprozesse, wie z.B. Nachhaltigkeit oder eine demokratische Teilhabekultur, werden zunehmend in den Verantwortlichkeitsraum von Schulen gerückt und als zentrale Bildungsanliegen von Grundschulen bestimmt. Wertebildung erhält eine entscheidende Bedeutung: Schüler:innen sollen demokratische Werte reflektieren, Zukunftsvisionen entwickeln und gerechte Gesellschaften mitgestalten können. Ein Blick in bildungspolitische Dokumente zeigt, dass Werte und Wertebildung in vielen europäischen Ländern fest in Lehrplänen und Erlassen verankert sind. Besonders hervorgehoben werden demokratische Werte, die Achtung der Menschenrechte, individuelle Persönlichkeitsentwicklung sowie soziales und verantwortungsvolles Handeln als Kernziele. Für die Grundschulforschung ergibt sich daraus der Anspruch, einen Beitrag zur verantwortungsvollen Gestaltung des Spannungsfeldes zwischen bildungspolitischen Vorgaben und schulischer Alltagspraxis zu leisten. Bisher liegen nur wenige Studien vor, die sowohl die Thematisierung von Wertebildung in Lehr- und Bildungsplänen als auch die Perspektive von Lehrkräften auf Wertebildung im Unterricht untersuchen. Oeschger et al. (2022) vergleichen Wertekonfigurationen in Schweizer Grundschullehrplänen mit jenen von Lehrkräften. Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrkräfte Werte nicht in derselben Bedeutung für Schule wahrnehmen, wie es in den Lehrplänen der Fall ist; diese betonen stärker Werte, die für einen gesellschaftlichen Wandel bedeutsam sind, während Lehrkräfte bewahrenden Werten größere Bedeutung beimessen (vgl. ebd.). Nach wie vor ist nur lückenhaft belegt, welche konkreten Werte in den Lehr- und Bildungsplänen der einzelnen Länder thematisiert werden und wie Lehrkräfte curriculare Werte wahr-nehmen, welche Bedeutung sie ihnen zuschreiben bzw. wie sie diese im Unterricht aufgreifen und um-setzen. Zur Bearbeitung des Forschungsdesiderats werden drei Fragen verfolgt: (1) Welche Werte werden in den Lehr- und Bildungsplänen thematisiert? (2) Welchen Werten schreiben Grundschullehrkräfte aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Schweden aktuell und zukünftig Bedeutung zu? (3) Was ist ihnen bei der Umsetzung von Wertebildung im Grundschulunterricht wichtig und welche Herausforderungen sehen sie bei der Umsetzung? Zur Beantwortung von Frage 1 werden die Lehrpläne aus Thüringen und Niedersachsen (exemplarisch für Deutschland) sowie aus der Schweiz, Österreich und Schweden mittels Dokumentenanalyse (Hoffmann, 2018) untersucht. Analysiert werden Begriffsverwendungen, die explizite und implizite Einbindung überfachlicher und demokratiebildender Kompetenzen sowie deren curricularer Stellewert. Für die Fragen 2 und 3 wird ein qualitativ-explorativer Ansatz mit leitfadengestützten Interviews gewählt (Helfferich, 2019). Die Auswertung erfolgt mittels einer qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz, 2018). Erste Ergebnisse der Lehrplananalyse zeigen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen. In Niedersachen und Thüringen werden Werte wie Gerechtigkeit, Solidarität und Empathie explizit genannt und im Lehrplan 21 der Schweiz insbesondere Werte wie Selbstbestimmung, Universalismus oder Wohlwollen. Der österreichische Lehrplan für die Volksschule und das schwedische Curriculum formulieren Werte als überfachliche Bildungsziele im Sinne von identitäts- und gesellschaftsbildenden Orientierungen, verbunden mit der Förderung eines inklusiven Menschenbildes, sozialer Kompetenz und humanistischer Werte. Die Interviewanalyse zeigt, dass die Befragten Wertebildung als Teil ihres professionellen Auftrags im Grundschulunterricht verstehen und sie als bedeutsam für die Befähigung zur Mitgestaltung einer gerechten Gesellschaft einschätzen. Zugleich wird deutlich, dass die Umsetzung im Unterricht herausfordernd ist, etwas im Hinblick auf die mögliche Reproduktion persönlicher Wertevorstellungen. Die Studie leistet damit einen Beitrag zur internationalen Einordnung des Stellenwertes von Wertebildung in der Primarstufe und zeigt deren Bedeutung als Bestandteil professionellen Lehrkräftehandelns. Zudem unterstreicht sie die Notwendigkeit einer bewussten Reflexion und Planung von Wertebildung. Zur generationalen Ordnung. Wie Kinderschutz und Kinderrechte von der Neuen Rechten umgedeutet werden (am Bsp. eines Instagram-Posts) Goethe-Universität, Deutschland Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Transformationsprozesse insbesondere in Bezug auf globale (westliche) Entdemokratisierungsbewegungen und demokratische Teilhabekultur fokussiert der Beitrag theoretisch-methodologisch auf (Macht-)Konstellationen in pädagogischen (Bildungs-)Institutionen (Kita; Schule) zwischen Exklusion und Inklusion, die sich zu entdemokratisieren drohen. So kann davon ausgegangen werden, dass diese (Macht-)Konstellationen anfällig sind für autoritäre und antiliberale Umformungen der generationalen Ordnungen (Baader 2020, 2025; Bergold-Caldwell et al. 2025). Zeigen aktuelle Studien (BiKA-Studie 2021) bereits jetzt bspw. fehlende Partizipationsmöglichkeiten für (alle) Kinder in der frühkindlichen Bildung selbst in elementaren Bereichen auf, ist zu erwarten, dass diese durch (neu-)rechte Konzepte weiter eingeschränkt bzw. entliberalisiert werden. Auch die Schule ist i.d.R. gekennzeichnet durch ein Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit. So beansprucht Schule, Demokratie, Partizipation und Teilhabe fördern zu wollen, aber kultiviert gleichzeitig hierarchische Differenz- und Leistungsordnungen oder bringt Demokratie oftmals in einem „Als-ob“ zur Aufführung. Zudem wird häufig ein hoher professioneller Anspruch expliziert, aber in den Kommunikationen und Interaktionen autoritär und adultistisch gehandelt. Diese offensichtlichen Spannungen und Widersprüche durchziehen die schulische Praxis seit ihrem Bestehen nach 1945 und lassen das demokratisch verfasste Schulsystem angreifbar werden für (neu-)rechte Positionen. Fragestellung und Ziel(e) der Untersuchung Ziel des Beitrages ist am Beispiel sexualpädagogischer Diskurse aufzuzeigen, wie diese seit einigen Jahren von Verschiebungen, Umdeutungen, Verflechtungen und Vermischungen geprägt sind und zu einer Entdemokratisierung beitragen. Dabei werden häufig differenzierte, wissenschaftlich begründete bzw. empirisch belegte Positionen (Gegenfurtner & Gebhardt 2018; Backöfer 2020) zugunsten lediglich behaupteter Faktizitäten aufgegeben und manipulative Wirkungen erzeugt. Mir geht es darum, den Standort der Neuen Rechten in diesen Diskursen für eine kritisch informierte Kindheits-/Grundschulpädagogik aufzuklären. Material und Methode Fokussiert wird auf einen Instagram-Post, der am 5. Oktober 2024 viral ging und unter Kindern und Jugendlichen sehr schnell breit geteilt wurde. Da er in der jüngeren Instagram-Community in Bezug auf seinen Wahrheitsgehalt zu größerer Verunsicherung führte, wurde der Post an vertraute Erwachsene weitergespielt und konnte als fake ausgewiesen werden. Konkret soll die Bild-Collage in Kombination mit dem Text des Posts als empirisches Material analysiert werden (Foucault 2003; Jäger 2004; Przyborski & Wohlrab-Sahr 2014; Freutel-Funke 2024) und in aktuelle (anti-)demokratische Diskurse bzw. Diskurse der Neuen Rechten zu Geschlechter- und generationalen Ordnungen eingeordnet werden. Darstellung der zentralen Ergebnisse Es wird gezeigt, welche Narrative bedient werden und an welche pädagogischen Traditionen implizit angeknüpft wird und welche implizit kritisiert werden. So wird in der Analyse gezeigt, wie die Themen Kindheit/Kinder und Geschlecht in Diskursen der Neuen Rechten „verhandelt“ werden und die (gefakte) Verschränkung dieser Themen genutzt wird, um Freiheitsrechte zu diskreditieren und einzuschränken. Dies betrifft sowohl Freiheitsrechte von Erwachsenen, die sich als der LGBTIQ*-Szene zugehörig lesen, als auch Freiheitsrechte von Kindern, die als vor diesen Erwachsenen schützenswürdig dargestellt werden. Im Ergebnis wird diese Verquickung bzw. Umdeutung benutzt, um neue („alte“) generationale Ordnungen durchzusetzen bzw. wiederzubeleben – so die These des Beitrages. Diskussion der Befunde Im Anschluss wird diskutiert, wie diese Umdeutungen adultistische Positionen begünstigen und welche Folgerungen für die (Aus-)Bildung bzw. Professionalisierung von Grundschullehrkräften aus der Umdeutung von Kinderschutz und Kinderrechten durch (neu-)rechte Positionen zu ziehen wären. | ||
