Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Einzelbeiträge 2.6
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Selbstregulationsförderung in sprachlich heterogenen Lerngruppen als Beitrag zur Überwindung von Bildungsungleichheiten Ludwig-Maximilans-Universität München, Deutschland Selbstreguliertes Lernen (SRL) lässt sich als multidimensionaler Prozess modellieren (Cleary et al., 2012), in dem kognitive, metakognitive und motivationale Komponenten ineinandergreifen (Zimmerman, 2000; Cleary et al., 2012). SRL wird als Schlüsselkompetenz für erfolgreiche Lernverläufe und nachhaltige Bildungsteilhabe verstanden (z. B. Bielang, 2025; Lesperance et al., 2023). Als sozial voraussetzungsvoller Topos erfordert es Fähigkeiten, die v. a. in bildungsnahen Milieus vermittelt werden, weshalb andere Kinder SRL primär in Bildungsinstitutionen erwerben müssen (Walgenbach, 2021). Studien zeigen jedoch, dass SRL häufig weder systematisch noch im erforderlichen Umfang gefördert wird (z. B. Dignath & Büttner, 2018; Sontag, 2019). Lernende können zwar weitgehend unabhängig von individuellen Voraussetzungen wie Alter, Begabung oder sozioökonomischem Status von SRL-Interventionen profitieren (Donker et al., 2014), die Wirksamkeit ist jedoch an instruktionale Bedingungen geknüpft (Dignath et al., 2008; Lesperance et al., 2023) und steigt offenbar, wenn spezifische Lernbedarfe vulnerabler Gruppen gezielt berücksichtigt werden (z. B. Vandevelde et al., 2017). Der Forschungsstand zur Rolle von Sprachheterogenität im Kontext der Effektivität von SRL-Fördermaßnahmen in der Grundschule ist sehr begrenzt. Zwar zeigen Studien aus Zweitsprachsettings, dass die Kombination von SRL-Förderung mit sprachlicher Unterstützung Potenzial besitzt (z. B. Chen, 2022; Deng & Trainin, 2023), für reguläre, sprachlich heterogene Grundschulklassen liegen bislang jedoch nur vereinzelte Befunde vor (z. B. Decristan et al., 2022). Adaptive SRL-Ansätze, die sprachliche Vielfalt systematisch aufgreifen, sind bislang kaum empirisch untersucht. Hier setzt die vorliegende Studie an: Untersucht wird, wie sich eine adaptive, sprachsensible SRL-Intervention in Lerngruppen der dritten Jahrgangsstufe mit hoher sprachlicher Vielfalt auf das wahrgenommene SRL auswirkt (F1) und welche qualitativen Veränderungen im selbstregulierten Lernverhalten die Schüler:innen zeigen (F2). Zudem wird analysiert, inwiefern die Ergebnisse der vorangegangenen Analysen ergänzende Perspektiven zur Beurteilung des SRL der Schüler:innen beleuchten (F3). Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob ein adaptiver, sprachsensibler Ansatz zur Unterstützung heterogener Lerngruppen beitragen und damit Perspektiven zur Reduktion von Bildungsungleichheiten eröffnen kann. Die Studie folgt einem quasiexperimentellen Mixed-Methods-Design, das quantitative und qualitative Perspektiven integriert. In einem Prä-Post-Kontrollgruppendesign (N = 248) wurde das wahrgenommene SRL mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens (7 Skalen à 3 Items) erfasst. Die Auswertung erfolgte mittels Mixed-ANOVA und ANCOVA. Ergänzend wurden bei einer Teilstichprobe (n = 10) qualitative Daten zum tatsächlich gezeigten Lernverhalten erhoben: Die Schüler:innen bearbeiteten laut-denkend Lernvignetten und wurden dabei videografiert. Zur Auswertung wurde eine Kombination aus strukturierender und evaluativer qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) mit deduktiv-induktiv erarbeitetem Codierschema eingesetzt. Die Verschränkung beider Datenquellen erfolgte in Meta-Inferenzen durch horizontale, vertikale und strukturelle Integration. Quantitativ zeigten sich signifikante Zuwächse im wahrgenommenen SRL (für kognitive, metakognitive und motivationale Aspekte) in der Interventionsgruppe, nicht aber in der Kontrollgruppe. Als fallübergreifendes qualitatives Muster zeigte sich eine Entwicklung hin zu einem lernförderlichen Einsatz kognitiver und metakognitiver Strategien bei gleichzeitig weniger Hilfegesuchen. Darüber hinaus entwickelte sich das Lernen individuell weiter – belastbare Hinweise auf einen systematischen Einfluss der Zweitsprachigkeit zeigten sich nicht. Die Befunde unterstreichen das Potenzial adaptiver SRL-Förderung als evidenzbasierte Intervention, die über die bloße Beschreibung von Bildungsungleichheiten hinausgeht und konkrete Wege zu deren Überwindung in sprachlich heterogenen Settings aufzeigt. Pädagogische Beziehungen im Fokus: Systematische Kategorisierung von Schüler*innen-Lehrkraft-Interaktionen im Grundschulunterricht Universität Potsdam, Deutschland Im Lehramtsstudium sind Praxisphasen ein zentraler Baustein, um fachwissenschaftliche und fachdidaktische Erkenntnisse aus den Lehrveranstaltungen mit der Schulpraxis in Beziehung zu setzen (KMK, 2022). Studierende gewinnen im Praktikum wertvolle Einblicke in das professionelle unterrichtliche Wirken von Lehrkräften und die Gestaltung von pädagogischen Situationen. Aus der Forschung ist bereits bekannt, dass positive und anerkennende pädagogische Beziehungen zwischen Lehrkräften und ihren Schüler*innen bedeutsam für erfolgreiche Lehr-Lern-Prozesse und die psychosoziale Entwicklung von Heranwachsenden sind (Hattie, 2021; Wettstein & Scherzinger, 2020). Lehrkräfte haben in dieser asymmetrischen Beziehung eine professionelle Verantwortung zur Gestaltung tragfähiger pädagogischer Beziehungen (Prengel, 2020a; Scherzinger & Wettstein, 2022). Prengel et al. (2016) untersuchten anhand von Beobachtungen soziale Interaktionen in pädagogischen Kontexten, wie der Schule. Sie ermittelten, dass ungefähr dreiviertel der Interaktionen als anerkennend oder neutral, jedoch etwa jede fünfte Interaktion als verletzend einzustufen war (Prengel et al., 2016). Offen bleibt jedoch bislang, in welchen Situationen es im schulischen Alltag zu anerkennenden und verletzendem Lehrkräfteverhalten kommt. Vor diesem Hintergrund soll in dem Beitrag untersucht werden, wie Grundschullehrkräfte pädagogische Situationen in ihrem Unterricht gestalten. Konkret gilt es herauszufinden, wie Schüler*innen in pädagogischen Interaktionen von ihrer Lehrkraft anerkannt oder verletzt werden und wie sich diese Situationen systematisch kategorisieren lassen? Zur Beantwortung der Fragestellungen werden pädagogische Situationen ausgewertet, die im Rahmen des ersten (Hospitations-)Praktikums von Lehramtsstudierenden der Primarstufe protokolliert wurden. Aus den letzten sieben Semestern (Wintersemester 2022/23 bis 2025/26) liegen knapp 1.000 protokollierte pädagogische Situationen vor. Durch die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring & Fenzl, 2022) sollen diese Situationen mithilfe der Datenanalyse-Software MAXQDA im Frühjahr 2026 kodiert und analysiert werden, so dass zum Zeitpunkt der Tagung das Kategoriensystem und die Ergebnisse vorgestellt werden können. Im ersten Schritt soll eine deduktive Inhaltsanalyse durchgeführt werden, basierend auf den zehn Leitlinien zu ethisch begründeten und unzulässigen professionellen Handlungsweisen der Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen (Deutsches Institut für Menschenrechte et al., 2017). Diese Leitlinien, entwickelt zur Förderung der Reflexionsfähigkeit von Pädagog*innen und zur Unterstützung bei der Gestaltung professioneller Beziehungen, sollen zur Verbesserung der kinderrechtlichen Qualität pädagogischer Beziehungen beitragen (Prengel, 2020b). In einem zweiten Schritt erfolgt eine induktive Erweiterung der Kategorien, um einen umfassenderen Einblick in die pädagogischen Interaktionen zu gewinnen. Die folgende Situation kann beispielsweise als ethisch unzulässig kategorisiert werden: "Im Kunstunterricht einer dritten Klasse erhielten die Schüler*innen die Aufgabe, Bausteine aus Papier zu basteln, um diese anschließend gemeinsam als Klasse zu einem Gebäude zusammenzusetzen. Ein Schüler weigerte sich jedoch, seinen selbstgebastelten Baustein zu den anderen zu legen und versteckte ihn stattdessen unter dem Tisch. Die Lehrkraft reagierte darauf mit den Worten: ‚So verhält sich nur ein 3-jähriges Kind‘, und ahmte anschließend ein quengelndes Kleinkind nach." Die dargestellte Beispielsituation verdeutlicht die Notwendigkeit, Studierende für die Beziehungsarbeit und das Auftreten von Verletzungen im schulischen Kontext zu sensibilisieren. Durch die systematische Kategorisierung der Beobachtungsdaten besteht die Möglichkeit, Studierende besser auf Praktikumserfahrungen vorzubereiten, z.B. durch den gezielten Einsatz von realen Beobachtungsbeispielen, um das Ansprechen verletzender Situationen zu erlernen. Somit kann die Professionalisierung der Grundschullehrer*innenbildung nachhaltig verbessert werden. | ||
