Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Einzelbeiträge 2.4
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Grundlegung ohne Grundschule? Professionswissen im Spannungsfeld von Modelltradition und schulartspezifischer Passung 1Universität Leipzig; 2Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland; 3Grundschule Hamburg Das COACTIV-Modell (Baumert & Kunter, 2011) gilt als zentraler Referenzrahmen der deutschsprachigen Professionsforschung und beschreibt Professionswissen als Kern professioneller Kompetenz. Es differenziert u.a. zwischen pädagogisch-psychologischem, fachdidaktischem und fachlichem Wissen und hat die empirische Lehrer:innenbildungsforschung nachhaltig geprägt (Cramer & Rothland, 2024). In der Folge dient es als theoretische Grundlegung, die weit über die Sekundarstufe hinaus als strukturierendes Raster professioneller Kompetenz herangezogen wird. Zugleich ist das Modell jedoch primär unter den strukturellen Bedingungen der Sekundarstufe entwickelt worden. Die Grundschule als erste und gemeinsame Schule hat den Auftrag, alle Kinder unter Bedingungen ausgeprägter Heterogenität sowie entwicklungsbezogener Orientierungsnotwendigkeit grundlegend zu bilden (Götz et al., 2024). Vor diesem Hintergrund ist allerdings zu prüfen, inwiefern eine überwiegend domänenspezifische Differenzierung professionellen Wissens die professionsbezogenen Anforderungen dieser Schulart angemessen abbildet. Die Frage nach der Passung entsprechender theoretischer Grundlegung wird im bisherigen grundschulbezogenen Diskurs bislang nur unzureichend reflektiert (Cramer & Rothland 2024; Mammes & Rotter, 2022). Der Beitrag adressiert dieses Desiderat und geht den Fragen nach, wie Professionswissen von Grundschullehrkräften in der deutschsprachigen Forschung konzeptualisiert wird und inwiefern sich darin die strukturellen und pädagogischen Spezifika der Grundschule widerspiegeln. Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurde im Projekt Profi-G (Liebner et al., 2026) ein systematisches Review (Zawacki-Richter, 2020) entlang des PRISMA-Flow-Diagramms (Page et al., 2021) durchgeführt. Nach definierten Ein- und Ausschlusskriterien wurden 125 Publikationen identifiziert und mittels eines adaptierten Mixed-Methods-Quality-Frameworks (MQQ; Acosta et al., 2020) hinsichtlich inhaltlicher Relevanz geprüft, wobei 82 Beiträge als einschlägig klassifiziert wurden. Für die Analyse wurden daraus alle Publikationen aus Peer-Review-Zeitschriften ausgewählt (n=29). In iterativ, simultanen Teilprozessen der qualitativen Inhaltsanalyse erfolgte die induktiv-deduktive Kategorienbildung sowie konsensuelle, argumentative Validierung (Kuckartz & Rädiker, 2024). Ergebnisse der Auswertung von 19 Publikationen zu den Unterrichtsfächern Mathematik (n=7), Deutsch (n=6), Sachunterricht (n=5) und Sport (n=1) verweisen hinsichtlich der herangezogenen Konstrukte auf umfassende Bezüge zum COACTIV-Modell. Hinsichtlich der Konzeptualisierung des Professionswissen wird dabei einerseits auf grundlegende und andererseits auf fachbezogene Aspekte Bezug genommen. So wird exemplarisch Fachwissen fachübergreifend als Inhaltswissen konzeptualisiert und innerhalb der Fachkontexte domänenspezifisch bestimmt, zum Beispiel in Mathematik entlang von Inhaltsbereichen wie Arithmetik oder Geometrie. Bezüge zu den Spezifika der Grundschule zeigen sich in den Konzeptualisierungen nur oberflächlich bzw. problematisierend. Zum Beispiel wird der Sachunterricht als Schulfach adressiert, das fachdidaktische Wissen im Fach Deutsch auf den Schriftspracherwerb bezogen oder eine geringere Ausprägung an fachlichem und fachdidaktischem Wissen bei Grundschullehrkräften auf die aus dem Klassenlehrkraftprinzip resultierende Generalistenausbildung zurückgeführt. Ein daran anschließender professionstheoretischer Diskurs zur domänen- und grundschulspezifischen Differenzierung des Professionswissens findet in den Publikationen jedoch nicht statt. Die vollständigen Ergebnisse werden im Beitrag differenziert dargestellt und professions- sowie schulartspezifisch eingeordnet. Die Ergebnisse legen nahe, dass die deutschsprachige Forschung zu Professionswissen von Grundschullehrkräften in weiten Teilen eine sekundarstufenorientierte domänenspezifische Grundlegung fortschreibt. Zwar werden grundschulspezifische Aspekte punktuell aufgegriffen, allerdings nicht systematisch in die Strukturierung professionellen Wissens integriert. Die Befunde werfen somit die Frage auf, ob gegenwärtige Konzeptualisierungen eher zur Stabilisierung bestehender Modelltraditionen beitragen als zur Entwicklung einer genuin grundschulspezifischen Professionskonzeption. Damit sind zugleich Implikationen für die Lehrer:innenbildung verbunden, insofern curriculare Setzungen auf theoretischen Grundlegungen beruhen, deren schulartspezifische Passung bislang nicht systematisch geprüft wurde. Konzeptualisierungen professionellen Wissens von Grundschullehrkräften im Fachvergleich: Ausgewählte Ergebnisse eines systematischen Reviews 1FAU, Deutschland; 2Universität Leipzig, Deutschland; 3Grundschule Hamburg, Deutschland Das COACTIV-Modell nach Baumert und Kunter (2011) gilt als Referenzrahmen der deutschsprachigen Professionsforschung und identifiziert professionelles Wissen als Kern professioneller Kompetenz. Es ist im monofachlich strukturierten Professionalisierungskontext der Sekundarstufe entstanden, in dem die Schulfächer den primären Handlungsrahmen von Lehrkräften bilden. Demgegenüber unterrichten Grundschullehrkräfte im Klassenlehrkraftprinzip mehrere Fächer innerhalb eines breiten Fächerkanons (z. B. Lohrmann et al. 2022) und agieren dadurch parallel in verschiedenen fachlich differenzierten Wissensordnungen. Zugleich ist der Fachunterricht in der Grundschule eng mit pädagogisch-erzieherischen Aufgaben verknüpft (Götz, 2024). Vor diesem Hintergrund stellt sich für die Grundschule die Frage, wie fachspezifisches Professions-wissen von Lehrkräften unter den Bedingungen fachlicher Vielfalt konzeptualisiert und begründet wird. Da bislang kaum ein schulartspezifischer professionstheoretischer Diskurs geführt wurde (Cramer & Rothland, 2024; Mammes & Rotter, 2022), fehlen auch systematische Arbeiten, die das Professionswissen von Grundschullehrkräften über die einzelnen Fächer hinweg miteinander in Beziehung setzen. Der vorliegende Beitrag adressiert diese Forschungslücke, indem betrachtet wird, in welchen Fächern sich Publikationen zum Professionswissen von Grundschullehrkräften identifizieren lassen (FF1). Ferner wird geprüft, inwiefern sich das in den Publikationen beschriebene Professionswissen hinsichtlich der jeweiligen Konzeptualisierungen (FF2) und genannten Begründungszusammenhänge (FF3) zwischen den identifizierten Fächern unterscheidet. Zur Beantwortung dieses Desiderats wurden Publikationen des systematischen Reviews aus dem Projekt Profi-G (Liebner et al., 2026) herangezogen, welches entlang des PRISMA-Flow-Diagramms nach definierten Ein- und Ausschlusskriterien durchgeführt wurde (Page et al., 2021). Für die vorliegende fachvergleichende Analyse wurden aus den vorab 82 identifizierten und als einschlägig klassifizierten Beiträgen, 19 peer-reviewte Publikationen mit Fachbezug analysiert. Die Auswertung folgte einem induktiv-deduktiven Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2024). Hierbei wurden die Kategorien materialbasiert generiert, anschließend theoriegeleitet strukturiert und konsensuell überprüft und weiterentwickelt. Insgesamt konnten sieben Peer-Review Publikationen für den Lernbereich Deutsch, sechs für den Lernbereich Mathematik, fünf für den Lernbereich Sachunterricht und eine für den Lernbereich Sport identifiziert werden (FF1). In Publikationen zu den Fächern Deutsch und Mathematik wurden zur (FF2) Konzeptualisierung 320 Textstellen kodiert. Am häufigsten wurden definitorische Merkmale, seltener Entwicklung und Veränderbarkeit, empirische Ausprägungen, Erhebung, Zusammenhänge sowie Hierarchien kodiert. In Mathematikpublikationen verteilten sich die Kodierungen gleichermaßen auf definitorische Merkmale und Entwicklungsaspekte. Deutschpublikationen fokussierten hingegen fast ausschließlich auf definitorische Merkmale. Die (FF3) Begründungszusammenhänge (174 Kodierungen) zeigen ebenfalls fachspezifische Unterschiede: Deutsch- und Mathematikpublikationen adressierten gleichermaßen den prädiktiven Einfluss professionellen Wissens für das professionelle Handeln von Lehrkräften. Mathematikpublikationen betonten zusätzlich, dass professionelles Wissen von Lehrkräften bedeutsam für das Lernen und die Leistung von Schüler:innen ist und verwiesen zusätzlich auf das Zusammenspiel mit weiteren professionellen Kompetenzfacetten. Im Beitrag werden die Ergebnisse zu den Konzeptualisierungen und Begründungszusammenhänge auf die Lernbereiche Sachunterricht und Sport ausgeweitet. Die Ergebnisse legen nahe, dass Konzeptualisierungen und Begründungszusammenhängen professionellen Wissens fachabhängig variieren und sich damit unterschiedliche fachlogische Ausgestaltungen professionellen Wissens im Grundschulkontext zeigen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines schulartspezifisch integrativen Diskurses (Cramer & Rothland, 2024; Götz et al., 2024). Zugleich verweisen die Befunde darauf, dass professionelles Wissen von Grundschullehrkräften im Fachvergleich zu betrachten ist. Grundschulforschung kann hierzu beitragen, indem fachlogische Differenzen im Kontext vielfältiger Fachzuständigkeit systematisch analysiert werden. | ||