Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Einzelbeiträge 2.1
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„Sobald man die Kinder kennt, weiß man auch wie man plant.“ Wie setzen Grundschullehrkräfte Planungsqualitätsmerkmale in der Unterrichtsplanung um und welche Rolle spielen Rahmenbedingungen dabei? 1Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik, Ludwig-Maximilians-Universität München; 2Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik, Universität Augsburg Aus Studien geht hervor, dass die Qualität der Unterrichtsplanung (Planungsqualität) prädiktiv für die Qualität des durchgeführten Unterrichts ist (Windt et al., 2017). Im Sachunterricht können sechs Merkmale als wichtig für qualitätsvolle Unterrichtsplanung und -durchführung erachtet werden: effektive Klassenführung, Klarheit und Strukturiertheit, kognitive Aktivierung, lernförderliches Klima, angemessener Umgang mit Heterogenität sowie Gestaltung des rhythmisierten Lernangebots (Kantreiter, 2022; Rau, 2017). Bestimmte Rahmenbedingungen beeinflussen die Planungsqualität: Neben Routine bzw. Berufserfahrung und professioneller Handlungskompetenz sind dies Charakteristika der Klasse, zeitliche Ressourcen, Materialien, Lehrpläne sowie das Fach selbst (Giest, 2002; Tebrügge, 2001; Litten 2017). Unterrichtsplanung gestaltet sich entsprechend personen-, fach-, themen- und schulartspezifisch (Litten 2017; Stender 2014). Die vorliegenden Ergebnisse beziehen sich überwiegend auf Sekundarstufenlehrkräfte und sind nicht uneingeschränkt auf Grundschullehrkräfte übertragbar. Offen ist, welche Planungsqualitätsmerkmale Grundschullehrkräfte konkret in ihre Unterrichtsplanung einbeziehen und welche Rahmenbedingungen dabei eine Rolle spielen. Entsprechend geht der vorliegende Beitrag den folgenden Fragestellungen nach: • FF1: Welche Planungsqualitätsmerkmale werden von Grundschullehrkräften bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt? • FF2: Welche Rahmenbedingungen nehmen Grundschullehrkräfte als förderlich oder hinderlich für die Umsetzung von Planungsqualitätsmerkmalen in der Unterrichtsplanung wahr? • FF3: Welche Ko-Okkurrenzen treten zwischen den Planungsqualitätsmerkmalen sowie zwischen den Planungsqualitätsmerkmalen und den identifizierten förderlichen bzw. hinderlichen Rahmenbedingungen auf? Die Datengrundlage bilden leitfadengestützte Einzelinterviews mit N=26 Grundschullehrkräften, die von ihrer Unterrichtsplanung zum Thema Wald berichten. Die Auswertung der transkribierten Audioaufzeichnungen (Ø 67 Minuten) erfolgte mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2024). Im ersten Schritt wurden Proband:innenaussagen in – deduktiv aus den angeführten Planungsqualitätsmerkmalen (Kantreiter, 2022) entwickelten – Kategorien kodiert (FF1). Das Vorgehen war mehrstufig: eine Teilstichprobe (n=3) wurde pro Kategorie durch zwei bzw. drei Rater:innen kodiert. Abweichungen der Interrater-Übereinstimmung wurden konsensuell bis zur Übereinstimmung diskutiert (Hopf & Schmidt, 1993) und die verbleibenden Interviews (n=23) auf die drei Rater:innen aufgeteilt. Im zweiten Schritt, wurden induktiv Kategorien förderlicher bzw. hinderlicher Rahmenbedingungen abgeleitet (FF2). Der Analyseprozess erfolgte deckungsgleich zum zuvor skizzierten Vorgehen. Abschließend wurden die Beziehungen zwischen den kodierten Segmenten mit dem Mapping-Tool MAXMaps bestimmt (Kuckartz & Rädiker, 2024). Dieses ermöglicht die Identifikation und Untersuchung potenzieller Muster des (gleichzeitigen) Auftretens von Codes (Ko-Okkurrenz) innerhalb und zwischen den Interviews (FF3). Ergebnisse zu FF1 legen nahe, dass Grundschullehrkräfte mit Blick auf die untersuchten Planungsqualitätsmerkmale insbesondere Aspekte Lernförderlichen Klimas (z.B. Berücksichtigung der Interessen/Themenwünsche der Lernenden, positive Unterrichtsatmosphäre), des Angemessenen Umgangs mit Heterogenität (z.B. Förderung und Anwendung der Fachsprache, Differenzierung) sowie der Kognitiven Aktivierung (z.B. Umgang mit Vorwissen, Lebensweltorientierung) fokussieren. Weitere Planungsqualitätsmerkmale wie Effektive Klassenführung (z.B. Regeln und Konsequenzsystem, Umgang mit Störungen), Klarheit und Strukturiertheit (z.B. sachlogische Sequenzierung) bzw. Gestaltung eines rhythmisierten Lernangebots (z.B. Methodenwechsel innerhalb der Stunde, spielerische Elemente) werden dagegen vergleichsweise randständig thematisiert. Mit Blick auf FF2 berichten Grundschullehrkräfte insgesamt, dass sowohl internale (z.B. eigenes Interesse) als auch externale Rahmenbedingungen (z.B. Interesse der Lerngruppe, Zusammenarbeit im Kollegium, Lage der Schule zum außerschulischen Lernort) unterschiedlich auf die Unterrichtsplanung einwirken. Die Analyse der Ko-Okkurrenzen im Rahmen von FF3 läuft derzeit, finale Ergebnisse werden zur Tagung vorliegen. Aus den Ergebnissen werden Implikationen für die Aus- und Weiterbildung von Grundschullehrkräften abgeleitet. Zudem wird herausgearbeitet, wie Rahmenbedingungen verbessert werden könnten, um qualitätsvolle Unterrichtsplanung zu begünstigen. Der herausfordernde Weg von der Erfassung der Unterrichtsqualität zur Unterrichtsentwicklung: Erste Schritte einer Toolentwicklung zur Unterstützung der Professionalisierung von Lehrpersonen 1Universität Zürich; 2RPTU Kaiserslautern-Landau In der empirischen Unterrichtsqualitätsforschung wurden über die letzten Jahrzehnte viele Modelle und Befunde über die Gestaltung qualitätsvollen Unterrichts generiert (z.B. MAIN-TEACH; Praetorius et al., 2025). Sollen diese Erkenntnisse nicht nur für die Forschung relevant sein, sondern auch Lehrpersonen dabei unterstützen, ihren Unterricht evidenzbasiert weiterzuentwickeln, ergibt sich die Herausforderung, dass Lehrpersonen wissenschaftliche Befunde nur selten für ihre alltägliche Unterrichtsreflexion und -gestaltung nutzen (Arendt et al., 2025; Locher et al., 2023). Barrieren entstehen u.a. aus Zeitmangel, Unsicherheiten bei der Auswahl und Interpretation relevanter Forschung sowie Schwierigkeiten, praktische Schlussfolgerungen abzuleiten (Thomm et al., 2021; Wilkes & Stark, 2022). Hinzu kommen Verständnisprobleme hinsichtlich bedeutsamer Unterrichtsqualitätsmerkmale (Hartmann et al., 2016). Dementsprechend bedarf es niedrigschwelliger Professionalisierungsmassnahmen, die zentrale Erkenntnisse aus der Unterrichtsqualitätsforschung bündeln und so für Lehrpersonen nutzbar machen, dass sie direkt auf den eigenen Unterricht bezogen werden können – sowohl für Ist-Stand-Bestimmungen als auch für Fragen der Weiterentwicklung des eigenen Unterrichts. Derartige Massnahmen können durch alltagstaugliche digitale Tools realisiert werden. Zwar existieren bereits Tools zur Unterrichtsreflexion mittels Fragebogenitems, die aktuelle Erkenntnisse zur Unterrichtsqualität berücksichtigen (z.B. feedbackSchule.de, Wisniewski & Zierer, 2020; AMADEUS, FALKO-PV, 2026), jedoch fokussieren diese notwendige Professionalisierungsbedarfe nur teilweise und bieten keine konkreten Massnahmen für die Weiterentwicklung des Unterrichts an. Gleichzeitig stehen Weiterbildungs-Tools zur Verfügung, die individuelle Unterrichtsreflexionen nicht berücksichtigen (z.B. Toolbox, Lewalter et al., 2021), wodurch der Bezug zum eigenen Unterricht fehlt. Vor diesem Hintergrund verfolgt das digitale Tool improveTEACH das Ziel, mehrperspektivische Unterrichtsreflexion (Lehrperson; Kolleg:innen und Schüler:innen; screenTEACH) mit darauf aufbauenden Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu verknüpfen. Durch screenTEACH soll neben Erkenntnissen zur eigenen Unterrichtsqualität auch das professionelle Wissen über Unterrichtsqualitätsdimensionen und -indikatoren gestärkt werden. Im bereits vorhandenen Prototyp screenTEACH1.0 werden alle sieben MAIN-TEACH-Qualitätsdimensionen einheitlich mit vier Schlagwörtern skizziert, um die aus Sicht der Forschung entscheidenden Charakteristika der jeweiligen Dimension prägnant darzustellen und Lehrpersonen darüber eine Orientierungsfunktion zu bieten. Zudem wird jedes Schlagwort anhand eines zentralen, beobachtbaren Indikators auf vier Qualitätsstufen illustriert. Neben der Frage, ob diese Massnahmen tatsächlich dabei helfen, Unterrichtsqualität im intendierten Sinn zu interpretieren, ist unklar, wie (Grundschul-)Lehrpersonen dabei unterstützt werden können, von einer solchen Standortbestimmung ausgehend ihren Unterricht weiterzuentwickeln. Entsprechend ergeben sich folgende Forschungsfragen: 1. Unterstützen die Schlagwörter und Indikatoren in screenTEACH1.0 ein evidenzbasiertes Verständnis unterschiedlicher Qualitätsdimensionen? 2. Wie hilfreich erscheint Primarlehrpersonen das digitale Tool screenTEACH1.0 für die Einschätzung der Unterrichtsqualität? 3. Welche Lernformate für improveTEACH werden von Primarlehrpersonen als sinnvoll erachtet, um ihr Wissen zu Unterrichtsqualitätsdimensionen zu erweitern und dieses in ihre Unterrichtspraxis zu integrieren? Zur Beantwortung von Forschungsfrage 1 und 2 wurden leitfadengestützte kognitive Interviews (Tourangeau et al., 2000) mit neun Lehrpersonen durchgeführt, die screenTEACH1.0 in ihrem Unterricht in einer Testphase (Nov25-Jan26) verwendeten. Die Interviews werden aktuell mittels strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2024) ausgewertet. Forschungsfrage 3 wird basierend auf einer Fragebogenstudie (Eigenkonstruktion) mit einer anvisierten Stichprobe von 50 Primarlehrpersonen bearbeitet und enthält sowohl geschlossene Antwortoptionen zu erwünschten Lernformaten als auch offene Fragen zu Nutzungsbedingungen. Aus den Ergebnissen sollen konkrete Handlungsschritte zur Weiterentwicklung von improveTEACH abgeleitet werden, um Bedarfe aus der Praxis und Erkenntnisse aus der Unterrichtsqualitätsforschung zusammenzuführen und für Unterrichtsreflexion und -entwicklung nutzbar zu machen. | ||
