Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Symposium 1.4
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Kindervorstellungen von gesellschaftlichen Zukünften - Ausgewählte Ergebnisse und methodische Zugangsweisen Kinder in der Gegenwartsgesellschaft wachsen aktuell in einer sich stark verändernden Welt auf, die gekennzeichnet ist von unterschiedlichen Krisen, wie bspw. Kriegen oder Umweltzerstörung. Von deren Auswirkungen sind Kinder, auch in Deutschland, bereits direkt und indirekt betroffen. Im Rahmen dieser gesellschaftlichen Veränderungen mit denen auch Transformationen auf verschiedenen Ebenen, wie u.a. in Bezug auf das Erleben von Kindheit(en) einhergehen, gilt es die Perspektiven von Kindern in der Grundschule deutlich stärker zu berücksichtigen. Mit ihrer Lebenswelt- und Kindorientierung ist die gerade die Grundschule und deren Unterricht aufgefordert, die aktuellen gesellschaftlichen Ausgangslagen pädagogisch sowie didaktisch zu berücksichtigen (Lehtonen et al. 2018). Zudem ist die Berücksichtigung der subjektiven Perspektive der Kinder didaktisch reklamiert (Kaiser 2006). Im Kontext dieser Entwicklungen und Herausforderungen ist die Berücksichtigung der Vorstellungen und Sichtweisen von Kindern auf Zukünfte im Kontext des Konzeptes einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zentral. Appel (2024) kritisiert, dass die Vorstellungen von Kindern auf eine nachhaltige Zukunft nicht aktuell berücksichtigt werden und leitet daraus die Konsequenz ab, „dass Schüler*innen zu einer von Erwachsenen formulierten Zukunftsidee beitragen sollen“ (ebd.: 30). So stellt die Berücksichtigung von Kindervorstellungen auf Zukünfte gerade im Kontext von BNE trotz der gesellschaftlichen Krisen immer noch ein Desiderat dar. Diesem möchte das Symposium begegnen, indem in drei Beiträgen aktuelle Studien zu gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen von Grundschulkindern präsentiert werden. Neben der inhaltlichen Aufarbeitung gesellschaftlicher Zukunftsvorstellungen von Grundschulkindern richtet das Symposium den Blick auf methodische Zugänge und reflektiert die Potenziale und Grenzen einer zukunftsbezogenen Erforschung kindlicher Perspektiven. Durch die Gegenüberstellung der verschiedenen methodischen Zugänge, wie u.a. Szenariotechniken, schriftliche Befragungen, leitfadengestützte Interviews ergänzt durch Kinderzeichnungen sollen diese im Kontext gesellschaftlicher Zukünfte und BNE kritisch diskutiert werden. Das Symposium lädt zu folgenden Beiträgen ein: Im ersten Beitrag von Sebastian Beck und Sarah Gaubitz werden im Rahmen einer Studie Zukunftsbilder von Grundschulkinder im Kontext gesellschaftlicher Herausforderungen erhoben. Der Vortrag zeigt auf, inwiefern sich diese unterscheiden und von Sorge oder von Zuversicht geprägt sind. Methodisch wurden die Daten durch die Entwicklung von Standbildern im Rahmen eines kunstbasierten, theaterpädagogischen Zugangs erhoben. Der zweite Beitrag von Saskia Warburg und Anja Seifert bezieht sowohl Daten schriftlicher Befragungen von Grundschulkindern in unterschiedlichen Ländern zu Zukünften ein, als auch die Auseinandersetzung von angehenden Grundschullehrkräften in einem Seminar zu Zukunftsmärchen. Im Vortrag wird ein Seminarkonzept vorgestellt, dass durch ein kreatives und KI-gestütztes Format die Auseinandersetzung von Studierenden mit Zukunftsmärchen nutzt und dessen Transferbeitrag bspw. für die Unterrichtsplanung und Zielsetzung von Unterricht im Kontext von Zukünften kritisch diskutiert. Im dritten Beitrag von Vanessa Henke werden zwei qualitative Studien mit Grundschulkindern vorgestellt. Bei beiden Studien lag der Schwerpunkt der Befragung u.a. auf den Sichtweisen von „guten Zukünften“ im Kontext von BNE. Im Vortrag werden die Ergebnisse der leitfadengestützten Kinderinterviews (ergänzt durch Kinderzeichnungen) und somit der Sichtweisen von Kindern auf gesellschaftliche Zukünfte vorgestellt. Abschließend wird die methodische Vorgehensweisen kritisch diskutiert. Beiträge des Symposiums Zukunftsbilder von Grundschulkinder im Kontext gesellschaftlicher Herausforderungen Zukunft ist für viele Menschen heute ein Anlass zur Besorgnis. Studien belegen bereits bei Kindern im Grundschulalter einen deutlichen Anstieg von Zukunftsängsten infolge von Klimakrise, wachsender sozialer, Ungleichheit, zunehmendem Extremismus und weiterer globaler Umbrüche (Andresen et al. 2023; Albert et al. 2024; Lass-Hennemann et al. 2023; Robert Bosch Stiftung 2024; Frick et al. 2023). Die starke Fokussierung auf Bedrohungsszenarien kann nicht nur die persönliche Entwicklung hindern, sondern sie kann auch die gesellschaftliche Fähigkeit, zukunftsfähige Lebensweisen aktiv zu entwerfen schwächen (Rasa et al. 2022). Futures Literacy (FL) kann diesem Trend entgegenwirken. Sie wird als die Fähigkeit beschrieben, sich kritisch mit Zukunftsbildern auseinanderzusetzen, neue Zukünfte zu imaginieren und kreative Lösungen zu gestalten (z. B. Damhof 2020). Als Schlüsselkompetenz des 21. Jhs. (Miller 2018) kann FL neue Handlungsräume eröffnen und das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken (Ojala 2012). In diesem Beitrag wird zunächst der Befähigungsansatz “Futures Literacy” erläutert sowie die Relevanz für den Grundschulunterricht. Damit wird Futures Literacy als theoretischer Ausgangspunkt für eine zukunftsorientierte Grundbildung hervorgehoben. Vor diesem Hintergrund berichtet der zweite Teil des Beitrags aus einem Dissertationsprojekt und untersucht empirisch, welche Zukunftsbilder Grundschulkinder im Kontext gesellschaftlicher Herausforderungen entwickeln, ob sie sich verschiedene Zukünfte vorstellen können und inwiefern diese Vorstellungen eher von Sorge oder von Zuversicht geprägt sind. Methodisch nutzt die Studie einen kunstbasierten, theaterpädagogischen Zugang, um Vorstellungen zugänglich zu machen. Fantasie, Spontaneität und Improvisation werden als Schlüsselressourcen bezeichnet, um mit Unsicherheit und Komplexität umgehen sowie neue Vorstellungsräume öffnen zu können (Ciesielski/Ollenburg 2023, S. 75; Häggström/Schmidt 2021, S. 3; Miller 2018, S. 22). In Workshops entwickeln Kinder deshalb performative Standbilder zu imaginierten Zukünften. Die dabei entstehenden Fotografien werden in leitfadengestützten Einzelinterviews als Gesprächsanlass genutzt, um die Bedeutungszuschreibungen der Kinder zu rekonstruieren und ihre Vorstellungen von der „Welt drum herum“ zu erschließen und zu erweitern. Der Beitrag präsentiert ausgewählte Ergebnisse zu dominanten Zukunftsvorstellungen und diskutiert kritisch den methodischen Mehrwert kunstbasierter, explorativer Ansätze. Zukunftsfragen und Zukunftsmärchen zu Krieg und Frieden Auch wenn über die (fehlende/schwierige) Zukunft der Kinder vielfach gesprochen wird, so wird selten direkt danach gefragt, wie sich die Kinder ihre und die gesellschaftliche Zukunft vorstellen und welche Fragen sie selbst zu dieser stellen. Kinderfragen werden hierbei innerhalb der Grundschulforschung sowohl bezogen auf die Perspektive der Kinder als auch stärker aus fachdidaktischer Perspektive zum Forschungsthema (z.B. May-Krämer et al. 2023: Miller et al. 2025). Sie stehen hier in der reformpädagogischen Tradition der Grundschule und in Anknüpfung an bildungstheoretische und anthropologische Begründungslinien, die in der Grundschulpädagogik und -didaktik sowie in Suchbewegungen einer Theorie der Grundschule (Duncker 2023) einen Bezugspunkt finden. Kinderfragen finden aber auch im Kontext der UN-Kinderrechte und der Bildung für nachhaltige Entwicklung (Michelsen & Fischer, 2019) einen Bezugspunkt. Zum Thema Kinderfragen ist im Kontext der Kindheitsforschung und der fachdidaktischen Forschung, hier vor allen Dingen der sachunterrichtsdidaktischen Forschung, in den letzten Jahren intensiv gearbeitet worden, auch mit Bezug auf einen didaktischen Transfer der Vorstellungen von Kindern zu Zukunft (z.B. Zschach, 2022) zum zukunftsorientierten Lernen (Warburg et al., 2025). Methodisch wird zum einen mit einer schriftlichen Befragung von Kindern im Grundschulalter gearbeitet im Hinblick auf gesellschaftliche Zukunft und mit dem kreativen hochschuldidaktischen Format der Zukunftsmärchen, die an Themen und Interessen der Kinder anknüpfen und mit dem Einsatz von KI -Zukunftsszenarien generieren. Die Analyse der Kinderfragen aus einem Korpus von über 500 schriftlichen Rückmeldungen von Grundschüler*innen aus unterschiedlichen Ländern zeigt, dass Kinder sich um die gesellschaftliche Zukunft sorgen und an dystopischen Diskursen des multiplen Krisenphänomens, zu der neben der Umweltkrise auch die Angst von Krieg gehört, partizipieren. Vorgestellt werden jene Kinderfragen, die sich auf Zukunft beziehen und dabei insbesondere auf die Aspekte Krieg und Frieden fokussieren, die in besonderer Weise das Spannungsfeld dystopische/utopische bzw. wünschenswerte Zukunft berühren. Ausgehend von diesen wird nach einem Transfer und dem hochschuldidaktischen Anwendungsbezug einer solchen Forschung gefragt. In Seminaren wie Seminaren solchen zu Zukunftsmärchen können Lehramtsstudierende, die bereits jetzt (als Aushilfs- und Vertretungslehrkraft) oder später als Grundschullehrer*innen arbeiten, Erfahrungen mit dem kreativen und KI-gestützten Format des Zukunftsmärchens machen, das sich insbesondere zur didaktischen Bearbeitung von Kinderfragen zu Themen wie Krieg und Frieden eignet. Lehramtsstudierende des Lehramtes für Grundschule setzen sich in einer doppelten didaktischen Perspektive mit zukunftsbezogenen Fragen, Themen, Inhalten und Methoden auseinander, zum einen im Hinblick auf die Unterrichtsplanung und die Zielperspektive des Unterrichts der Grundschüler*innen, die auf eine (ungewisse) Zukunft (Michallik 2025) vorbereitet werden (sollen), zum anderen geht es um die eigene Auseinandersetzung mit dem Sujet der ungewissen Zukunft im Spannungsfeld einer dystopischen oder einer utopischen Zukunft, die aktiv gestaltet werden will. Diskutiert werden sollen hier die Ergebnisse im Hinblick auf das Transferpotential von Grundschulforschung zwischen theoretischem Erkenntnisgewinn und Transferperspektiven, dem Verständnis von Kindheit(en) im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozessse und einem Verständnis einer zukunftsorientierten Grundbildung und Professionalisierung der Grundschullehrer*innenbildung. Vorstellungen von Grundschulkindern auf „gute“ Zukünfte – Ergebnisse aus zwei qualitativen Studien in Nordrhein-Westfalen Die Forschung zu Zukunftsvorstellungen ist Teil einer interdisziplinär angelegten Zukunftsforschung. Diese erforscht, nicht die Zukunft, sondern „gegenwärtig existierende Zukunftsbilder mit großer Wirkung“ (Theis et al. 2022, 313). Die Konzeptualisierung von Schüler*innenvorstellungen ist in den Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften divers. Anknüpfend an Baar et al. (2021) können diese u.a. verstanden werden als Vorstellungen, „die sich Kinder von der abstrakten und realen Welt machen“ (Baar et al. 2021, 6). Zwar liegen Studien zu Zukunftsvorstellungen von Grundschüler*innen (u.a. Fraij 2015; Zschach 2022) vor, allerdings kann im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung ein Forschungsdesiderat konstatiert werden (u.a. Appel 2024). Gerade das Konzept BNE ist mit dem Ziel verbunden Menschen zu befähigen sich an gesellschaftlichen Lern-, Verständigungs- und Gestaltungsprozessen für eine nachhaltige Entwicklung zu beteiligen (Rieckmann 2021). BNE ist auf Zukünfte bzw. zukünftiges Handeln ausgerichtet, da es u.a. ein auf Zukunft ausgerichtetes Denken und Handeln ermöglichen und unterstützen soll (MSB NRW 2019). In diesem Diskurs ist die Berücksichtigung der Perspektiven von Kindern auf Zukünfte von besonderer Bedeutung, da sie als zukünftige Akteur*innen in der Gesellschaft agieren und eigene bzw. gesellschaftliche Zukünfte gestalten werden. In der ersten Studie „ZukunftsPart“ im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung der BNE-Fokusschulen in Dortmund konnten 35 Grundschüler*innen zwischen August 2024 und März 2025 zu ihren Vorstellungen von einer guten Zukunft befragt werden. Um diese „zur Darstellung“ (Baar et al. 2021, 7) zu bringen, zeichneten die Schüler*innen ergänzend zu den verbalen Aussagen im Interview ihre Vorstellungen auf. An dieser Vorgehensweise anknüpfend wurden in einer zweite Studie im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung der BNE-Zukunftslandschaften in Nordrhein-Westfalen im November 2025 Kinderinterviews an sieben Grundschulen durchgeführt. Auch in dieser qualitativen Studie wurden insgesamt 40 Interviews mit Grundschulkindern zu ihren Vorstellungen von einer „guten Zukunft“ befragt, in denen sie ergänzend zeichneten. Die Auswertung der qualitativen Daten beider Studien erfolgt inhaltsanalytisch (Kuckartz & Rädicker 2022). Im Vortrag werden Ergebnisse beider Studien, vorgestellt und diese im Kontext des Konzeptes BNE interpretiert. Es zeigt sich, dass in den Sichtweisen der Kinder zu gesellschaftlichen Zukünften Themen wie Umweltzerstörung bzw. Krieg und Frieden von hoher Bedeutung sind. | ||
