Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Symposium 1.1
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Primarstufenlehrkräfte im Seiteneinstieg: Befunde aus dem FKS-Projekt zu Lerngelegenheiten, Kompetenzen und Belastungserleben Die Professionalisierung der Grundschullehrer:innenbildung wird derzeit durch den Lehrkräftemangel auf die Probe gestellt (Klemm & Zorn, 2018). Alternative Qualifizierungswege wie der Seiteneinstieg in Nordrhein-Westfalen (NRW; MSB, 2024) sollen eine Lösung bilden, um dem Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften auch kurzfristig zu begegnen. Aus Sicht der Grundschullehrer:innenbildung und Professionsforschung erscheinen dabei wissenschaftliche Erkenntnisse zentral, die Einblicke in die Lerngelegenheiten, den Kompetenzerwerb und das Belastungserleben von Primarstufenlehrkräften im Seiteneinstieg geben (Porsch et al., 2023; Verheggen & Puderbach, 2024). Empirische Befunde sind relevant für eine evidenzbasierte Qualitätsentwicklung der Grundschullehrer:innenbildung, eine Prüfung der Lehrer:innenbildung auf Wirksamkeit und eine empirische gestützte Theoriebildung zum Lehrkräfteberuf (Blömeke et al., 2010; Kaiser & König, 2019; König, 2025). Das Projekt „Fachlich kompetent im Seiteneinstieg“ (FKS) untersucht Primarstufenlehrkräfte im Seiteneinstieg in NRW in ihrer professionellen Entwicklung. Dabei durchlaufen Seiteneinsteiger:innen einen 24 Monate dauernden, berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst, den sie mit einer Staatsprüfung abschließen (Ordnung zur berufsbegleitenden Ausbildung von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern und der Staatsprüfung; OBAS). So wird eine Lehramtsbefähigung erworben, die dem entsprechenden Qualifizierungsweg einer grundständigen Lehramtsausbildung gleichgestellt ist (MSB, 2024). FKS zielt darauf, den Seiteneinstieg systematisch zu evaluieren und mit dem traditionellen Qualifizierungsweg über das Lehramtsstudium und den Vorbereitungsdienst zu vergleichen. Drei übergreifende Fragestellungen werden adressiert: Unterscheiden sich Seiteneinsteiger:innen in zentralen Kompetenzaspekten zu Beginn und im weiteren Verlauf des Vorbereitungsdiensts von Lehramtsanwärter:innen der grundständigen Ausbildung? Wie erleben lehramtsferne Absolvent:innen den Wechsel in die Schule mit Blick auf ihre persönliche Entwicklung? Wie erleben Seiteneinsteiger:innen die berufsbegleitende Ausbildung als Lerngelegenheit für den Lehrberuf? Als relevante Kompetenzfacetten werden in FKS das Fachwissen und das fachdidaktische Wissen in Deutsch und Mathematik sowie das pädagogische Wissen getestet. Als relevante Einflussfaktoren für die Kompetenzentwicklung werden berufsbiographische Aspekte, affektiv-motivationale Faktoren und wahrgenommene Lerngelegenheiten einbezogen. Es erfolgte eine Vollerhebung der angehenden Primarstufenlehrkräfte im Seiteneinstieg mit Dienstantritt im Mai 2024. Sie werden verglichen mit jener Kohorte grundständig ausgebildeter Primarstufenlehrkräfte, die zeitgleich mit ihnen ihre Staatsprüfung im Frühjahr 2026 ablegen. Für den Vergleich der grundständigen vs. nicht-grundständigen Ausbildung bzw. für eine Analyse von Kompetenzzuwächsen über die Ausbildungszeit erfolgt eine Testung/Befragung im Prä-Post-Design: Messzeitpunkt 1 im Herbst 2024 und Messzeitpunkt 2 im Frühjahr 2026 erfolgten für beide Qualifizierungswege gleich. Da die Seiteneinsteiger:innen sechs Monate zuvor starteten, nahmen sie zusätzlich mit Dienstantritt an einem Screening teil (Messzeitpunkt 0). Kompetenztestungen und Befragungen wurden mit Unterstützung der Zentren für schulpraktische Lehrkräftebildung in Präsenz durchgeführt. Das Symposium bietet aus verschiedenen Blickwinkeln erste empirische Befunde zu den FKS-Fragestellungen, basierend auf den Daten der Messzeitpunkte 0 und 1. Eingegangen wird auf pädagogisches Wissen (Beitrag 1) sowie fachliches und fachdidaktisches Wissen in Mathematik (Beitrag 2) und Deutsch (Beitrag 3). Zudem wird nach dem Belastungserleben gefragt (Beitrag 4). Eine Diskussion der im Symposium präsentierten Ergebnisse erfolgt durch die Diskutantin Prof. Dr. Raphaela Porsch. Beiträge des Symposiums Pädagogisches Wissen und Lerngelegenheiten angehender Lehrkräfte in der Primarstufe – ein Vergleich unterschiedlicher Qualifizierungswege Innerhalb ihrer universitären Lehramtsausbildung erwerben angehende Primarstufenlehrkräfte pädagogisches Wissen (Blömeke et al., 2010) als Grundlage professionellen Lehrkräftehandelns (Kaiser & König, 2019; Kleickmann & Anders, 2011). Bisherige Arbeiten zeigen, dass Seiteneinsteiger:innen im Vergleich zu traditionell ausgebildeten Lehramtsanwärter:innen über geringeres pädagogisches Wissen verfügen und weniger bildungswissenschaftliche Lerngelegenheiten durchlaufen (z. B. Kunina-Habenicht et al., 2013; Lucksnat et al., 2022). Zur Kompensation absolvieren Seiteneinsteiger:innen in NRW im ersten Ausbildungshalbjahr einen 40-stündigen Einführungskurs der Bildungswissenschaften. Folgende Forschungsfragen stehen im Fokus: 1. Unterscheiden sich Seiteneinsteiger:innen zu Beginn ihrer Ausbildung von Lehramtsanwärter:innen mit Blick auf pädagogisches Wissen und Lerngelegenheiten? 2. Sind diese Unterschiede auch nach Absolvieren des ersten Ausbildungshalbjahres im Seiteneinstieg nachweisbar? 3. Führt das erste Ausbildungshalbjahr im Seiteneinstieg zu einem Zuwachs in Wissen und Lerngelegenheiten? Der Vortrag fokussiert auf angehende Primarstufenlehrkräfte im FKS-Projekt, nämlich 478 Lehramtsanwärter:innen und 122 Seiteneinsteiger:innen. Die Seiteneinsteiger:innen wurden zu Beginn ihrer Ausbildung und nochmals nach dem ersten Halbjahr, zusammen mit den Lehramtsanwärter:innen zu Beginn ihres Vorbereitungsdiensts, befragt. Pädagogisches Wissen (König et al., 2011) wurde getestet sowie bildungswissenschaftliche und schulpraktische Lerngelegenheiten erfragt (König et al., 2017). Die Auswertung erfolgte durch multiple Regression und Latent-Change-Score-Modelle. Konsistent mit bisheriger Forschung (z. B. Kunina-Habenicht et al., 2013) zeigen Seiteneinsteiger:innen zu Beginn ihrer Ausbildung im Vergleich zu Lehramtsanwärter:innen signifikant niedrigeres pädagogisches Wissen (β=0,67, p<0,001) und weniger inhaltsbezogene pädagogische Lerngelegenheiten (β=0,35, p<0,01). Sie verfügen jedoch über mehr schulpraktische Erfahrungen (0,32≤β≤0,58, p<0,01), sodass spezifische Kenntnisse ggf. ohne universitäres Lehramtsstudium bereits vorliegen (z. B. Verheggen & Puderbach, 2024). Nach Absolvieren des ersten Halbjahres liegen keine Unterschiede in den pädagogischen Lerngelegenheit mehr vor, während Wissensunterschiede fortbestehen (β=0,68, p<0,001). Den Vorsprung schulpraktischer Erfahrungen können die Seiteneinsteiger:innen ausbauen (z. B. Unterrichtsplanungsaktivitäten: β=1,11, p<0,001). Längsschnittlich zeigt sich ein geringer, nicht signifikanter Zuwachs des Wissens (d=0,20, p=0,095) sowie signifikante positive Entwicklungen der Lerngelegenheiten (0,44≤d≤1,728, p<0,001), wobei sich Wissensveränderungen nicht durch Entwicklungen von Lerngelegenheiten erklären lassen. Zusammenfassend scheinen nebenberufliche Qualifizierungsmaßnahmen die umfassende pädagogische Lehramtsausbildung (z. B. Blömeke et al., 2010) nicht innerhalb kurzer Zeit auszugleichen. Implikationen, Limitationen und Perspektiven werden im Vortrag vertieft. Professionelles Wissen und Lerngelegenheiten angehender Lehrkräfte für den Mathematikunterricht in der Primarstufe – ein Vergleich unterschiedlicher Qualifizierungswege Nach der sechsmonatigen Eingangsphase werden in NRW Seiteneinsteiger:innen 18 Monate lang mit den Lehramtsanwärter:innen in gemeinsamen Fachseminaren ausgebildet, eines davon widmet sich anteilig dem Fach Mathematik. Hierbei sind mathematisches (mathematical content knowledge, MCK) sowie mathematikdidaktisches Wissen (mathematics pedagogical content knowledge, MPCK) ein entscheidender Teil der Lernausgangslage sowohl der Seiteneinsteiger:innen als auch der Lehramtsanwärter:innen (Doll et al., 2024). Bislang fallen empirische Befunde zum Vergleich professionellen Wissens in unterschiedlichen Qualifizierungswegen allerdings uneinheitlich aus. Während einzelne Studien vergleichbare Ausprägungen von MCK und MPCK zeigen (z. B. Lucksnat et al., 2022), verweisen andere auf Vorteile von Lehramtsanwärter:innen insbesondere im MPCK (z. B. Kleickmann & Anders, 2011). Um unterschiedlichen Ausgangslagen und der Heterogenität von angehenden Primarstufenlehrkräften gerecht zu werden, sind Lerngelegenheiten in der Lehrer:innenbildung entscheidend. In der Professionsforschung gelten sie als wichtiges Konzept zur Erklärung von Wissensständen und Wissensentwicklungen angehender Lehrkräfte (Blömeke et al., 2010; Blömeke & Kaiser, 2012; Schmidt, Blömeke, et al., 2011). Bisher zeigten sich häufig Unterschiede zwischen Seiteneinsteigener:innen und traditionell ausgebildeten Lehrkräften zugunsten letzterer (Matsko et al., 2022; Richter et al., 2019; Schmidt et al., 2020). Vor diesem Hintergrund ergeben sich zwei Forschungsfragen: 1. Unterscheiden sich Seiteneinsteiger:innen von Lehramtsanwärter:innen zu Beginn des gemeinsamen Lernens in Fachseminaren in Bezug auf ihr MCK und MPCK? 2. Inwieweit können Lerngelegenheiten die Unterschiede in MCK und MPCK zwischen den Qualifizierungswegen erklären? Aus dem FKS-Projekt werden zur Beantwortung dieser Fragen Daten von 354 Lehramtsanwärter:innen und 90 Seiteneinsteiger:innen genutzt (Messzeitpunkt 1, Herbst 2024). Gemeinsam wurden sie zu ihrem MCK und MPCK getestet (Döhrmann et al., 2010; Doll et al., 2024). Ihre bislang durchlaufenen inhaltsbezogenen Lerngelegenheiten wurden mithilfe angepasster TEDS-M-Instrumente (Schmidt, Cogan, et al., 2011), ihre bislang erfahrenen schulpraktischen Lerngelegenheiten basierend auf König et al. (2017) erfasst. Es erfolgten eindimensionale Rasch-Skalierungen der Tests sowie unabhängige t-Tests und multiple lineare Regressionen. Lehramtsanwärter:innen schnitten in MCK und MPCK deutlich besser ab als Seiteneinsteiger:innen (MCK: d=0,57; MPCK: d=0,82; jeweils p<0,001). Seiteneinsteiger:innen zeigten geringere inhaltsbezogene Lerngelegenheiten und mehr schulpraktische Lerngelegenheiten. Die Berücksichtigung inhaltsbezogener Lerngelegenheiten ging sowohl bei MCK als auch bei MPCK mit einer Verringerung des Gruppeneffekts einher. Schulpraktische Lerngelegenheiten zeigten keine bedeutsamen Verringerungen der Gruppeneffekte. Diese Wissensunterschiede können als ungünstigere Startbedingungen für die Seiteneinsteiger:innen interpretiert werden und werfen Fragen hinsichtlich der weiteren Professionalisierung auf (Kaiser & König, 2019). Mit Blick auf den Vorbereitungsdienst dürfte von Interesse sein, ob diese Ausgangsunterschiede im Wissen bis zum Messzeitpunkt 2 (Frühjahr 2026) ausgeglichen werden können und inwieweit beide Gruppen vergleichbar vom Vorbereitungsdienst als Lerngelegenheit profitieren. Professionelles Wissen und Lerngelegenheiten angehender Lehrkräfte für den Deutschunterricht in der Primarstufe – ein Vergleich unterschiedlicher Qualifizierungswege Im Kontext des Lehrkräftemangels kommt dem berufsbegleitenden Seiteneinstieg in das Grundschullehramt eine zentrale Bedeutung zu (MSB, 2024). Die empirische Befundlage zum professionellen Wissen in unterschiedlichen Qualifizierungswegen ist jedoch uneinheitlich: Während einzelne Studien vergleichbare Ausprägungen fachlichen Wissens (content knowledge, CK) und fachdidaktischen Wissens (pedagogical content knowledge, PCK) berichten (z. B. Lucksnat et al., 2022), finden andere Studien Vorteile traditionell ausgebildeter Lehramtsanwärter:innen, insbesondere im PCK (z. B. Kleickmann & Anders, 2011). Gleichzeitig ist die Relevanz professionellen Wissens für den Lernerfolg im Fach Deutsch über Ergebnisse aus der Orthographiedidaktik belegt: Demnach gehen sowohl CK als auch diagnostisch-methodisches PCK von Lehrkräften mit besseren Rechtschreibleistungen von Grundschüler:innen einher (Corvacho del Toro, 2013; Hofmann, 2008). Vor diesem Hintergrund werden folgende Fragestellungen fokussiert: 1. Unterscheiden sich Seiteneinsteiger:innen und Lehramtsanwärter:innen hinsichtlich CK und PCK im Fach Deutsch? 2. Inwieweit hängen fachbezogene akademische oder berufliche Vorerfahrungen der Seiteneinsteiger:innen mit Unterschieden hinsichtlich CK und PCK zusammen? 3. Inwieweit lassen sich Unterschiede in den Kompetenzständen durch Lerngelegenheiten vor Eintritt in den Vorbereitungsdienst erklären? Im Herbst 2024 wurden im FKS-Projekt mittels Wissenstests (König et al., 2022) CK und PCK im Fach Deutsch von 375 Lehramtsanwärter:innen und 99 Seiteneinsteiger:innen erhoben. Erfasst wurden zudem die bisherigen Lerngelegenheiten aller Teilnehmer:innen sowie akademische und berufliche Vorerfahrungen der Seiteneinsteiger:innen. Zum Erhebungszeitpunkt standen die Lehramtsanwärter:innen zu Beginn ihres 18-monatigen Vorbereitungsdienst, während die Seiteneinsteiger:innen sechs Monate zuvor starteten. Zur Prüfung von Fragestellung 1 wurden t-Tests für unabhängige Stichproben durchgeführt, während für Fragestellungen 2 und 3 lineare Regressionsmodelle spezifiziert wurden. Hinsichtlich Fragestellung 1 zeigen sich signifikante Wissensunterschiede zwischen Seiteneinsteiger:innen und Lehramtsanwärter:innen zugunsten letzterer. Im CK-Test erzielen Lehramtsanwärter:innen höhere Werte als Seiteneinsteiger:innen, wobei ein kleiner Effekt festzustellen ist (d=0,35; p<0,001). Im PCK-Test fällt der Unterschied deutlicher aus und entspricht einem moderaten Effekt (d=0,55; p<0,001). Die Analysen zu Fragestellung 2 und 3 werden derzeit durchgeführt, die vollständigen Ergebnisse liegen zur Tagung vor. Die bisherigen Befunde deuten darauf hin, dass Lehramtsanwärter:innen insbesondere im PCK höhere Kompetenzstände aufweisen. Möglicherweise wirkt sich ein Mangel an spezifischen Lerngelegenheiten im Vorfeld des Vorbereitungsdienstes für die Seiteneinsteiger:innen insbesondere im fachdidaktischen Bereich aus. Die weiteren Analysen zu Fragestellung 2 und 3 sollen klären, inwiefern Vorerfahrungen und Lerngelegenheiten von angehenden Lehrkräften mit dem Abschneiden im CK- und PCK-Wissenstest für das Fach Deutsch zusammenhängen. Aus den Ergebnissen könnten sich Anknüpfungspunkte zur Förderung des Professionswissen von Seiteneinsteiger:innen ergeben, etwa in Form von Begleitveranstaltungen der Deutschdidaktik zum Vorbereitungsdienst. Zum persönlichen Erleben angehender Lehrkräfte der Primarstufe im Seiteneinstieg: Beanspruchung, Wohlbefinden und lehrbezogene Selbstwirksamkeit In NRW treten Seiteneinsteiger:innen (MSB, 2024) bereits in der sechsmonatigen Eingangsphase ihre Unterrichtstätigkeit an und sehen sich damit von Beginn an sowohl mit den Anforderungen einer Berufstätigkeit mit hoher pädagogischer Verantwortlichkeit als auch mit der Notwendigkeit konfrontiert, ausreichende Grundlagenkenntnisse zu erwerben, um den Anforderungen der gemeinsamen Ausbildung mit den Lehramtsanwärter:innen gerecht zu werden. So könnte angenommen werden, dass dieser alternative Qualifizierungsweg besonders belastend ist – auch wenn empirische Befunde teils zeigen, dass sich die Belastung von Seiteneinsteiger:innen nicht zwingend von jener der traditionell ausgebildeten Lehrkräfte unterscheidet (z. B. Porsch et al., 2023). Trotz empirischer Befunde wird es aufgrund der Heterogenität alternativer Qualifizierungswege erschwert, valide Aussagen zur Beanspruchung in spezifischen Formaten ableiten zu können (Dedering, 2020), zumal es bereits Hinweise auf Unterschiede im Erleben abhängig vom Einstiegsformat gibt (Mußmann & Hartwig, 2024). Vor diesem Hintergrund ergibt sich der Bedarf, das Erleben im Seiteneinstieg ins Grundschullehramt differenziert zu untersuchen. Im Fokus stehen folgende Fragestellungen: 1. Führt die hohe Unterrichtsverpflichtung zeitgleich zur Ausbildung in der Eingangsphase dazu, dass die Beanspruchung im ersten Ausbildungsabschnitt ansteigt und das psychische Wohlbefinden sowie die lehrbezogene Selbstwirksamkeit abnehmen? 2. Welche Ressourcen (z. B. Persönlichkeit, allgemeine Selbstwirksamkeit, Berufswahlmotivation, mentorielle Unterstützung) können unterstützend für die Bewältigung der Herausforderungen im Seiteneinstieg wirken? Zur Beantwortung dieser Fragestellungen wurden im FKS-Projekt Seiteneinsteiger:innen ins Grundschullehramt, die sowohl am Screening (Dienstantritt Mai 2024) als auch an Messzeitpunkt 1 (Herbst 2024) teilnahmen (n = 91), einbezogen. Zur Prüfung von Fragestellung 1 wurden t-Tests für abhängige Stichproben und für Fragestellung 2 multiple lineare Regressionsanalysen durchgeführt. Die bisherigen Ergebnisse geben erste Einblicke in die Entwicklung zentraler Belastungsindikatoren. Wie erwartet zeigte sich im Verlauf der Eingangsphase ein signifikanter Anstieg der Beanspruchung bei gleichzeitiger Abnahme des Wohlbefindens. Die lehrbezogene Selbstwirksamkeit bleibt hingegen stabil auf einem insgesamt hohen Niveau. Analysen zur Fragestellung 2 werden derzeit durchgeführt, die Ergebnisse liegen bis zur Tagung vollständig vor. Diese Befunde lassen sich wie folgt einordnen: Die objektive Belastung durch den direkten Unterrichteinstieg parallel zur Ausbildung spiegelt sich im persönlichen Erleben der Seiteneinsteiger:innen wider, sodass sie sich in der Eingangsphase entsprechend stärker beansprucht fühlen. Zugleich weist die konstant hohe lehrbezogene Selbstwirksamkeit darauf hin, dass die Eingangsphase offenbar nicht in einem Maße überfordernd ist, welches grundlegende Zweifel an den eigenen Lehrfähigkeiten hervorruft. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach schützenden Faktoren besondere Bedeutung: Die Identifikation potenzieller Ressourcen (Fragestellung 2) soll aufzeigen, wie einem erhöhten Beanspruchungserleben gezielt vorgebeugt werden kann. | ||
