Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Round Table 5
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Die Vergleichskompetenz von Schülerinnen und Schülern im Sachunterricht (VerSuS) LMU München, Deutschland Das Promotionsvorhaben steht kurz vor der Finalisierung des Forschungsdesigns. Vergleichen gilt als eine zentrale, fächer- sowie schulartübergreifende Kompetenz von Schüler:innen (vgl. GDSU, 2013; Schreiber, 2005; Wellnitz & Mayer, 2013). Empirisch belegt ist, dass das Vergleichen eine kognitiv aktivierende Maßnahme darstellt (Lipowsky et al., 2019), die durch verschiedene Möglichkeiten konstruktiv unterstützt werden kann (Matlen et al., 2020; Oberfell et al., 2023). Jedoch mangelt es an wissenschaftlichen Untersuchungen, die die Kompetenz des Vergleichens selbst in den Fokus rücken und eine differenzierte Betrachtung ihrer Subprozesse ermöglichen. Ziel des Forschungsvorhabens ist deshalb, die Vergleichskompetenz von Grundschüler:innen zu erfassen und zu untersuchen, (1) wie Lernende in einer Vergleichssituation zu sachunterrichtlichen Inhalten vorgehen (2) wie die einzelnen Subprozesse der Vergleichskompetenz ausgestaltet sind und (3) in welchem Zusammenhang die Vergleichskompetenz und individuelle Lernvoraussetzungen stehen. Die Studie folgt einem Mixed-Methods-Design. Zur Datenerhebung wird ein bestehendes Erhebungsinstrument (Namy & Clepper, 2010) weiterentwickelt und in Einzelinterviews eingesetzt. Die gewonnenen Ergebnisse werden zunächst qualitativ inhaltsanalytisch (Kuckartz & Rädiker, 2024) ausgewertet und dann für weiterführende quantitative Analysen quantifiziert. Beratungsbedarf besteht vor allem beim methodischen Vorgehen der Quantifizierung und Auswertung. Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen durch digitale GFK-Interventionen im Vorschul- und frühen Grundschulalter: Eine empirische Untersuchung pädagogischer und entwicklungspsychologischer Dimensionen University of the Aegean, Griechenland Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen durch digitale GFK-Interventionen im Vorschul- und frühen Grundschulalter: Eine empirische Untersuchung pädagogischer und entwicklungspsychologischer Dimensionen Agapi Samlidou — B.A. Kindheitspädagogik (KSH München), M.A. Medienpädagogik (Universität Ägäis), Doktorandin (Universität Ägäis) PriQua-Tagung, 15.–16. September 2026, Universität zu Köln 1 · Gegenwärtiger Arbeitsstand Das Dissertationsvorhaben wurde durch Beschluss der Fakultätsversammlung der Universität der Ägäis offiziell angenommen. Prof. Emmanouil Fokidis wurde als Betreuer bestellt; eine Begleitkommission zur wissenschaftlichen Aufsicht wurde eingesetzt. Die Literaturrecherche in den Bereichen Gewaltfreie Kommunikation (GFK), sozial-emotionales Lernen (SEL), Medienpädagogik und Entwicklungspsychologie der frühen Kindheit ist abgeschlossen. Das Forschungsdesign wurde methodisch konkretisiert, und die konzeptionellen Grundlagen der digitalen Interventionsinstrumente — einer GFK-Lernapplikation sowie einer Lehrenden-Plattform — wurden ausgearbeitet. Ausstehend sind die Zweitbetreuungsvereinbarung an der KSH München, das Ethikvotum sowie Kooperationsvereinbarungen mit Einrichtungen im Großraum München. Datenerhebung und -auswertung sind für 2027–2029 geplant. Das Vorhaben baut unmittelbar auf der Pilotstudie der Masterarbeit (Universität Ägäis, 2026) als empirischem Machbarkeits- und Bedarfsnachweis auf. 2 · Theoretischer Hintergrund Der UNICEF-Deutschland-Bericht 2025 dokumentiert einen signifikanten Rückgang des psychosozialen Wohlbefindens bei Kindern: Gewaltdelinquenz unter 14 Jahren erreichte ein 15-Jahres-Hoch (281 Fälle/100.000), 32 % der 15-jährigen Mädchen berichten regelmäßige Einsamkeit; Deutschland liegt beim psychosozialen Wohlbefinden deutlich hinter Norwegen, Finnland und der Schweiz. Die GFK nach Rosenberg (2003) strukturiert sich über vier Elemente: Beobachtung ohne Bewertung, Benennung von Gefühlen, Anerkennung von Bedürfnissen und Formulierung konkreter Bitten. Für Kinder entwickelte Rosenberg die Giraffensprache — eine kindgerechte Metapher für Empathie und gewaltfreies Miteinander im Kontrast zur Wolfssprache der Urteile, didaktisch zugänglich ab vier Jahren. Shonkoff und Phillips (2000) sowie Siegel (2012) belegen neuropsychologisch, dass grundlegende Kommunikations- und Konfliktmuster in sensiblen Phasen der frühen Kindheit neuronal verankert werden. Die SEL-Metaanalyse von Durlak et al. (2011) zeigt: Universelle SEL-Programme erzielen Effektgrößen von d = 0,57, reduzieren Problemverhalten um 9 % und verbessern Schulleistungen um bis zu 11 Prozentpunkte. Das Vorhaben gründet auf fünf theoretischen Bezugsrahmen: GFK (Rosenberg), CASEL-SEL-Rahmenwerk (2020), entwicklungsneurowissenschaftliche Befunde, TPACK-Modell (Mishra & Koehler, 2006) und Gamification-Theorie (Deterding et al., 2011). Im deutschsprachigen Raum fehlt bislang eine empirisch evaluierte, digital gestützte Implementierung solcher Konzepte in der Früherziehung — diese Forschungslücke schließt das Projekt. 3 · Fragestellung und Ziele Zentrale Frage: Inwieweit beeinflusst der Einsatz digitaler Medien bei der GFK-Vermittlung die pädagogischen Einstellungen von Lehrkräften sowie die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern (4–7 Jahre)? Teilfragestellungen fokussieren auf Lehrkräfte-Selbstwirksamkeit, Prä-Post-Gruppenvergleiche, kindliche GFK-Einstellungen, Usability der Werkzeuge und altersbezogene Wirksamkeitsunterschiede. Übergeordnete Ziele: (1) Wirksamkeitsprüfung technologiegestützter GFK-Interventionen mittels Experimental-/Kontrollgruppenvergleich, (2) Entwicklung praxistauglicher digitaler Werkzeuge für Lehrkräfte und (3) Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit durch skalierbare, sozioökonomisch niedrigschwellige SEL-Angebote. 4 · Design und Methode Sequenzielles Mixed-Methods-Design: Experimentalgruppe (GFK mit digitalen Medien) vs. Kontrollgruppe (analoge GFK ohne Technologie). Angestrebte Stichprobe: N = 120–160 Kinder (4–7 Jahre) aus Münchner Kindergärten und Grundschulklasse 1, geschichtet nach Altersgruppe; Umfang wird per a-priori-Poweranalyse bestimmt. Digitale Werkzeuge: spielbasierte App (Gefühlserkennung, Bedürfnisidentifikation, aktives Zuhören in Giraffensprache) und Lehrkräfte-Website (Unterrichtseinheiten, methodische Leitfäden, adaptives Begleitmaterial). Intervention: ein Schuljahr, wöchentlich 60 Minuten. Instrumente: standardisierte SEL-Skalen, Lehrkräfte-Fragebögen (Pre/Post/Follow-up nach 6 Monaten), halbstrukturierte Interviews, Videoanalysen, Usability-Fragebögen. Auswertung quantitativ (Varianzanalysen, GEE) und qualitativ (thematische Analyse nach Braun & Clarke, 2006) mit abschließender Triangulation. 5 · Pilotstudie als empirische Basis Eigene Datenerhebung im Dissertationsprojekt steht noch aus. Empirische Grundlage ist die Pilotstudie der Masterarbeit (2026): Einzelgruppen-Prä-Post-Design, N = 84 Kinder (5–7 Jahre), 67 Eltern, 8 wöchentliche Einheiten à 60 Minuten. GEE-Analysen zeigten signifikante Verbesserungen in emotionaler Bewusstheit (p < .001), Selbstregulation (p < .01), Empathie (p < .001), Beziehungskompetenzen (p < .001) und Konfliktlösungsstrategien (p < .05). Elternratings bestätigten Fortschritte in emotionaler Intelligenz, sozialen Fertigkeiten und Selbstregulation sowie eine gestiegene Bereitschaft, GFK im häuslichen Alltag anzuwenden. Kinderinterviews zeigten Internalisierung der Giraffensprache und wachsendes Bewusstsein für Gefühle und Bedürfnisse. Limitationen: fehlendes Kontrollgruppendesign und begrenzte Stichprobe — beides adressiert das Dissertationsprojekt systematisch. 6 · Beratungsbedarf Im Rahmen der PriQua-Tagung wird kollegiale Expertise erbeten zu: (1) Stichprobengewinnung im frühkindlichen Bereich (Poweranalyse, Schichtung, Feldzugang), (2) altersgerechten SEL-Messinstrumenten für 4–7-Jährige im deutschsprachigen Raum, (3) Operationalisierung von Lehrkräfte-Einstellungen als Mediatorvariablen, (4) DSGVO-konformer ethischer Absicherung der Videodatenerhebung mit Vorschulkindern sowie (5) Erfahrungen mit sequenziellen Mixed-Methods-Designs und Triangulationsstrategien in der Früh- und Grundschulpädagogikforschung. Förderung & Messung informatischer Kompetenzen in den Klassenstufen 1 & 2 LuFG Didaktik der Informatik, RWTH Aachen, Deutschland Motivation & Ausgangslage: Der Erwerb informatischer Grundkompetenzen ist mittlerweile als Aufgabe aller Schulformen und damit auch der Grundschule anerkannt (KMK, 2024; SWK, 2022). Kompetenzerwartungen wurden von der Gesellschaft der Informatik e. V. (Gesellschaft für Informatik e.V., 2019) wie auch der Stiftung Kinder forschen (Bergner et al., 2018) formuliert und finden sich bereits in den Lehrplänen acht deutscher Bundesländer, insbesondere im Sachunterricht (Nenner & Bergner, 2022). Erste Konzepte und Materialien wurden (meist ab Klassenstufe 3) entwickelt und pilotiert (u.a. im Projekt „Informatik an Grundschulen“ von Humbert et al., 2019). Gleichzeitig wird die empirische Evidenz zum Aufbau informatischer Kompetenzen in der Primarstufe als lückenhaft beschrieben (Martschinke et al., 2021). Ziel: Um diese Bildungs- und Forschungslücke zu adressieren, müssen zwei Herausforderungen gemeistert werden: (1) Entwicklung und Erprobung von Konzepten und Lehr-Lern-Materialen für Grundschulkinder (Fokus auf Klassenstufe 1 und 2) und (2) Schaffung eines zielgruppengerechten Messinstruments zum informatischen Kompetenzzuwachs (Ocampo et al., 2024). Lösungsansatz: Zur Adressierung der Herausforderung (1) werden acht 90-minütige Lerneinheiten zur informatischen Bildung zum Thema „Digitale Welt entdecken“ für die Klassenstufen 1 und 2 entwickelt, pilotiert und nach dem Design-Based-Research-Ansatz forschungsbasiert (und im Austausch mit Grundschullehrkräften sowie Informatikdidaktiker:innen) verbessert (Schmiedebach & Wegner, 2021). Dabei werden insbesondere die Themengebiete Algorithmen, Codierung sowie Informatiksysteme und ihre Vernetzung thematisiert. Alle Lehr-Lern-Materialien werden als Open Educational Resources veröffentlicht. Zur Adressierung der Herausforderung (2) wird ein quantitatives Messinstrument MiKA („Messung informatischer Kompetenzen im frühen Alter“) entwickelt, mit welchem in einem Pre-Post-Design der informatische Kompetenzzuwachs durch die Lerneinheiten „Digitale Welt entdecken“ gemessen werden soll. Aktueller Forschungsstand: Der erste DBR-Zyklus ist abgeschlossen. Das Lernkonzept "Digitale Welt entdecken" wurde bereits mit 5 Lerngruppen als AG im Nachmittag pilotiert (ingesamt n = 65). Die erste Version der Lernmaterialien als Open Educational Resources liegt vor. Im nächsten Zyklus sollen diese in Feedbackgesprächen mit Grundschullehrkräften überarbeitet werden. Das Messinstrument MiKA hat sich über die verschiedenen Pilotierungen weiterentwickelt. Es wurden Think-Aloud-Interviews mit Grundschulkindern sowie Feedbackgespräche mit Expert:innen aus der Informatik- und Grundschuldidaktik geführt und die Ergebnisse in die neueste Testversion eingearbeitet. Erste Pre-Post-Ergebnisse liegen vor. Zum Oktober 2026 soll das Messinstrument für alle künftigen Durchführungen finalisiert sein. Mögliche Diskussionen für die PriQua-Tagung: - Feedback zum Messinstrument MiKA - Methodische Herangehensweisen um Lernkonzept und Lernmaterialien zu optimieren - Kontrollgruppendesign - Umsetzung des Design-Based-Research-Ansatzes am Lernkonzept | |
