Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Round Table 3
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Wer hat, dem wird gegeben? Zusammenhänge der Leistungseinschätzungen von Lehrkräften mit ihrem Interaktionsverhalten im Grundschulunterricht Universität Kassel, Deutschland Arbeitsstand Das Projekt befindet sich in der Entwicklungs- und Planungsphase. Aktuell wird ein Kodiermanual entwickelt und erprobt. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand Die Interaktion zwischen Lehrkräften und Schüler:innen ist ein Prozess, über den Lernen im Unterricht stattfindet und Leistungsungleichheiten verstärkt oder reduziert werden können (Peterson et al., 2016). Lehrkrafterwartungen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie sich in differenziellem Verhalten von Lehrkräften widerspiegeln und Motivation, Selbstkonzept und Leistung von Schüler:innen beeinflussen können (Brophy & Good, 1976). Rosenthal (1974) systematisierte vier Verhaltensdimensionen, über die Erwartungseffekte im Unterricht wirksam werden. Als leistungsstark eingeschätzte Schüler:innen erhalten demnach häufig ein wärmeres sozio-emotionales Klima, elaborierteres Feedback, anspruchsvolleren Input sowie mehr Gelegenheiten zur Beteiligung (Harris & Rosenthal, 1985). Besonders affektive und nonverbale Verhaltensweisen vermitteln Erwartungen dabei unbewusst, selbst wenn Lehrkräfte diese zu unterdrücken versuchen (Babad, 1993). Schüler:innen nehmen das Verhalten der Lehrkraft wahr, internalisieren es und passen ihr eigenes Verhalten entsprechend an. Alternativ können sie diesen Einflüssen auch entgegenwirken, sofern ein stabiles Selbstkonzept vorliegt (Jussim & Harber, 2005). Die Befundlage ist jedoch inkonsistent. Einige Studien zeigen, dass Lehrkräfte leistungsstärkere Schüler:innen bevorzugt als Interaktionspartner:innen wählen (Lipowsky et al., 2007), während andere häufigere Interaktionen mit leistungsschwächeren Schüler:innen berichten, um deren Unterrichtsanschluss zu sichern (Denessen et al., 2020). Fachspezifische Vergleiche fehlen bislang weitgehend, obwohl Erwartungseffekte in Mathematik empirisch stärker ausgeprägt zu sein scheinen als in sprachlichen Fächern (Hollenstein et al., 2024; Rubie-Davies et al., 2015). Fragestellung und Ziele der Untersuchung Daraus ergeben sich folgende Forschungsfragen: 1. Inwiefern unterscheiden sich dyadische Interaktionen zwischen Lehrkräften und leis-tungsstärker bzw. leistungsschwächer eingeschätzten Schüler:innen? 2. Welche Verhaltensweisen zeigen Lehrkräfte und Schüler:innen in diesen Interaktionen? 3. Welche Unterschiede zeigen sich in diesen Interaktionen zwischen dem Mathematik- und dem Rechtschreibunterricht? Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern Leistungseinschätzungen mit dem Interaktionsverhalten von Lehrkräften und Schüler:innen zusammenhängen und welche fachspezifischen Lerngelegenheiten entstehen. Design und Methode Die Analyse basiert auf der INTERFACH-Videostudie und folgt einem quantitativen Design. Es werden dyadische Interaktionen im Mathematik- und Rechtschreibunterricht in dritten Klassen zwischen der Lehrkraft und leistungsstark bzw. leistungsschwach eingeschätzten Schüler:innen untersucht. Die Stichprobe basiert auf einem Extremgruppendesign mit vorab erhobenen Leistungseinschätzungen. Die Interaktionen werden mittels deduktiv-induktiven Kodierens analysiert, wobei neben strukturellen Merkmalen wie Häufigkeit und Dauer auch kontex-tuelle Aspekte wie Initiierung(sversuche), Meldedichte, körperliche Nähe und Lehrkraftimpulse kodiert werden. Der fächerübergreifende Vergleich ermöglicht die Untersuchung fachspezifischer Unterschiede im Interaktionsverhalten. Aktueller Stand der Datenauswertung Das Kodiermanual wird derzeit entwickelt und erprobt. Erste Kodierungen befinden sich in der Pilotierungsphase. Beratungsbedarf Beratungsbedarf besteht hinsichtlich der Weiterentwicklung des Kodiermanuals, der Auswertungsstrategie, sowie der Interpretation fachspezifischer Unterschiede zwischen dem Mathematik- und Rechtschreibunterricht. Erwartungen von Lehrpersonen und deren Auswirkungen auf Feedback-Interaktionen im Unterricht der Grundschule – Eine Videostudie Pädagogische Hochschule Freiburg, Deutschland Die Datenerhebung (Unterrichtsvideografie, 20x45‘) ist abgeschlossen. Feedback-Interaktionen zw. Lehrpersonen und Schüler:innen bieten besonders in Phasen selbstständigen, schüler:innenzentrierten Lernens die Chance, individuelles Lernen zu fördern, sind aber sehr anspruchsvoll (Lipowsky & Lotz 2015). Oft bleiben Rückmeldungen von Lehrpersonen oberflächlich (z.B. „richtig/falsch“), ohne Denk- und Lernprozesse der Schüler:innen vertieft aufzugreifen (Buholzer et al. 2020). Untersucht wird, welche Feedback-Interaktionen zw. Lehrpersonen und Schüler:innen in Lern- und Arbeitsphasen sichtbar sind und inwiefern diese von den Erwartungen der Lehrpersonen beeinflusst werden. Die mixed-methods-Studie kombiniert niedrig-inferentes und hoch-inferentes Rating (Hess et al. 2019) mit qualitativer Auswertung ausgewählter Interaktionen mittels Grounded Theory (Glaser & Strauss 2008; Strübing 2021). Bei 5 Lehrpersonen wurden je 4 Sachunterrichtsstunden (Kl. 2–4) videografiert (20x45‘). Zudem erfassen Fragebögen die Leistungserwartungen der Lehrpersonen. In der Pilotierung (45‘) zeigte sich eine hohe Interaktionsdichte, die die geringe Feedbackqualität mitbedingen könnte: Zu viele Aufgaben laufen simultan ab (Sweller 1994). Aktuell (04/2026) erfolgen Transkription und erste Kodierung zur Systematisierung des empirischen Materials. Geplant ist, Transkriptausschnitte zur kommunikativen bzw. kollegialen Validierung einzubringen und die Trennschärfe der bisher entwickelten Kategorien zu überprüfen. | |
