Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Round Table 2
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Schüler*innenfragen am Schultisch: Eine vergleichende Analyse peer-interaktiver Aufgabenbearbeitungen im Deutsch- und Mathematikunterricht der Grundschule Universität Kassel, Deutschland 1. Gegenwärtiger Arbeitsstand des Forschungsvorhabens Das Promotionsvorhaben befindet sich aktuell in der Phase der Datenauswahl, Transkription und Analyse. Die Datengrundlage bildet die INTERFACH-Videostudie mit videografierten Unterrichtssequenzen aus dem Deutsch- und Mathematikunterricht einer dritten Jahrgangsstufe. Derzeit werden geeignete Sequenzen identifiziert, in denen fachbezogene Schüler*innenfragen in Phasen der peer-interaktiven Aufgabenbearbeitung auftreten. Erste Transkriptionen nach den GAT2-Konventionen Seltings liegen vor und drei Sequenzen wurden bereits mikroanalytisch ausgewertet. 2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand Im wissenschaftlichen Diskurs ist die Signifikanz von Schüler*innenfragen für die Anbahnung von Lern- und Bildungsprozessen unumstritten (vgl. u.a. Ritz-Fröhlich 1992, Brinkmann 2019, Miller et al. 2025). Dennoch zeigen empirische Studien, dass Schüler*innenfragen im klassenöffentlichen Grundschulunterricht aufgrund der vorherrschenden Interaktionsstrukturen nur selten auftreten und oftmals sogar verhindert werden (vgl. Pallesen & Hörnlein, 2019, S. 15). Dillon (2004, S. 12) bezeichnet Schüler*innenfragen daher als „exceptional events“ und Wenzl (2014, S. 23) als „außergewöhnliche Interaktionen“. In der aktuellen grundschulbezogenen Forschungsliteratur beziehen sich jedoch nur wenige Studien auf das Frageverhalten von Schüler*innen außerhalb des lehrendenzentrierten Unterrichts, insbesondere in Phasen der peer-interaktiven Aufgabenbearbeitung. Kronenberger und Souvignier (2005) zeigen auf, dass bereits Drittklässler*innen im Rahmen des kooperativen Lernens Fragen stellen, mit denen sie gezielt Erklärungen ihrer Mitschüler*innen einfordern. Auch Bleck und Lipowsky (2022) betonen die Bedeutung von Schüler*innenfragen für lernwirksame Interaktionen im Rahmen des kooperativen Lernens. Sie weisen darauf hin, dass Fragen vor allem dann einen Beitrag zur fachlichen Auseinandersetzung leisten, wenn sie ein „transaktives Interaktionsverhalten“ auslösen. Damit sind Interaktionen gemeint, in denen Lernende aufeinander Bezug nehmen, Beiträge hinterfragen, aufgreifen oder weiterentwickeln. Insgesamt ist der Forschungsstand bisher jedoch überschaubar und es bleibt offen, wie fachbezogene Schüler*innenfragen während Arbeitsphasen am Schultisch interaktiv eingebettet sind und unter welchen Bedingungen sie zu Anlässen fachlicher Aushandlungen werden. 3. Forschungsfragen und Ziele der Untersuchung Aufgrund des aufgezeigten Forschungsdesiderats richtet sich die zentrale Frage der Analyse darauf, wie durch fachbezogene Schüler*innenfragen in Phasen der peer-interaktiven Aufgabenbearbeitung Lerngelegenheiten entstehen (können) und welche Bedingungen sich dafür als besonders förderlich erweisen. Mit fachbezogenen Schüler*innenfragen sind jene Fragen gemeint, die sich auf die inhaltlich-fachliche Dimension schulischen Unterrichts beziehen und mit denen Schüler*innen unterrichtliche Gegenstände problematisieren. Folgende Teilfragen dienen der vorläufigen Konkretisierung: • Worauf beziehen sich Schüler*innenfragen am Schultisch? • Wie reagieren Mitschüler*innen auf die Fragen? • Welche Funktionen erfüllen die Fragen im Bearbeitungsprozess? Durch die Beantwortung dieser Forschungsfragen soll ein Beitrag zur theoretischen und praktischen Weiterentwicklung des Grundschulunterrichts geleistet werden. Ziel ist es, von Schüler*innenfragen ausgehende Lernprozesse im Deutsch- und Mathematikunterricht empirisch zu erschließen, theoretisch zu erklären und die Erkenntnisse für didaktische Umsetzungen nutzbar zu machen. Eine vergleichende Analyse der Schüler*innenfragen soll dazu beitragen, fachspezifische Besonderheiten und allgemeine Prinzipien des Lernens herauszuarbeiten. 4. Design/Methode Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden die Unterrichtseinheiten aus der INTER-FACH-Videostudie herangezogen. Diese umfasst Videografien von je einer Doppelstunde in Deutsch und Mathematik im dritten Schuljahr in insgesamt 20 Klassen. Die Daten wurden mittels Multi-Kamera-Strategie erhoben, sodass neben der Perspektive der Lehrpersonen auch die der Schüler*innen durch Actionkameras an den Tischen erfasst wurde. Von besonderem Interesse sind für das Forschungsprojekt ebenjene Actionkameras, da sie unmittelbare Einblicke in die Interaktionen und Fragen der Schüler*innen am Schultisch gewähren. Zur Auswertung wird die ethnomethodologische Konversationsanalyse angewandt. Es handelt sich dabei um ein qualitatives, mikroanalytisches Verfahren zur Beschreibung sozialer Interaktionen und es dient dazu, ein Interaktionsgeschehen „from within“ (Garfinkel, 1967, S. 2) zu beschreiben. Das bedeutet, dass die Methode darauf abzielt, soziale Formen und Prozesse in ihrer inneren Logik zu erfassen und als sich selbst organisierende, reproduzierende und explizierende Strukturen zu untersuchen (vgl. Bergmann, 1994). 5. Stand der Datenauswertung Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass fachbezogene Schüler*innenfragen im Vergleich zum klassenöffentlichen Unterricht in Phasen der peer-interaktiven Aufgabenbearbeitung keine Ausnahme darstellen, sondern – ganz im Gegenteil – als ein wesentlicher Bestandteil der Aufgabenbearbeitung betrachtet werden können. Aus den bisherigen Analysen geht hervor, dass dabei das Aufgabenformat eine zentrale Rolle spielt und die Interaktion der Schüler*innen maßgeblich beeinflusst. 6. Beratungsbedarf Es besteht ein Beratungsbedarf vor allem hinsichtlich der Vergleichbarkeit der Unterrichtsfächer Deutsch und Mathematik, der Rolle des Aufgabenformats für das Auftreten von Schüler*innenfragen sowie der Generalisierbarkeit der bisherigen Befunde. Auch die Frage, wie Lerngelegenheiten analytisch trennscharf bestimmt werden können, bedarf weiterer Klärung. Kinderfragen im Fokus Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Deutschland Durch Fragen erschließen sich Kinder die Welt. Im Unterricht sehen sich Lehrende daher teils mit unerwarteten und anspruchsvollen Kinderfragen konfrontiert, die spontan fachliche, didaktische und organisatorische Entscheidungen erfordern. Dabei greifen sie auf unterschiedliche Reaktionsweisen zurück, wobei sich Unterschiede in Abhängigkeit von der Berufserfahrung zeigen (Ruesch Schweizer & Knapp 2026). Zugleich erfordert ein produktiver Umgang mit Kinderfragen sowohl Offenheit und zeitliche Flexibilität als auch eine frageförderliche Lernumgebung (Chin & Osborne 2008; Brinkmann 2019). Die Studie „Kinderfragen im Fokus“ ist an der Schnittstelle von Lehr-Lernforschung (Reinmann & Mandl 2006) und Professionalisierungsforschung (Helsper 2014) verortet. Sie untersucht, wie Lehrende über didaktische Herausforderungen, Unterrichtsplanung oder Reaktionen auf konkrete Fragen von Kindern diskutieren. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für Entscheidungsgrundlagen unterrichtlichen Handelns zu entwickeln. Hierzu werden ab Herbst ´26 zwei professionelle Lerngemeinschaften (Kansteiner & Welther 2025) über einen Zeitraum von sechs bis acht Monaten videografiert. Die Daten sollen auf Grundlage der Grounded Theory ausgewertet werden (Strauss & Corbin 1996). Im Round Table sollen aktuelle Fragen zur Datenerhebung (z.B. zur Rolle der Forscherin oder zur Offenheit des Forschungssettings) sowie zur Datenaufbereitung diskutiert werden. Videografierte Unterrichtsinteraktionen zum Thema KI in der Grundschule – eine Analyse der Aufgabenkultur TU Chemnitz, Deutschland Meine Promotion, verortet in Unterrichtsqualitätsforschung und KI-Bildung, befindet sich in einer frühen Phase. Als Datengrundlage dienen bereits erhobene Unterrichtsvideos aus der Studie „Inklusive Unterrichtsentwicklung mit der UNIKlasse“ (Lange & Görel, 2026/i.D.). In der Unterrichtsqualitätsforschung ist Aufgabenkultur im analytisch-deskriptiven Sinne, als Einführung, Bearbeitung und Besprechung von Aufgaben, ein zentrales Merkmal qualitätsvoller Lehr- und Lernprozesse (Bohl & Kleinknecht, 2009; Kleinknecht, 2019). KI stellt als neuartiger Lerngegenstand (Scheiter et al., 2025) besondere Anforderungen an die didaktische Ausgestaltung in der Grundschule. Wie eine Aufgabenkultur zu Unterricht über und mit KI in der Grundschule realisiert wird, ist bislang kaum erforscht. Videodaten gelten als geeignete Analysezugänge für Unterricht (Seidel & Thiel, 2017; Reusser & Pauli, 2021). Ziel der Promotion ist die Analyse der Merkmale einer Aufgabenkultur zum Lerngegenstand ‚KI‘ im Unterricht angehender Lehrkräfte hinsichtlich der didaktischen Rahmung und Unterrichtsinteraktionen. Datenbasis sind videografierte Unterrichtsstunden (N = 27) mit angehenden Lehrkräften aus der UNIKlasse Chemnitz. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2024) mit INTERACT. Ich bin nun dabei, meine Forschungsfragen zu präzisieren und eine Datenauswertungsstrategie zu erarbeiten. Zu diesen Schritten und der Operationalisierung von Aufgabenkultur besteht Beratungsbedarf. | |
