Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Datum: Dienstag, 15.09.2026 | |
| 11:30 - 12:00 | Ankommen und Get-together Ort: Foyer neues Seminargebäude 106 |
| 12:00 - 12:30 | Begrüßung und Eröffnung der PriQua-Tagung Ort: Tagungsraum (neues Seminargebäude 106) |
| 12:30 - 13:30 | Keynote Prof. Dr. Becker Genschow: "Niemals krank, rund um die Uhr erreichbar, verfügt über das gesamte Weltwissen – Ist ein KI-Chatbot die bessere Lehrkraft? Über Potenziale und Risiken von KI-Anwendungen für Schule & Bildung" Ort: Tagungsraum (neues Seminargebäude 106) |
| 13:30 - 14:00 | Pause und Raumwechsel |
| 14:00 - 18:00 | Round Table 1 Ort: Seminarraum S15 Chair der Sitzung: Prof. Dr. Katrin Velten |
|
|
Interviewstudie mit Kindern zu Lernerfahrungen im FREI DAY Universität Paderborn, Deutschland Zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich Konzeption und Planung des Forschungsvorhabens im Entwicklungsprozess. Entsprechend werden Forschungsfrage, Methodik und Stichprobe fortlaufend präzisiert, sodass sich einzelne Aspekte bis zur Tagung noch verändern können. Die globale Dringlichkeit nachhaltiger Entwicklung erfordert umfassende Bildungsansätze, um Individuen zu befähigen, eine nachhaltige Zukunft aktiv mitzugestalten. Für die Schule bedeutet dies, dass über die reine Wissensvermittlung hinaus die Entwicklung von Zukunfts- und Gestaltungskompetenzen fokussiert werden muss (Rolff, 2025). Das offene Lernformat FREI DAY (Rasfeld, 2021) setzt hier an, indem es Selbstwirksamkeitserfahrungen, Verantwortungsübernahme und zukunftsorientiertes Handeln unterstützen soll (vgl. Schule im Aufbruch gGmbH, o. J.). Inwiefern Grundschüler:innen die eigene Entwicklung von Zukunfts- und Gestaltungskompetenzen wahrnehmen, soll im geplanten Forschungsvorhaben näher untersucht werden. Dazu wird folgender Fragestellung nachgegangen: Welche Lernprozesse finden beim FREI DAY aus Sicht der Schüler:innen statt? Zur Beantwortung dieser Frage ist der Einsatz qualitativer Erhebungsmethoden vorgesehen, daher werden aktuell verschiedene Interviewformen recherchiert und diskutiert. Als möglicher methodischer Zugang zur Gestaltung kindgerechter Gesprächsanlässe wird der Mosaic Approach (Clark, 2017) in Betracht gezogen. Bei weiterer Verfolgung dieser Überlegungen soll im Rahmen der PriQua Tagung diskutiert werden, welche Chancen und Herausforderungen bei Interviews mit Kindern sowie der Methode des Mosaic Approaches vorliegen. Kinderfragen im Fokus Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Deutschland Durch Fragen erschließen sich Kinder die Welt. Im Unterricht sehen sich Lehrende daher teils mit unerwarteten und anspruchsvollen Kinderfragen konfrontiert, die spontan fachliche, didaktische und organisatorische Entscheidungen erfordern. Dabei greifen sie auf unterschiedliche Reaktionsweisen zurück, wobei sich Unterschiede in Abhängigkeit von der Berufserfahrung zeigen (Ruesch Schweizer & Knapp 2026). Zugleich erfordert ein produktiver Umgang mit Kinderfragen sowohl Offenheit und zeitliche Flexibilität als auch eine frageförderliche Lernumgebung (Chin & Osborne 2008; Brinkmann 2019). Die Studie „Kinderfragen im Fokus“ ist an der Schnittstelle von Lehr-Lernforschung (Reinmann & Mandl 2006) und Professionalisierungsforschung (Helsper 2014) verortet. Sie untersucht, wie Lehrende über didaktische Herausforderungen, Unterrichtsplanung oder Reaktionen auf konkrete Fragen von Kindern diskutieren. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für Entscheidungsgrundlagen unterrichtlichen Handelns zu entwickeln. Hierzu werden ab Herbst ´26 zwei professionelle Lerngemeinschaften (Kansteiner & Welther 2025) über einen Zeitraum von sechs bis acht Monaten videografiert. Die Daten sollen auf Grundlage der Grounded Theory ausgewertet werden (Strauss & Corbin 1996). Im Round Table sollen aktuelle Fragen zur Datenerhebung (z.B. zur Rolle der Forscherin oder zur Offenheit des Forschungssettings) sowie zur Datenaufbereitung diskutiert werden. |
| 14:00 - 18:00 | Round Table 2 Ort: Seminarraum S14 Chair der Sitzung: Prof. Dr. Birgit Hüpping |
|
|
Schüler*innenfragen am Schultisch: Eine vergleichende Analyse peer-interaktiver Aufgabenbearbeitungen im Deutsch- und Mathematikunterricht der Grundschule Universität Kassel, Deutschland 1. Gegenwärtiger Arbeitsstand des Forschungsvorhabens Das Promotionsvorhaben befindet sich aktuell in der Phase der Datenauswahl, Transkription und Analyse. Die Datengrundlage bildet die INTERFACH-Videostudie mit videografierten Unterrichtssequenzen aus dem Deutsch- und Mathematikunterricht einer dritten Jahrgangsstufe. Derzeit werden geeignete Sequenzen identifiziert, in denen fachbezogene Schüler*innenfragen in Phasen der peer-interaktiven Aufgabenbearbeitung auftreten. Erste Transkriptionen nach den GAT2-Konventionen Seltings liegen vor und drei Sequenzen wurden bereits mikroanalytisch ausgewertet. 2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand Im wissenschaftlichen Diskurs ist die Signifikanz von Schüler*innenfragen für die Anbahnung von Lern- und Bildungsprozessen unumstritten (vgl. u.a. Ritz-Fröhlich 1992, Brinkmann 2019, Miller et al. 2025). Dennoch zeigen empirische Studien, dass Schüler*innenfragen im klassenöffentlichen Grundschulunterricht aufgrund der vorherrschenden Interaktionsstrukturen nur selten auftreten und oftmals sogar verhindert werden (vgl. Pallesen & Hörnlein, 2019, S. 15). Dillon (2004, S. 12) bezeichnet Schüler*innenfragen daher als „exceptional events“ und Wenzl (2014, S. 23) als „außergewöhnliche Interaktionen“. In der aktuellen grundschulbezogenen Forschungsliteratur beziehen sich jedoch nur wenige Studien auf das Frageverhalten von Schüler*innen außerhalb des lehrendenzentrierten Unterrichts, insbesondere in Phasen der peer-interaktiven Aufgabenbearbeitung. Kronenberger und Souvignier (2005) zeigen auf, dass bereits Drittklässler*innen im Rahmen des kooperativen Lernens Fragen stellen, mit denen sie gezielt Erklärungen ihrer Mitschüler*innen einfordern. Auch Bleck und Lipowsky (2022) betonen die Bedeutung von Schüler*innenfragen für lernwirksame Interaktionen im Rahmen des kooperativen Lernens. Sie weisen darauf hin, dass Fragen vor allem dann einen Beitrag zur fachlichen Auseinandersetzung leisten, wenn sie ein „transaktives Interaktionsverhalten“ auslösen. Damit sind Interaktionen gemeint, in denen Lernende aufeinander Bezug nehmen, Beiträge hinterfragen, aufgreifen oder weiterentwickeln. Insgesamt ist der Forschungsstand bisher jedoch überschaubar und es bleibt offen, wie fachbezogene Schüler*innenfragen während Arbeitsphasen am Schultisch interaktiv eingebettet sind und unter welchen Bedingungen sie zu Anlässen fachlicher Aushandlungen werden. 3. Forschungsfragen und Ziele der Untersuchung Aufgrund des aufgezeigten Forschungsdesiderats richtet sich die zentrale Frage der Analyse darauf, wie durch fachbezogene Schüler*innenfragen in Phasen der peer-interaktiven Aufgabenbearbeitung Lerngelegenheiten entstehen (können) und welche Bedingungen sich dafür als besonders förderlich erweisen. Mit fachbezogenen Schüler*innenfragen sind jene Fragen gemeint, die sich auf die inhaltlich-fachliche Dimension schulischen Unterrichts beziehen und mit denen Schüler*innen unterrichtliche Gegenstände problematisieren. Folgende Teilfragen dienen der vorläufigen Konkretisierung: • Worauf beziehen sich Schüler*innenfragen am Schultisch? • Wie reagieren Mitschüler*innen auf die Fragen? • Welche Funktionen erfüllen die Fragen im Bearbeitungsprozess? Durch die Beantwortung dieser Forschungsfragen soll ein Beitrag zur theoretischen und praktischen Weiterentwicklung des Grundschulunterrichts geleistet werden. Ziel ist es, von Schüler*innenfragen ausgehende Lernprozesse im Deutsch- und Mathematikunterricht empirisch zu erschließen, theoretisch zu erklären und die Erkenntnisse für didaktische Umsetzungen nutzbar zu machen. Eine vergleichende Analyse der Schüler*innenfragen soll dazu beitragen, fachspezifische Besonderheiten und allgemeine Prinzipien des Lernens herauszuarbeiten. 4. Design/Methode Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden die Unterrichtseinheiten aus der INTER-FACH-Videostudie herangezogen. Diese umfasst Videografien von je einer Doppelstunde in Deutsch und Mathematik im dritten Schuljahr in insgesamt 20 Klassen. Die Daten wurden mittels Multi-Kamera-Strategie erhoben, sodass neben der Perspektive der Lehrpersonen auch die der Schüler*innen durch Actionkameras an den Tischen erfasst wurde. Von besonderem Interesse sind für das Forschungsprojekt ebenjene Actionkameras, da sie unmittelbare Einblicke in die Interaktionen und Fragen der Schüler*innen am Schultisch gewähren. Zur Auswertung wird die ethnomethodologische Konversationsanalyse angewandt. Es handelt sich dabei um ein qualitatives, mikroanalytisches Verfahren zur Beschreibung sozialer Interaktionen und es dient dazu, ein Interaktionsgeschehen „from within“ (Garfinkel, 1967, S. 2) zu beschreiben. Das bedeutet, dass die Methode darauf abzielt, soziale Formen und Prozesse in ihrer inneren Logik zu erfassen und als sich selbst organisierende, reproduzierende und explizierende Strukturen zu untersuchen (vgl. Bergmann, 1994). 5. Stand der Datenauswertung Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass fachbezogene Schüler*innenfragen im Vergleich zum klassenöffentlichen Unterricht in Phasen der peer-interaktiven Aufgabenbearbeitung keine Ausnahme darstellen, sondern – ganz im Gegenteil – als ein wesentlicher Bestandteil der Aufgabenbearbeitung betrachtet werden können. Aus den bisherigen Analysen geht hervor, dass dabei das Aufgabenformat eine zentrale Rolle spielt und die Interaktion der Schüler*innen maßgeblich beeinflusst. 6. Beratungsbedarf Es besteht ein Beratungsbedarf vor allem hinsichtlich der Vergleichbarkeit der Unterrichtsfächer Deutsch und Mathematik, der Rolle des Aufgabenformats für das Auftreten von Schüler*innenfragen sowie der Generalisierbarkeit der bisherigen Befunde. Auch die Frage, wie Lerngelegenheiten analytisch trennscharf bestimmt werden können, bedarf weiterer Klärung. Videografierte Unterrichtsinteraktionen zum Thema KI in der Grundschule – eine Analyse der Aufgabenkultur TU Chemnitz, Deutschland Meine Promotion, verortet in Unterrichtsqualitätsforschung und KI-Bildung, befindet sich in einer frühen Phase. Als Datengrundlage dienen bereits erhobene Unterrichtsvideos aus der Studie „Inklusive Unterrichtsentwicklung mit der UNIKlasse“ (Lange & Görel, 2026/i.D.). In der Unterrichtsqualitätsforschung ist Aufgabenkultur im analytisch-deskriptiven Sinne, als Einführung, Bearbeitung und Besprechung von Aufgaben, ein zentrales Merkmal qualitätsvoller Lehr- und Lernprozesse (Bohl & Kleinknecht, 2009; Kleinknecht, 2019). KI stellt als neuartiger Lerngegenstand (Scheiter et al., 2025) besondere Anforderungen an die didaktische Ausgestaltung in der Grundschule. Wie eine Aufgabenkultur zu Unterricht über und mit KI in der Grundschule realisiert wird, ist bislang kaum erforscht. Videodaten gelten als geeignete Analysezugänge für Unterricht (Seidel & Thiel, 2017; Reusser & Pauli, 2021). Ziel der Promotion ist die Analyse der Merkmale einer Aufgabenkultur zum Lerngegenstand ‚KI‘ im Unterricht angehender Lehrkräfte hinsichtlich der didaktischen Rahmung und Unterrichtsinteraktionen. Datenbasis sind videografierte Unterrichtsstunden (N = 27) mit angehenden Lehrkräften aus der UNIKlasse Chemnitz. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2024) mit INTERACT. Ich bin nun dabei, meine Forschungsfragen zu präzisieren und eine Datenauswertungsstrategie zu erarbeiten. Zu diesen Schritten und der Operationalisierung von Aufgabenkultur besteht Beratungsbedarf. |
| 14:00 - 18:00 | Round Table 3 Ort: Seminarraum S12 Chair der Sitzung: Prof. Dr. Andreas Hartinger |
|
|
Wer hat, dem wird gegeben? Zusammenhänge der Leistungseinschätzungen von Lehrkräften mit ihrem Interaktionsverhalten im Grundschulunterricht Universität Kassel, Deutschland Arbeitsstand Das Projekt befindet sich in der Entwicklungs- und Planungsphase. Aktuell wird ein Kodiermanual entwickelt und erprobt. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand Die Interaktion zwischen Lehrkräften und Schüler:innen ist ein Prozess, über den Lernen im Unterricht stattfindet und Leistungsungleichheiten verstärkt oder reduziert werden können (Peterson et al., 2016). Lehrkrafterwartungen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie sich in differenziellem Verhalten von Lehrkräften widerspiegeln und Motivation, Selbstkonzept und Leistung von Schüler:innen beeinflussen können (Brophy & Good, 1976). Rosenthal (1974) systematisierte vier Verhaltensdimensionen, über die Erwartungseffekte im Unterricht wirksam werden. Als leistungsstark eingeschätzte Schüler:innen erhalten demnach häufig ein wärmeres sozio-emotionales Klima, elaborierteres Feedback, anspruchsvolleren Input sowie mehr Gelegenheiten zur Beteiligung (Harris & Rosenthal, 1985). Besonders affektive und nonverbale Verhaltensweisen vermitteln Erwartungen dabei unbewusst, selbst wenn Lehrkräfte diese zu unterdrücken versuchen (Babad, 1993). Schüler:innen nehmen das Verhalten der Lehrkraft wahr, internalisieren es und passen ihr eigenes Verhalten entsprechend an. Alternativ können sie diesen Einflüssen auch entgegenwirken, sofern ein stabiles Selbstkonzept vorliegt (Jussim & Harber, 2005). Die Befundlage ist jedoch inkonsistent. Einige Studien zeigen, dass Lehrkräfte leistungsstärkere Schüler:innen bevorzugt als Interaktionspartner:innen wählen (Lipowsky et al., 2007), während andere häufigere Interaktionen mit leistungsschwächeren Schüler:innen berichten, um deren Unterrichtsanschluss zu sichern (Denessen et al., 2020). Fachspezifische Vergleiche fehlen bislang weitgehend, obwohl Erwartungseffekte in Mathematik empirisch stärker ausgeprägt zu sein scheinen als in sprachlichen Fächern (Hollenstein et al., 2024; Rubie-Davies et al., 2015). Fragestellung und Ziele der Untersuchung Daraus ergeben sich folgende Forschungsfragen: 1. Inwiefern unterscheiden sich dyadische Interaktionen zwischen Lehrkräften und leis-tungsstärker bzw. leistungsschwächer eingeschätzten Schüler:innen? 2. Welche Verhaltensweisen zeigen Lehrkräfte und Schüler:innen in diesen Interaktionen? 3. Welche Unterschiede zeigen sich in diesen Interaktionen zwischen dem Mathematik- und dem Rechtschreibunterricht? Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern Leistungseinschätzungen mit dem Interaktionsverhalten von Lehrkräften und Schüler:innen zusammenhängen und welche fachspezifischen Lerngelegenheiten entstehen. Design und Methode Die Analyse basiert auf der INTERFACH-Videostudie und folgt einem quantitativen Design. Es werden dyadische Interaktionen im Mathematik- und Rechtschreibunterricht in dritten Klassen zwischen der Lehrkraft und leistungsstark bzw. leistungsschwach eingeschätzten Schüler:innen untersucht. Die Stichprobe basiert auf einem Extremgruppendesign mit vorab erhobenen Leistungseinschätzungen. Die Interaktionen werden mittels deduktiv-induktiven Kodierens analysiert, wobei neben strukturellen Merkmalen wie Häufigkeit und Dauer auch kontex-tuelle Aspekte wie Initiierung(sversuche), Meldedichte, körperliche Nähe und Lehrkraftimpulse kodiert werden. Der fächerübergreifende Vergleich ermöglicht die Untersuchung fachspezifischer Unterschiede im Interaktionsverhalten. Aktueller Stand der Datenauswertung Das Kodiermanual wird derzeit entwickelt und erprobt. Erste Kodierungen befinden sich in der Pilotierungsphase. Beratungsbedarf Beratungsbedarf besteht hinsichtlich der Weiterentwicklung des Kodiermanuals, der Auswertungsstrategie, sowie der Interpretation fachspezifischer Unterschiede zwischen dem Mathematik- und Rechtschreibunterricht. Erwartungen von Lehrpersonen und deren Auswirkungen auf Feedback-Interaktionen im Unterricht der Grundschule – Eine Videostudie Pädagogische Hochschule Freiburg, Deutschland Die Datenerhebung (Unterrichtsvideografie, 20x45‘) ist abgeschlossen. Feedback-Interaktionen zw. Lehrpersonen und Schüler:innen bieten besonders in Phasen selbstständigen, schüler:innenzentrierten Lernens die Chance, individuelles Lernen zu fördern, sind aber sehr anspruchsvoll (Lipowsky & Lotz 2015). Oft bleiben Rückmeldungen von Lehrpersonen oberflächlich (z.B. „richtig/falsch“), ohne Denk- und Lernprozesse der Schüler:innen vertieft aufzugreifen (Buholzer et al. 2020). Untersucht wird, welche Feedback-Interaktionen zw. Lehrpersonen und Schüler:innen in Lern- und Arbeitsphasen sichtbar sind und inwiefern diese von den Erwartungen der Lehrpersonen beeinflusst werden. Die mixed-methods-Studie kombiniert niedrig-inferentes und hoch-inferentes Rating (Hess et al. 2019) mit qualitativer Auswertung ausgewählter Interaktionen mittels Grounded Theory (Glaser & Strauss 2008; Strübing 2021). Bei 5 Lehrpersonen wurden je 4 Sachunterrichtsstunden (Kl. 2–4) videografiert (20x45‘). Zudem erfassen Fragebögen die Leistungserwartungen der Lehrpersonen. In der Pilotierung (45‘) zeigte sich eine hohe Interaktionsdichte, die die geringe Feedbackqualität mitbedingen könnte: Zu viele Aufgaben laufen simultan ab (Sweller 1994). Aktuell (04/2026) erfolgen Transkription und erste Kodierung zur Systematisierung des empirischen Materials. Geplant ist, Transkriptausschnitte zur kommunikativen bzw. kollegialen Validierung einzubringen und die Trennschärfe der bisher entwickelten Kategorien zu überprüfen. |
| 14:00 - 18:00 | Round Table 4 Ort: Seminarraum S13 Chair der Sitzung: Dr. Christian Elting |
|
|
Lehrkräfteperspektiven auf Schüler:innenpartizipation im Sachunterricht zwischen sozialem und politischem Lernen Universität Greifswald, Deutschland Das geplante Dissertationsvorhaben untersucht die Lehrkräfteperspektive auf Schüler:innenpartizipation als zentralen Aspekt der Demokratiebildung an allgemeinbildenden Grundschulen mit besonderem Fokus auf den Sachunterricht. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern die in der Unterrichtspraxis realisierte Partizipation den Anforderungen politischer Bildung entspricht oder primär auf soziale Lernprozesse verweist und unter welchen Bedingungen sie gegenwärtig umgesetzt wird. Theoretischer Ausgangspunkt ist die Annahme, dass früh eröffnete Partizipation eine grundlegende Erfahrung für gegenwärtiges und zukünftiges demokratisches Handeln darstellt, zugleich jedoch für politisches Lernen in realpolitische Lernsituationen eingebettet sein muss (Albrecht et al., 2020; Becher & Gläser, 2020). Im ersten Schritt der Promotion soll mithilfe eines Fragebogens untersucht werden, wie Partizipation im Sachunterricht derzeit umgesetzt wird. Dabei basiert der Fragebogen auf der Unterscheidung zwischen Partizipation als sozialem Lernen, Partizipation als politischem Lernen sowie der curricularen Begründung politischer Partizipation und erfasst die Perspektiven von Sachunterrichtslehrkräften. Derzeit wird die theoretische Fundierung des Instruments erarbeitet. Der daraus resultierende Beratungsbedarf betrifft vor allem methodische Fragen, insbesondere die Konzeption des Erhebungsinstruments, die Formulierung geeigneter Items sowie die Auswahl eines angemessenen Auswertungszugangs. Die Vergleichskompetenz von Schülerinnen und Schülern im Sachunterricht (VerSuS) LMU München, Deutschland Das Promotionsvorhaben steht kurz vor der Finalisierung des Forschungsdesigns. Vergleichen gilt als eine zentrale, fächer- sowie schulartübergreifende Kompetenz von Schüler:innen (vgl. GDSU, 2013; Schreiber, 2005; Wellnitz & Mayer, 2013). Empirisch belegt ist, dass das Vergleichen eine kognitiv aktivierende Maßnahme darstellt (Lipowsky et al., 2019), die durch verschiedene Möglichkeiten konstruktiv unterstützt werden kann (Matlen et al., 2020; Oberfell et al., 2023). Jedoch mangelt es an wissenschaftlichen Untersuchungen, die die Kompetenz des Vergleichens selbst in den Fokus rücken und eine differenzierte Betrachtung ihrer Subprozesse ermöglichen. Ziel des Forschungsvorhabens ist deshalb, die Vergleichskompetenz von Grundschüler:innen zu erfassen und zu untersuchen, (1) wie Lernende in einer Vergleichssituation zu sachunterrichtlichen Inhalten vorgehen (2) wie die einzelnen Subprozesse der Vergleichskompetenz ausgestaltet sind und (3) in welchem Zusammenhang die Vergleichskompetenz und individuelle Lernvoraussetzungen stehen. Die Studie folgt einem Mixed-Methods-Design. Zur Datenerhebung wird ein bestehendes Erhebungsinstrument (Namy & Clepper, 2010) weiterentwickelt und in Einzelinterviews eingesetzt. Die gewonnenen Ergebnisse werden zunächst qualitativ inhaltsanalytisch (Kuckartz & Rädiker, 2024) ausgewertet und dann für weiterführende quantitative Analysen quantifiziert. Beratungsbedarf besteht vor allem beim methodischen Vorgehen der Quantifizierung und Auswertung. |
| 14:00 - 18:00 | Round Table 5 Ort: Seminarraum S16 Chair der Sitzung: Prof. Dr. Rene Schroeder |
|
|
Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen durch digitale GFK-Interventionen im Vorschul- und frühen Grundschulalter: Eine empirische Untersuchung pädagogischer und entwicklungspsychologischer Dimensionen University of the Aegean, Griechenland Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen durch digitale GFK-Interventionen im Vorschul- und frühen Grundschulalter: Eine empirische Untersuchung pädagogischer und entwicklungspsychologischer Dimensionen Agapi Samlidou — B.A. Kindheitspädagogik (KSH München), M.A. Medienpädagogik (Universität Ägäis), Doktorandin (Universität Ägäis) PriQua-Tagung, 15.–16. September 2026, Universität zu Köln 1 · Gegenwärtiger Arbeitsstand Das Dissertationsvorhaben wurde durch Beschluss der Fakultätsversammlung der Universität der Ägäis offiziell angenommen. Prof. Emmanouil Fokidis wurde als Betreuer bestellt; eine Begleitkommission zur wissenschaftlichen Aufsicht wurde eingesetzt. Die Literaturrecherche in den Bereichen Gewaltfreie Kommunikation (GFK), sozial-emotionales Lernen (SEL), Medienpädagogik und Entwicklungspsychologie der frühen Kindheit ist abgeschlossen. Das Forschungsdesign wurde methodisch konkretisiert, und die konzeptionellen Grundlagen der digitalen Interventionsinstrumente — einer GFK-Lernapplikation sowie einer Lehrenden-Plattform — wurden ausgearbeitet. Ausstehend sind die Zweitbetreuungsvereinbarung an der KSH München, das Ethikvotum sowie Kooperationsvereinbarungen mit Einrichtungen im Großraum München. Datenerhebung und -auswertung sind für 2027–2029 geplant. Das Vorhaben baut unmittelbar auf der Pilotstudie der Masterarbeit (Universität Ägäis, 2026) als empirischem Machbarkeits- und Bedarfsnachweis auf. 2 · Theoretischer Hintergrund Der UNICEF-Deutschland-Bericht 2025 dokumentiert einen signifikanten Rückgang des psychosozialen Wohlbefindens bei Kindern: Gewaltdelinquenz unter 14 Jahren erreichte ein 15-Jahres-Hoch (281 Fälle/100.000), 32 % der 15-jährigen Mädchen berichten regelmäßige Einsamkeit; Deutschland liegt beim psychosozialen Wohlbefinden deutlich hinter Norwegen, Finnland und der Schweiz. Die GFK nach Rosenberg (2003) strukturiert sich über vier Elemente: Beobachtung ohne Bewertung, Benennung von Gefühlen, Anerkennung von Bedürfnissen und Formulierung konkreter Bitten. Für Kinder entwickelte Rosenberg die Giraffensprache — eine kindgerechte Metapher für Empathie und gewaltfreies Miteinander im Kontrast zur Wolfssprache der Urteile, didaktisch zugänglich ab vier Jahren. Shonkoff und Phillips (2000) sowie Siegel (2012) belegen neuropsychologisch, dass grundlegende Kommunikations- und Konfliktmuster in sensiblen Phasen der frühen Kindheit neuronal verankert werden. Die SEL-Metaanalyse von Durlak et al. (2011) zeigt: Universelle SEL-Programme erzielen Effektgrößen von d = 0,57, reduzieren Problemverhalten um 9 % und verbessern Schulleistungen um bis zu 11 Prozentpunkte. Das Vorhaben gründet auf fünf theoretischen Bezugsrahmen: GFK (Rosenberg), CASEL-SEL-Rahmenwerk (2020), entwicklungsneurowissenschaftliche Befunde, TPACK-Modell (Mishra & Koehler, 2006) und Gamification-Theorie (Deterding et al., 2011). Im deutschsprachigen Raum fehlt bislang eine empirisch evaluierte, digital gestützte Implementierung solcher Konzepte in der Früherziehung — diese Forschungslücke schließt das Projekt. 3 · Fragestellung und Ziele Zentrale Frage: Inwieweit beeinflusst der Einsatz digitaler Medien bei der GFK-Vermittlung die pädagogischen Einstellungen von Lehrkräften sowie die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern (4–7 Jahre)? Teilfragestellungen fokussieren auf Lehrkräfte-Selbstwirksamkeit, Prä-Post-Gruppenvergleiche, kindliche GFK-Einstellungen, Usability der Werkzeuge und altersbezogene Wirksamkeitsunterschiede. Übergeordnete Ziele: (1) Wirksamkeitsprüfung technologiegestützter GFK-Interventionen mittels Experimental-/Kontrollgruppenvergleich, (2) Entwicklung praxistauglicher digitaler Werkzeuge für Lehrkräfte und (3) Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit durch skalierbare, sozioökonomisch niedrigschwellige SEL-Angebote. 4 · Design und Methode Sequenzielles Mixed-Methods-Design: Experimentalgruppe (GFK mit digitalen Medien) vs. Kontrollgruppe (analoge GFK ohne Technologie). Angestrebte Stichprobe: N = 120–160 Kinder (4–7 Jahre) aus Münchner Kindergärten und Grundschulklasse 1, geschichtet nach Altersgruppe; Umfang wird per a-priori-Poweranalyse bestimmt. Digitale Werkzeuge: spielbasierte App (Gefühlserkennung, Bedürfnisidentifikation, aktives Zuhören in Giraffensprache) und Lehrkräfte-Website (Unterrichtseinheiten, methodische Leitfäden, adaptives Begleitmaterial). Intervention: ein Schuljahr, wöchentlich 60 Minuten. Instrumente: standardisierte SEL-Skalen, Lehrkräfte-Fragebögen (Pre/Post/Follow-up nach 6 Monaten), halbstrukturierte Interviews, Videoanalysen, Usability-Fragebögen. Auswertung quantitativ (Varianzanalysen, GEE) und qualitativ (thematische Analyse nach Braun & Clarke, 2006) mit abschließender Triangulation. 5 · Pilotstudie als empirische Basis Eigene Datenerhebung im Dissertationsprojekt steht noch aus. Empirische Grundlage ist die Pilotstudie der Masterarbeit (2026): Einzelgruppen-Prä-Post-Design, N = 84 Kinder (5–7 Jahre), 67 Eltern, 8 wöchentliche Einheiten à 60 Minuten. GEE-Analysen zeigten signifikante Verbesserungen in emotionaler Bewusstheit (p < .001), Selbstregulation (p < .01), Empathie (p < .001), Beziehungskompetenzen (p < .001) und Konfliktlösungsstrategien (p < .05). Elternratings bestätigten Fortschritte in emotionaler Intelligenz, sozialen Fertigkeiten und Selbstregulation sowie eine gestiegene Bereitschaft, GFK im häuslichen Alltag anzuwenden. Kinderinterviews zeigten Internalisierung der Giraffensprache und wachsendes Bewusstsein für Gefühle und Bedürfnisse. Limitationen: fehlendes Kontrollgruppendesign und begrenzte Stichprobe — beides adressiert das Dissertationsprojekt systematisch. 6 · Beratungsbedarf Im Rahmen der PriQua-Tagung wird kollegiale Expertise erbeten zu: (1) Stichprobengewinnung im frühkindlichen Bereich (Poweranalyse, Schichtung, Feldzugang), (2) altersgerechten SEL-Messinstrumenten für 4–7-Jährige im deutschsprachigen Raum, (3) Operationalisierung von Lehrkräfte-Einstellungen als Mediatorvariablen, (4) DSGVO-konformer ethischer Absicherung der Videodatenerhebung mit Vorschulkindern sowie (5) Erfahrungen mit sequenziellen Mixed-Methods-Designs und Triangulationsstrategien in der Früh- und Grundschulpädagogikforschung. Förderung & Messung informatischer Kompetenzen in den Klassenstufen 1 & 2 LuFG Didaktik der Informatik, RWTH Aachen, Deutschland Motivation & Ausgangslage: Der Erwerb informatischer Grundkompetenzen ist mittlerweile als Aufgabe aller Schulformen und damit auch der Grundschule anerkannt (KMK, 2024; SWK, 2022). Kompetenzerwartungen wurden von der Gesellschaft der Informatik e. V. (Gesellschaft für Informatik e.V., 2019) wie auch der Stiftung Kinder forschen (Bergner et al., 2018) formuliert und finden sich bereits in den Lehrplänen acht deutscher Bundesländer, insbesondere im Sachunterricht (Nenner & Bergner, 2022). Erste Konzepte und Materialien wurden (meist ab Klassenstufe 3) entwickelt und pilotiert (u.a. im Projekt „Informatik an Grundschulen“ von Humbert et al., 2019). Gleichzeitig wird die empirische Evidenz zum Aufbau informatischer Kompetenzen in der Primarstufe als lückenhaft beschrieben (Martschinke et al., 2021). Ziel: Um diese Bildungs- und Forschungslücke zu adressieren, müssen zwei Herausforderungen gemeistert werden: (1) Entwicklung und Erprobung von Konzepten und Lehr-Lern-Materialen für Grundschulkinder (Fokus auf Klassenstufe 1 und 2) und (2) Schaffung eines zielgruppengerechten Messinstruments zum informatischen Kompetenzzuwachs (Ocampo et al., 2024). Lösungsansatz: Zur Adressierung der Herausforderung (1) werden acht 90-minütige Lerneinheiten zur informatischen Bildung zum Thema „Digitale Welt entdecken“ für die Klassenstufen 1 und 2 entwickelt, pilotiert und nach dem Design-Based-Research-Ansatz forschungsbasiert (und im Austausch mit Grundschullehrkräften sowie Informatikdidaktiker:innen) verbessert (Schmiedebach & Wegner, 2021). Dabei werden insbesondere die Themengebiete Algorithmen, Codierung sowie Informatiksysteme und ihre Vernetzung thematisiert. Alle Lehr-Lern-Materialien werden als Open Educational Resources veröffentlicht. Zur Adressierung der Herausforderung (2) wird ein quantitatives Messinstrument MiKA („Messung informatischer Kompetenzen im frühen Alter“) entwickelt, mit welchem in einem Pre-Post-Design der informatische Kompetenzzuwachs durch die Lerneinheiten „Digitale Welt entdecken“ gemessen werden soll. Aktueller Forschungsstand: Der erste DBR-Zyklus ist abgeschlossen. Das Lernkonzept "Digitale Welt entdecken" wurde bereits mit 5 Lerngruppen als AG im Nachmittag pilotiert (ingesamt n = 65). Die erste Version der Lernmaterialien als Open Educational Resources liegt vor. Im nächsten Zyklus sollen diese in Feedbackgesprächen mit Grundschullehrkräften überarbeitet werden. Das Messinstrument MiKA hat sich über die verschiedenen Pilotierungen weiterentwickelt. Es wurden Think-Aloud-Interviews mit Grundschulkindern sowie Feedbackgespräche mit Expert:innen aus der Informatik- und Grundschuldidaktik geführt und die Ergebnisse in die neueste Testversion eingearbeitet. Erste Pre-Post-Ergebnisse liegen vor. Zum Oktober 2026 soll das Messinstrument für alle künftigen Durchführungen finalisiert sein. Mögliche Diskussionen für die PriQua-Tagung: - Feedback zum Messinstrument MiKA - Methodische Herangehensweisen um Lernkonzept und Lernmaterialien zu optimieren - Kontrollgruppendesign - Umsetzung des Design-Based-Research-Ansatzes am Lernkonzept |
| 19:00 - 22:00 | Gemeinsames Abendessen im Stadtgarten /Ausgebucht Möglichkeit des Gemeinsamen Abendessens im Stadtgarten Venloer Str. 40, 50672 Köln https://www.stadtgarten.de/restaurant Nähere Infos zur Anfahrt finden Sie hier https://www.hf.uni-koeln.de/data/eso34/File/Anfahrten%20bei%20der%20Tagung_Stand%2007-09-2026.pdf |
