Veranstaltungsprogramm
| Sitzung | ||
Pecha Kucha Session I: Forschungsdaten praxisnah: Produkte, Tools und Services
Moderation: Dr. Bernhard Miller | ||
| Zusammenfassung der Sitzung | ||
|
Was ist eigentlich Pecha Kucha? Pecha Kucha ist ein Präsentationsformat, bei dem 20 Folien je 20 Sekunden lang zu sehen sind. Die 400 Sekunden langen Präsentationen sollen dem „Death-by-Powerpoint“ entrinnen. Anstatt langatmiger Vorträge will Pecha Kucha fokussierte und anregende Kurzbeiträge ermöglichen, die sich aufs Wesentliche konzentrieren: Ausdrucksstarke statt detaillierter Folien leiten den Vortrag an. Auf der 10.KSWD - unserer Konferenz für Sozial- und Wirtschaftsdaten - bietet das Format uns die Chance, pointiert und praxisnah aktuelle Herausforderungen vorzustellen; darüber hinaus bietet es in ungezwungener Atmosphäre einen Zugang zu Forschungsdaten ebenso wie Produkte, Tools und Services im Bereich Forschungsdatenmanagement. | ||
| Präsentationen | ||
Die Beschäftigungsstatistik schwerbehinderter Menschen (BsbM): Beschreibung und Forschungspotenzial Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Deutschland Die alternde Bevölkerung stellt Industrieländer, allen voran Deutschland, vor große Herausforderungen in Bezug auf die Erwerbsbevölkerung, wirtschaftliche Produktivität und die Tragfähigkeit der Sozialversicherungssysteme. Mit zunehmendem Alter wächst auch der Anteil der Menschen mit (Schwer-)Behinderung, da solche Beeinträchtigungen oft im Laufe des Lebens erfolgen. Die Forschungsliteratur zur Situation schwerbehinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt hat bislang wenig auf administrative Daten zurückgegriffen, da es sich dabei um sensible Daten handelt und diese oft schwer zugänglich sind. Wir präsentieren die Beschäftigungsstatistik schwerbehinderter Menschen (BsbM), einen einzigartigen Datensatz der Bundesagentur für Arbeit, der zur Kontrolle der Einhaltung der Schwerbehindertenquote in Unternehmen in Deutschland erhoben wird. Unser Ziel ist es, einen Überblick über die BsbM-Daten und deren Forschungspotenzial zu geben. Insbesondere untersuchen wir mithilfe der BsbM-Daten und ihrer Verknüpfung mit dem Betriebs-Historik-Panel die Entwicklung der Einhaltung der Beschäftigtenquote von Menschen mit Schwerbehinderung durch Unternehmen im Zeitverlauf und identifizieren betriebliche Faktoren, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit der Einhaltung verbunden sind. Außerdem diskutieren wir die Forschungsmöglichkeiten, die der Datensatz bietet, und sein Potenzial für weitere Verknüpfungen. Neues aus den Forschungsdatenzentren 1Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; 2Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen; 3Kraftfahrt-Bundesamt Forschungsdatenzentren (FDZ) ermöglichen der Wissenschaft einen flexiblen und umfangreichen Zugang zu sensiblen Daten. Im Rahmen eines Pecha Kucha-Vortrags präsentieren die FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (FDZ-Bund/Länder), des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FDZ) und des Kraftfahrt-Bundesamtes (FDZ im KBA) auf musikalische Weise Neuigkeiten zu Datenzugangswegen, Datenprodukten und Serviceleistungen. Die FDZ-Bund/Länder stellen den neuen Remote-Datenzugang, ein neues Entgeltverzeichnis sowie ein E-Learning vor. Mit Remote-Access können Nutzende aus ihrer Einrichtung Zugriff auf die Daten bekommen. Die neuen Entgelte sind kundenorientiert und das E-Learning hilft allen im Umgang mit amtlichen Daten. Das BAMF-FDZ präsentiert eine Erweiterung seiner Serviceleistungen. Mit Hilfe von neu erstellten Testdaten können Datennutzende schon vor einem Gastaufenthalt ihre Auswertungsprogramme auf Lauffähigkeit prüfen. Hierdurch werden Gastaufenthalte für Datennutzende noch effizienter gestaltet. Das FDZ im KBA stellt mit einem Panel auf Grundlage des Zentralen Fahrzeugregisters (ZFZR) ein neues Datenprodukt vor. Das Panel umfasst alle Fahrzeuge, die seit 2015 im ZFZR erfasst wurden und ermöglicht eine Nachverfolgung dieser Fahrzeuge sowie deren Halterinnen und Haltern über den gesamten Beobachtungszeitraum. Effiziente Auswertung großer Datenvolumina mit R Statistisches Bundesamt, Deutschland Das Forschungsdatenzentrum des Statistischen Bundesamts (FDZ-Bund) steht zunehmend vor der Herausforderung, stetig wachsende Datenvolumina zu verarbeiten und für die Forschung nutzbar zu machen. Aktuelle technologische Weiterentwicklungen bieten hierfür vielversprechende Lösungsansätze. Besonders die freie Statistiksoftware R bietet einen intuitiven Zugang zu entsprechenden Werkzeugen und rückt als zentrales Analysewerkzeug verstärkt in den Fokus. Ein Ansatz ist, die Open-Source-Technologien des Dateiformats Parquet mit dem Paket arrow (Richardson u. a. 2024) zu kombinieren. Die Verarbeitung von Parquet-Dateien mit arrow ermöglicht auf intuitive Weise analytische Abfragen auf Datenbeständen, die ein Vielfaches des verfügbaren Arbeitsspeichers umfassen. Die in arrow implementierten Optimierungen ermöglichen, angewandt auf eine intelligente Datenpartitionierung, besonders kurze Auswertungszeiten. Der Vortrag stellt die grundlegende Arbeitsweise von Parquet-Dateien und arrow anhand einer beispielhaften Auswertung der DRG-Statistik (Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik) vor – einer im FDZ-Bund stark nachgefragten Statistik, deren Datenvolumen mit herkömmlichen Auswertungsstrategien die Kapazitäten der FDZ-Bund-Infrastruktur übersteigt. Ziel des Vortrags ist es, Datennutzenden und Datenhaltenden die erheblichen Performanzgewinne durch den Einsatz von Parquet-Dateien mit arrow aufzuzeigen und damit das Potenzial dieser Technologien für weitere Arbeitsbereiche zu erschließen. BERD Research Data Marketplace - Sichere Datenkooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft Universität Mannheim, Deutschland Der Zugang zu hochwertigen praxisbezogenen Daten ist zentral für das Verständnis gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Dynamiken, stellt jedoch nach wie vor einen Engpass in der empirischen Forschung dar. Gleichzeitig verfügen Organisationen über wertvolle proprietäre Daten, die aus rechtlichen, wettbewerblichen und datenschutzbezogenen Gründen kaum geteilt werden. Der im Rahmen der NFDI entwickelte BERD Research Data Marketplace adressiert dieses Spannungsfeld durch einen sicheren und kontrollierten Datenaustausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Das zugrunde liegende Zugangsmodell erlaubt Forschenden, die Nutzung organisationsbezogener Daten zu beantragen, während Datenbereitstellende die volle Kontrolle über Zugriffsentscheidungen behalten. So werden rechtliche und ethische Anforderungen gewahrt und die Datennutzung an die Interessen der Organisationen angepasst. Eingebettet in eine umfassendere Infrastruktur unterstützt der Marketplace die FAIR-Prinzipien, strukturierte Metadaten und transparente Datenmanagementprozesse. Ziel des Vortrags ist es, das konzeptionelle Design und den Governance-Rahmen des BERD Research Data Marketplace vorzustellen sowie dessen Rolle für vertrauenswürdige Dateninfrastrukturen aufzuzeigen. Dabei wird diskutiert, wie solche Ansätze Barrieren im Datenaustausch überwinden, neue Forschungszugänge eröffnen und Synergien zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im Zeitalter von Big Data und unstrukturierten Daten geschaffen werden. Forum4MICA - Das Diskussionsforum rund um Forschungsdaten Leibniz Institute für Bildungsverläufe, Deutschland Durch wachsende Anforderungen an das Forschungsdatenmanagement (FDM) ist es von zentraler Bedeutung nutzerfreundliche Services anzubieten, die nicht nur die Informationssuche für die Datennutzenden erleichtert, sondern auch eine Entlastung für die Mitarbeitenden an Forschungsdatenzentren (FDZ) darstellt. Forum4MICA stellt einen solchen Service dar. Es handelt sich dabei um eine offene Diskussions- und Informationsplattform über das Datenangebot, der durch die vom RatSWD akkreditierten FDZs. Seit dem Start des Forums im Februar 2023 haben sich bereits über 15 Institutionen bereit erklärt sich aktiv am Forum zu beteiligen und über 550 Nutzende sind registriert. Das Bereitstellen von Information über Datenbestände stellt einen wesentlichen Stützpfeiler der Dateninfrastruktur dar, daher ist zum Lesen von Beiträgen keine Registrierung erforderlich, so dass Informationen über die angebotenen Datenprodukte allen frei zugänglich sind. Forum4MICA dient damit als Ergänzung zur Datendokumentation, die von den FDZs zur Verfügung gestellt wird, dabei kann auch wesentlich detaillierter auf Fragen zu den angebotenen Datenbeständen eingegangen werden und es entwickelt sich dadurch dynamisch und bleibt automatisch aktuell. Damit ist das Forum ein Stützpfeiler im Lebenszyklus des FDM, durch den einfachen und transparenten Zugang zu Informationen. Ziel der Präsentation ist es einen Einblick in die Vorteile der Nutzung, die Herausforderungen beim Aufbau, sowie zukünftige Entwicklungen zu geben. | ||